Petersfehn - Beim Fußballspiel auf Schalke muss es gewesen sein, als sich Volker Rieglinski mit dem Corona-Virus infiziert hat. Am 7. März war der 51-Jährige aus Petersfehn zu dem Fußballspiel gefahren – mit drei anderen Schalke-Fans aus dem Ammerland. Ungefähr eine Woche später, am Sonntag, 15. März, zeigten sich die ersten Erkältungssymptome und Fieber. Rieglinksi hatte Urlaub, blieb zu Hause, nahm am Dienstag Kontakt zu seinem Arzt auf. An einen Corona-Verdacht wollte der Mediziner an diesem Tag nicht glauben.
Kein Risikogebiet
„Schalke galt da noch nicht als Risiko-Gebiet“, sagt Rieglinski. Einen Abstrich für den Corona-Test machte der Arzt deshalb nicht, verschrieb stattdessen ein Antibiotikum, berichtet der Mitarbeiter der Zwischenahner Kläranlage.
Als das Medikament auch nach mehreren Tagen keinerlei Wirkung zeigte, bestand Rieglinski bei einem weiteren Termin am Freitag, 20. März, auf den Test, der Arzt verschrieb ihm zusätzlich noch ein zweites Antibiotikum.
Zwei Infektionen gleichzeitig
Am Sonntagmorgen meldeten sich der Arzt und auch das Gesundheitsamt bei Rieglinski und teilten ihm mit, dass der Test positiv war. Rieglinski begann zu diesem Zeitpunkt bereits, sich wieder besser zu fühlen. „Inzwischen weiß ich, ich hatte vermutlich zwei Infektionen gleichzeitig, eine normale Erkältungserkrankung und den Corona-Virus“, berichtet er.
Er befindet sich jetzt gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin und dem gemeinsamen Sohn, der ebenfalls mit bei dem Fußballspiel war, in Quarantäne – und zwar noch bis zum 4. April. Lebensgefährtin und Sohn wurden nicht auf das Corona-Virus getestet, sind aber auch nicht krank geworden.
Allerdings ist Rieglinski nicht der einzige aus der Gruppe, der flach lag. Bereits am 11. März hatte sich Andreas Schulz (56) aus Osterscheps von seinem Arzt telefonisch krank schreiben lassen. Bis zum 18. März sollte er zuhause bleiben – auch bei ihm gab es zu diesem Zeitpunkt keinen Corona-Test.
Positive Tests
Doch dann kam das positive Ergebnis für Rieglinski und kurz darauf wurde auch die Frau des vierten Fußball-Kumpels positiv getestet. Und jetzt wird auch Schulz die kommenden 14 Tage in Quarantäne verbringen – nicht wegen seiner Erkrankung, sondern weil er in den vergangenen Tagen Kontakt mit seinem Freund und dessen inzwischen getesteter Frau hatte.
„Ob meine Erkrankung tatsächlich vom Corona-Virus kam, wird sich jetzt nicht mehr feststellen lassen“, sagt er. „Mir ist die Quarantäne ganz recht, ich will ja niemanden anstecken.“
Amt in der Zwickmühle
So denken wohl viele, die beim Gesundheitsamt wegen eines Tests nachfragen: Sie wollen niemanden anstecken und natürlich selbst Klarheit. Die Quarantäne nehmen sie da vermutlich eher in Kauf, als die Unklarheit. Auch Rieglinski und Schulz hätten sich früher einen Test gewünscht.
Das Gesundheitsamt bringt dieser Wunsch aber durchaus in eine Zwickmühle, schildert Dr. Elmar Vogelsang, Leiter des Amtes beim Landkreis Ammerland. „Wir können nur nach den Vorgaben testen: Entweder bei einer bestehenden Erkrankung und der Rückkehr aus einem der Risikogebiete. Oder, wenn Kontakt mit einem bestätigten Patienten bestand.“
„Staatliche Zwangsmaßnahme“
Ein solcher Test bedeute für den Patienten automatisch immer auch eine Quarantäne. „Die ist eine Freiheitsberaubung, eine staatliche Zwangsmaßnahme“, betont Vogelsang. „Als Amtsarzt kann ich nicht über die Vorgaben hinaus gehen und das muss auch vor einem Gericht überprüfbar sein.“
Hausärzte oder Testzentren der Kassenärztlichen Vereinigungen dagegen könnten durchaus auch unter einfacheren Voraussetzungen testen.
Kapazität aufgestockt
Das Gesundheitsamt hat seine Kapazitäten für die Bekämpfung des Virus massiv aufgestockt. Nahezu alle eigenen Mitarbeiter und zehn weitere aus dem Kreishaus seien ausschließlich damit beschäftigt – von der Aufsicht über die Kontaktpersonen, die in Quarantäne sind, über den täglichen Patientenkontakt bis hin zur Hotline und den Kollegen, die sich um die nötigen rechtlichen Anordnungen kümmern. „Wir alle tun unser Bestes und das klappt auch“, sagt Vogelsang.
Und was machen die Patienten, die jetzt mit ihren Familien in Quarantäne stecken? Volker Rieglinski geht es zunehmend besser. „Ich habe noch Husten, aber das Fieber ist weg.“ Der Fernseher vertreibe die Zeit, seine Lebensgefährtin nutze das gute Wetter im Garten. Und auch die Versorgung mit dem Lebensnotwendigen klappt. „Wir haben einen großen Freundeskreis. Alles Nötige wird von denen besorgt und bei uns im Carport abgestellt.“
