Rostrup - „Herrschaftliches Wohnen direkt am Zwischenahner Meer“ verspricht die Anzeige auf der Internetseite des Rasteder Immobilienmaklers Mayer & Dau. Hinter dieser Beschreibung versteckt sich das ehemalige Offizierskasino auf dem früheren Bundeswehrkrankenhausgelände in Rostrup. John Thiele, Geschäftsführer der Gesellschaft Palais am Meer, die das gesamte Gelände gemeinsam mit der Berliner Aktiengesellschaft The Grounds Real Estate beplant, bestätigte den geplanten Verkauf des denkmalgeschützten Gebäudes mit insgesamt 60 000 Quadratmetern Grundstück.
Gebäude mit Geschichte
Das auch als Klingenberg-Villa bekannte Gebäude aus dem Jahr 1913 wurde von dem Architekten Ludwig Klingenberg (1840- 1924) gebaut. Nach dem Bau des Flugplatzes in Rostrup wurde es als Offizierskasino genutzt. Die Royal Air Force übernahm nach Kriegsende den Flugplatz, errichtete dort dann ab 1952 ein Lazarett. Aus dem Lazarett wurde nach der Aufgabe durch die Briten 1958 das Bundeswehrkrankenhaus. Das Kasino wurde in den Jahren um 1950 zum Sitz des Entwicklungszentrums der deutschen Torfwirtschaft. Zu dem Hauptgebäude mit 570 Quadratmetern Wohnfläche gehört ein ehemaliges Lehrsaalgebäude, das unter Bestandsschutz steht.
Nutzungsmöglichkeiten
„Das Gebäude hat eine unglaubliche Bedeutung für Bad Zwischenahn“, ist Benjamin Dau, Geschäftsführer von Mayer & Dau Immobilien sicher. Die einfachste Möglichkeit der Nutzung für einen zukünftigen Eigentümer wäre nach Daus Auskunft sicherlich die Nutzung als Wohnhaus. Derzeit ist das Gebäude vermietet und bewohnt.
Der Makler macht allerdings auch deutlich, dass er sich freuen würde, wenn das Gelände und die Gebäude wieder so genutzt werden, dass sie zumindest teilweise für die Öffentlichkeit zugänglich wären.
Den ehemaligen Lehrsaal könnte man zum Beispiel wieder für Seminare nutzen. Auch ein Umbau des Lehrsaals für verschiedene Formen der Nutzung wäre nach Daus Worten denkbar. Auf jeden Fall werde man im Bezug auf ein künftiges Konzept in den Dialog mit der Kommune gehen. „Als lokales Unternehmen ist es für uns von besonderem Interesse, wie das Gebäude künftig genutzt wird“, so Dau.
2013, nachdem zunächst die Palais am Meer das ehemalige Bundeswehrkrankenhausgelände für 2,25 Millionen Euro von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gekauft hatte, war für das Offizierskasino eine schnelle Nutzung in Form einer „hochwertigen Gastronomie“ angestrebt worden – das wurde aber nie umgesetzt.
Wanderweg bleibt
Mit zu dem angebotenen Gelände gehört auch das alte, teilweise verfallene Bootshaus mit einem eigenen Grundstück – vom eigentlichen Grundstück getrennt durch den Seerundwanderweg. „Dieser Wanderweg bleibt in jedem Fall bestehen und öffentlich“, so Dau. Auch die Hecke, die derzeit den Blick vom Wanderweg auf das Hauptgebäude erlaubt, werde in dieser Höhe bestehen bleiben, sagt Dau.
Ein Kaufpreis wird auf der Internetseite nicht genannt und auch Dau und John Thiele wollten gegenüber der NWZ keine konkrete Summe nennen. Nach NWZ-Informationen wird aber ein Kaufpreis von rund sechs Millionen Euro angestrebt.
