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True-Crime-Podcast der NWZ Wie die Polizei den Holzklotz-Mörder austrickste

Die Autobahnbrücke Butjadinger Straße kurz hinter der Kreisgrenze zwischen Oldenburg und Ammerland. Von dieser Brücke aus verübte Nikolai H. an Ostersonntag 2008 den tödlichen Anschlag.

Die Autobahnbrücke Butjadinger Straße kurz hinter der Kreisgrenze zwischen Oldenburg und Ammerland. Von dieser Brücke aus verübte Nikolai H. an Ostersonntag 2008 den tödlichen Anschlag.

Archiv/Polizei

Wahnbek/Oldenburg - Etwas mehr als 14 Jahre ist es her, dass ein von einer Brücke über die Autobahn A 29 geworfener Holzklotz eine 33-jährige Frau aus dem Leben riss und eine Familie ohne Frau und Mutter zurückließ. Der Täter, der damals 30-jährige Nicolai H., lebte in Wahnbek. Der Polizei in Oldenburg und im Ammerland war er als Drogenabhängiger bereits seit Jahren bekannt. Dass er gefasst und verurteilt werden konnte, war letztlich einem Trick zu verdanken. Lebenslänglich lautete das Urteil, dass am Oldenburger Landgericht 2009 gesprochen und später vom Bundesgerichtshof bestätigt wurde.

Lebenslänglich bedeutet auch: Im kommenden Jahr könnte H. theoretisch auf freien Fuß kommen. Im Mai 2023 wären, unter Anrechnung der Untersuchungshaftzeit, 15 Jahre Freiheitsstraße vollstreckt. Ob es dann zu einer Entlassung komme, sei eine Entscheidung der zuständigen Strafvollstreckungskammer, teilte die Staatsanwaltschaft Oldenburg im vergangenen Jahr mit.

Was war geschehen?

Am Ostersonntag, 23. März 2008, um 20 Uhr abends war eine vierköpfige Familie aus Nordrhein-Westfalen auf der A 29 auf dem Heimweg von einem Trip an die Nordsee. Als ihr Auto sich der Brücke näherte, schlug der rund sechs Kilogramm schwere Holzklotz durch die Windschutzscheibe und traf die 33-jährige Mutter – sie starb trotz der Rettungsversuche ihres Mannes vor den Augen der damals 7 und 9 Jahre alten Kinder.

Wie liefen die Ermittlungen der Polizei?

Die Polizei kam dem Täter nicht sofort auf die Spur. Zunächst wurden zahlreiche Ansätze verfolgt. Hatte die Tat etwas mit Osterfeuern in der Nähe zu tun? Drei davon gab es allein in der Stadt Oldenburg an diesem Abend. Viele Besucher dieser Osterfeuer werden von der Polizei befragt. Dann meldet sich ein Zeuge, der eine Gruppe Jugendlicher auf der Brücke gesehen haben will. Ein Phantombild, das von der Gruppe erstellt wurde, führt aber nicht zum Erfolg – sie konnte bis heute nicht gefunden werden. Ein persönliches Motiv hatte die Polizei damals schnell ausgeschlossen, der Tatmodus war zu ungewöhnlich und ungezielt.

Was brachte die Wende?

Die Aufmerksamkeit für den Fall war riesig, nicht nur die Nordwest-Zeitung berichtete nahezu täglich, Medien bundesweit hielten den Fall im Bewusstsein. Der Polizei spielte das in die Karten, sie hoffte, dass der Druck auf den Täter irgendwann zu groß werden würde. Und letztlich brachte ein NWZ-Interview des Oldenburger Polizei-Reporters Rainer Dehmer mit dem heutigen Polizeipräsidenten Johann Kühme die Wende. Im Gespräch war es um mögliche DNA-Spuren auf dem Holzklotz gegangen.

Die Kriminaltechnischen Untersuchungen liefen zu diesem Zeitpunkt noch, niemand wusste, dass es letztlich keine verwertbaren DNA-Spuren geben würde.

Die waren aber auch gar nicht mehr nötig. Auf die Frage, ob ein Massengentest möglich wäre, um dem Täter auf die Spur zu kommen, bejahte Kühme. Die entsprechende Schlagzeile am nächsten Tag ließ den Druck auf den Täter zu groß werden.  

Wie wurde der Täter überführt?

Nicolai H. meldete sich mit einer abenteuerlichen Geschichte bei der Polizei. Er habe den Holzklotz auf dem Weg zu seinem Dealer auf der Brücke am Radweg gefunden und ihn zur Seite geräumt, damit er keine Gefahr darstellt. So könnten seine Spuren an das Holz gelangt sein.

Sogar einer Reporterin von RTL erzählt der damals 30-Jährige, der 16 Jahre zuvor mit seinen Eltern aus Kasachstan nach Deutschland gekommen war, diese Geschichte. Wegen einer Vorstrafe war seine DNA bereits in den Datenbanken. Die Polizei schenkt ihm nicht sehr lange Glauben – zu Recht. Handydaten zeigen, dass er zum Tatzeitpunkt am Tatort war. Und der Holzklotz hilft doch noch – denn auf dem Grundstück auf dem H. wohnt, findet sich ähnliches Holz. Auch Sand, der am Tat-Holzklotz gefunden wurde, ist in vergleichbarer Art dort zu finden. Zwei Monate nach der Tat wird H. festgenommen und in Westerstede verhört. Er gesteht, zieht dieses Geständnis später aber im Prozess vor dem Landgericht zurück.

Die Indizien und Beweise reichen dem Oldenburger Landgericht aber aus und es verurteilt Nikolai H. zu lebenslänglicher Haft, auch weil dieser im Gefängnis vor einem Mithäftling die Tat noch einmal zugegeben haben soll.

Christian Quapp
Christian Quapp Team Nord (Leitung)
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