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Fußball „Schiedsrichtersind das Ventil“

Oldenburg/Ammerland/Wilhelmshaven/Wesermarsch/Friesland - Bekommt der Fußballkreis Jade-Weser-Hunte ein Schiedsrichterproblem? Bei den mehr als 180 Partien, die an einem normalen Wochenende in unserer Region ausgetragen werden, wird der Ton rauer, viele Unparteiische wollen sich das nicht mehr bieten lassen. Was sind die aktuellen Herausforderungen an die Unparteiischen?

Die Aktuelle Situation

„Wir sind in unserem Kreis noch ganz gut aufgestellt“, betont Dennis Hohmann, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses im Fußballkreis. So werden bis in die D-Junioren Unparteiische angesetzt – und auch im Männerbereich gelingt es immer noch, für die 1. Kreisklasse und die Kreisliga sogar Schiedsrichter-Gespanne zu stellen. „Dennoch müssen auch wir feststellen, dass es zunehmend schwieriger wird, alle Spiele zu besetzen. Wenn wir jetzt nicht dagegensteuern, kommen wir an unsere Grenzen“, sagt der Vareler, der selbst seit 24 Jahren als aktiver Schiedsrichter tätig ist.

Die Probleme

Auch Hohmann hat miterlebt, dass die Stimmung auf den Plätzen hitziger wird: „Wir merken deutlich, dass die Hemmschwelle, den Schiedsrichter anzugehen, gesunken ist. Wir nähern uns der zweistelligen Prozentmarke der Spiele an, in denen der Schiedsrichter geschubst oder angerempelt wird.“ Zudem würden die Fälle psychischer Gewalt gegen Unparteiische – durch Meckern oder Beleidigungen – zunehmen. „Die Sportler nehmen zu viel mit auf den Platz, was da nicht hingehört. Die Schiedsrichter sind dann zu oft das Ventil dafür. Da sind auch die Erwartungen der Spieler an die Schiedsrichter teilweise zu hoch“, klagt Hohmann. Das führte in den vergangenen Jahren dazu, dass die Zahl der Spielabbrüche und Sportgerichtsverhandlungen stieg. „Gewalthandlungen und Rassismusvorfälle sind keine Seltenheit mehr. Auch hier erkennen wir einen steigenden Trend“, sagt Kreisschiedsrichterlehrwart Ralf Meinold.

Die Ursachen

Es werde somit immer schwieriger, die Spiele zu besetzen, sagt auch Meinold. „Grund ist die mangelnde Wertschätzung gegenüber der ehrenamtlichen Aufgabe und wachsende Respektlosigkeit einiger Spieler und Trainer, insbesondere aber auch unter den Zuschauern“, meint er. Ähnlich sieht es Hohmann: „Die Wertschätzung ist das Wichtigste. Wir möchten bei unserem Hobby genauso Spaß haben wie die Fußballer.“

Die Gegenmaßnahmen

In dieser Saison werden auf den Lehrabenden Themen behandelt, die Sicherheit im Umgang mit Rassismus und Gewalthandlungen vermitteln sollen. So befassten sich die Unparteiischen im September zum Beispiel mit Vertretern der Sportgerichte mit dem Thema Sonderberichte. Auch das Schiedsrichter-Paten-Konzept habe sich bewährt, betont Hohmann. So wurden 70 der 110 in 2022 ausgebildeten jungen Schiedsrichter von einem erfahrenen Referee bei ihren ersten Spielen begleitet und unterstützt. Hohmann hofft zudem, dass positive Beispiele gute Werbung für die Unparteiischen sein können. So wurde zuletzt Lara Wolf aus Wilhelmshaven zu Deutschlands Nachwuchsschiedsrichterin des Jahres ernannt.

Der Ausblick

Hoffnung macht dem Fußballkreis ein Blick auf die hohen Anmeldezahlen für die aktuellen Schiedsrichter-Anwärterlehrgänge. So fanden sich im Bereich Friesland und Wilhelmshaven 48 Teilnehmerinnen und Teilnehmer für den kürzlich gestarteten Lehrgang. „So viele Meldungen hatten wir in diesem Bereich noch nie“, sagt Hohmann. Auch für den Lehrgang, der Anfang Januar in Oldenburg stattfindet, sind bereits 34 Meldungen – darunter 16 von Mädchen – eingegangen. „Das ist ein Trend, der uns freut. Jetzt geht es darum, dass die Teilnehmer den Lehrgang bestehen und uns danach auch erhalten bleiben“, sagt Hohmann. Auch Meinold möchte sich auf die positiven Aspekte konzentrieren: „Wir blicken positiv in die Zukunft und hoffen darauf, dass die Wertschätzung und Anerkennung der Schiedsrichter in der Gesellschaft wieder zunimmt, damit auch zukünftig Fußballspiele unter der Leitung von Schiedsrichtern in möglichst vielen Spielklassen erhalten bleiben.“

Lars Puchler
Lars Puchler Redaktion Lokalsport Ammerland
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