Edewecht - Eine feine Staubschicht hat sich auf Fußböden, Werkbänke und Maschinen gelegt. Die Räume sehen so aus, als seien sie seit Jahren verlassen. Und so ist es auch. Seit 2019 hat kein Schüler und keine Schülerin die Werkräume der Edewechter Oberschule mehr von innen gesehen. Neben Rissen an den Wänden, der durchhängenden Decke und möglicher Asbest-Belastung sind auch mangelnder Lärm- und Brandschutz, das schwache Licht und der rutschige Boden ein Problem. Zudem ist das alte Fachwerkgebäude, in dem der Maschinenraum untergebracht ist, einsturzgefährdet. Seit 2017 wurden mehrere Gutachten erstellt, die die einzelnen Mängel belegen. Bekannt sind die Probleme allerdings schon länger. Vor drei Jahren wurden die Räume dann aus Sicherheitsgründen gesperrt.
Provisorium geschaffen
Um dennoch irgendwie den Unterricht anbieten zu können, sind in einem ehemaligen Biologie- und einem Mehrzweckraum ein provisorischer Technik- und ein Werkraum entstanden. Schulleiter Peter Röben kann sich noch gut daran erinnern, dass es 2019 von der Gemeinde Edewecht als Schulträgerin hieß, es handele sich um eine Übergangslösung für ein halbes Jahr. Doch das Provisorium blieb. Und auch in den kommenden Jahren wird sich daran voraussichtlich nichts ändern (siehe Zweitstück).
Ein Unterricht, der den Anforderungen entspricht, sei so nicht möglich, sagt Röben. Der Maschinenraum fehlt komplett, zudem sei in den Räumen ebenfalls das Licht zu dunkel, der Hall zu laut und der Boden zu rutschig. Diesen Sommer habe die Gemeinde dann für eine fünfstellige Summe einen rauen Boden verlegen lassen. Doch der wellt sich schon jetzt an mehreren Stellen.
„Unhaltbarer Zustand“
Hinzukommt: Mit den alten Räumen konnte etwa der Hälfte eines Jahrgangs Technikunterricht angeboten werden. Jetzt sind es rund 30 Prozent. Beim Werken ist es ebenso. Die verfügbaren Plätze werden verlost. „Es ist ein unhaltbarer Zustand“, sagt Ralf Rippen, der sich im Vorstand des Schulelternrats engagiert. „Unsere Kinder sind absolut benachteiligt im Wettbewerb. Selbst die Kinder, die möchten, kriegen nicht unbedingt einen Platz. Woher sollen sie wissen, ob sie Talent haben, wenn sie es nicht ausprobieren können? Und das gerade hier im Ammerland, wo viel auf Handwerk gesetzt wird. Wir werden von den anderen Gemeinden abgehängt. “
Sein Sohn Kilian geht in die 10. Klasse und macht im nächsten Jahr seinen Abschluss. Er hatte während seiner gesamten Zeit an der Oberschule keinen Werkunterricht. Zwei Mal habe er versucht, über das Losverfahren reinzukommen. Ohne Erfolg. „Es ist schon blöd, weil es keine Vorbildung gibt“, sagt der 17-Jährige. Er entdeckte sein handwerkliches Interesse dann über Praktika.
„Wir wollen den Schülern den Werkunterricht gerne ermöglichen, aber wir können nicht“, sagt Schulleiter Peter Röben. Inzwischen ist er nicht mehr nur frustriert, sondern auch traurig. „Wie kann man das so lange verschleppen?“
