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nordwest-zeitung

Konzept Für Gießelhorster Bäke Ocholt vor Hochwasser schützen

Ocholt - Eigentlich bringt man den Westersteder Ortsteil Ocholt nicht unbedingt mit Hochwasser in Verbindung – beim genaueren Hinschauen allerdings offenbart sich ein anderes Bild: Die Gießelhorster Bäke hat in den vergangenen Jahren immer mal wieder für Überschwemmungen und nasse Keller im Ort gesorgt.

Einst mäandrierte der Bach durchs Ammerland, sprich, er schlängelte sich in Kurven durch die Landschaft: Wasser sucht sich seinen Weg. Über die Jahre hinweg wurde die Bäke immer weiter begradigt, teilweise wurden Seitenarme abgeklemmt. Solche Eingriffe verändern nicht nur Flora und Fauna, sondern auch die Fließgeschwindigkeit – bisweilen mit verheerenden Folgen.

Konzept fehltE

Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Westerstede bereits im Jahr 2018 beschlossen, ein Fließgewässerentwicklungskonzept entwickeln zu lassen, das den Hochwasserschutz mit dem Naturschutz verbindet. Denn Ocholt soll nicht nur trocken bleiben, die Bäke soll auch revitalisiert werden. Wissenschaftler unterscheiden zwischen „Renaturierung“ und „Revitalisierung“. Eine Renaturierung ist eine Rückführung des Flusses in den ursprünglichen unverbauten Zustand. Von Revitalisierung sprechen Experten, wenn einzelne Aspekte des Fließgewässers natürlicher werden – so im Fall der Gießelhorster Bäke.

Revitaliserung?

Einer dieser Experten ist Wolfgang Koenemann. Er arbeitet als Bauingenieur bei dem Westersteder Ingenieurbüro Börjes, das das Konzept erarbeitet. Nun gab Koenemann im Ausschuss für Bau und Stadtentwicklung einen Einblick in den den Zustand der Bäke.

Die vergangenen zwei Jahre haben er und seine Kollegen genutzt, um eine Bestandsaufnahme zu erarbeiten: Auf einer Länge von elf Kilometern erfassten sie alle 100 Meter die Daten für Breite und Tiefe der Bäke. Diese Daten fließen in Computersimulationen, in denen Koenemann es beispielsweise „einfach mal stark regnen“ lassen kann, um zu berechnen, wie die Bäke reagiert– und wie sich die Fließgeschwindigkeit verändert.

Zu schneller Bach

Um die zu drosseln, sieht das Konzept zwei Ansätze vor: zum einen durch die Revitalisierung der Bäke, zum anderen durch eine Retentionsmaßnahme: Damit wird Wasser an einer passenden Stelle gestaut. Die Bäke fließt zurzeit ungehindert unter dem Bahndamm in Ocholt durch. Der Durchlass umfasst eine Fläche von zwei Quadratmetern. „Da kann das Wasser ungehindert durchrauschen“, erklärt Koenemann. Dieser Durchlass soll auf einen halben Quadratmeter verkleinert werden. Die Folge: Das Wasser staut sich im Vorfeld auf den dafür vorgesehenen Polderflächen und läuft nicht mehr in die Keller der Ocholter. Um die Bäke in einen natürlicheren Zustand zu versetzten, sieht das Konzept drei Ansätze vor:

Flussbett verändern

Das aktuelle Flussbett bietet Fischen kaum Laichmöglichkeiten, die Sohle ist teilweise verschlammt. Wirbellose wie Wasserinsekten finden keinen Unterschlupf. Die Idee: Man kippt Kies ins Flussbett. „Damit haben die Tiere einen Lebensraum“, erklärt Anika Börries, die als Biologin das Projekt begleitet.

Altarme anschließen

Drei bis vier Altarme der Bäke werden wieder angeschlossen. Dadurch entsteht ein lebendiges Fließgewässer.

Bäke Weg finden lassen

In den Flussverlauf soll zudem Totholz geworfen werden. Das Wasser fließt im ersten Schritt dagegen und sucht sich im zweiten Schritt seinen eigenen Weg. Dadurch entstehen neue Kurven oder Schlängel, der Bach sucht sich seinen Lauf. „Das ist sinnvoller und günstiger, als Bagger einzusetzen“, erklärt Koenemann.

Und wie geht’s weiter? Zum einen muss die für LEADER-Projekte zuständige EU-Behörde die Fördermittel genehmigen. Zum anderen erhält der Landkreis eine Entwurfsgenehmigungsplanung. „Am Ende müssen alle Beteiligten gehört werden“, so Koenemann.

Katja Lüers
Katja Lüers Reportage-Redaktion
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