Westerstede/Bad Zwischenahn - Vier Wochen lang in den Pflegeberuf in den Nachbarländern hineinschnuppern: Diese Erfahrung konnten vier Pflegeschülerinnen der Ammerland-Klinik in Westerstede und der Karl-Japsers-Klinik in Bad Zwischenahn machen. Angeboten wurde diese Möglichkeit vom Ammerländer Ausbildungszentrum für Gesundheitsberufe in Westerstede und finanziell gefördert durch das Mobilitätsprogramm von „Erasmus +“.
Mehr Zeit für Pflege
Nach Österreich verschlug es Chiara Stulken aus Westerstede. Ihr Arbeitsplatz war auf der Traumatologie und Orthopädie an der Universitätsklinik in Salzburg. „Was ich wirklich als super empfand, war ein interdisziplinäres Team, wie ich es noch nie zuvor gesehen habe“, erzählt die 21-Jährige aus dem Arbeitsalltag. „So macht die Arbeit für alle Beteiligten viel mehr Spaß und natürlich wirkt es sich auch positiv auf die Gesundheitsförderung der Patienten aus.“
Ein weiteres Plus: „Der Personalschlüssel ist deutlich höher als in Deutschland, so dass man sich viel Zeit für die Pflege der Patienten nehmen kann.“ Ungewohnt seien hingegen der Einsatz in Zwölf-Stunden-Diensten sowie der Umgang mit noch handschriftlichen Patientenkurven gewesen.
Fachliche Entwicklung
In Zams, ebenfalls in Österreich, verbrachte Freya Dröge aus Bad Zwischenahn ihren Auslandseinsatz. Zur Arbeit ging es für sie auf die chirurgische Ambulanz im Krankenhaus St. Vinzenz.
„Die Kollegen waren sehr freundlich und offen“, so die 21-Jährige. Trotzdem habe sie sich erst einmal eingewöhnen müssen.
„Der Tiroler Dialekt machte es mir nicht immer einfach. Ein venöser Zugang beispielsweise wird dort Leitung und der Beutel am Dauerkatheter Harnsackerl genannt.“ Insgesamt habe sie ein breites Spektrum an administrativen und pflegerischen Aufgaben sowie Operationen kennenlernen können.
„Vieles konnte ich dabei selbst übernehmen und habe mich in den Teams immer wohlgefühlt“, meint Dröge. Das Auslandspraktikum habe sie nicht nur fachlich, sondern auch persönlich weitergebracht.
Viel Selbstbestimmung
Schon morgens Zeit für ein Schwätzchen mit den Patienten – das erlebte Julia Engel an der niederländischen Klinik „Flevoziekenhuis“ in Almere. „Natürlich mussten auf der chirurgischen Station OP-Termine eingehalten werden, generell habe ich die Abläufe aber als nicht so starr empfunden“, erzählt die 35-Jährige. „Den Patienten wurde bewusst sehr viel Selbstbestimmung zugestanden.“
„Im Tagdienst mussten wir nur etwa halb so viele Patienten pro Pflegekraft versorgen wie bei uns.“ Das Arbeitsklima in den interdisziplinären Teams war sehr konstruktiv, während das Thema Hygiene mir durchaus Rätsel aufgab. Krankenhauskeime haben die Niederländer gut im Griff, dafür wunderte ich mich über das Spülen von Wunden mit Leitungswasser.“
Lächeln für Patienten
Auf einer neurochirurgischen Station im französischen Nancy durfte Wickie Monchablon Teil einer „lebendigen Pflege“ werden. „Ich bin mit bester Laune zur Arbeit gefahren“, sagt die 24-Jährige.
„In besonderer Erinnerung werden mir die Zweierteams aus Krankenpflegern und Pflegehilfskräften bleiben, die stets Hand in Hand eine Patientengruppe betreuen“, erzählt Monchablon. Durch eine effiziente Aufgabenverteilung und flexible Abläufe sei so mehr Zeit für Selbstbestimmung und ein Lächeln der Erkrankten gewesen. „Das Tempo der Körperpflege gibt der Patient vor.“
