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NWZonline.de Region Ammerland Politik

Als 17-Jähriger beim Sterben des besten Freundes dabei

20.05.2015

Edewecht „Am 16. April Punkt 23 Uhr fing die Divisionsartillerie an zu schießen.“ Für Karl Schrader aus Einbeck sind die Ereignisse von 1945 noch sehr gegenwärtig. Als 17-Jähriger stand er damals an der Front am Küstenkanal, um den Vormarsch der Kanadier aufzuhalten.

Der Rentner war jetzt wieder in Edewecht zu Gast, besuchte Soldatenfriedhof in Edewecht und anschließend den Hof Scholte in Husbäke. Hier wurde er nach einer schweren Verwundung 1945 erstversorgt, bevor er dann in kanadische Kriegsgefangenschaft geriet. Auf dem Ehrenfriedhof traf Schrader diesmal die Edewechterin Almuth Suntay, die sich als Ortschronistin mit dieser Zeit auseinander gesetzt hat. Auch Andreas Thaler, ehemaliger Lehrer an der „Astrid-Lindgren-Schule“, kam dazu; mit seinen Schülern hatte er vor einigen Jahren ein Schulprojekt zum Kriegsende in Edewecht veranstaltet und dabei Karl Schrader als Zeitzeugen persönlich kennengelernt.

Als 16-Jähriger meldete sich Karl Schrader 1944 zur Marine. Stationiert war der junge Matrose zuletzt in Wilhelmshaven. Zum Kriegsende 1945 wurden dann Soldaten gleich welcher Gattung zusammengezogen, um als Landsoldaten strategische Gebiete vor den anrückenden Alliierten zu verteidigen. Für den 17-Jährigen Karl hieß es im März 1945, sich mit anderen Kameraden auf den Weg nach Oldenburg zu machen. „Von dort sind wir mit vollem Gepäck über Bad Zwischenahn nach Edewecht marschiert. Einige Wochen lagen wir auf den Höfen in Nord-Edewecht, bevor es dann am 16. April für uns losging.“

„Heftige Kämpfe“

Heftig seien sie gewesen, die Kämpfe im April 1945 am Küstenkanal. „Nach drei Tagen hatten wir auf unserer Seite bereits 76 Tote zu beklagen“, erinnert sich der 87-Jährige, der im Bereich Husbäke/Edewechterdamm zum Einsatz kam. Der Küstenkanal sei damals auf der Linie Oldenburg – Papenburg deshalb so heftig umkämpft gewesen, weil die deutsche Wehrmacht verhindern wollte, dass die Alliierten einen Zugang zum wichtigen Seehafen Wilhelmshaven erhielten, berichtet Schrader.

Für den Einbecker waren die Kämpfe am 21. April gegen 8 Uhr beendet. Getroffen von drei 9-Millimeter-Kugeln aus einer Maschinenpistole konnte er sich zum Hof der Familie Scholte in Husbäke durchschlagen. Hier wurde er von der Familie versorgt. Hier fanden ihn auch anschließend die Kanadier, die ihn dann mitnahmen. In verschiedenen Lazaretten konnten Schraders Verwundungen so ausheilen. Der Einbecker landete schließlich als Kriegsgefangener in einem Lager nahe Hannover, dort gelang ihm die Flucht, die ihn über Umwege in seine Geburtsstadt Einbeck zurückführten.

Schraders Besuch in Edewecht war bereits der fünfte dieser Art. Immer wieder führt es ihn zum Soldatenfriedhof. Hier liegen auch die sterblichen Überreste seines besten Freundes Leonhard Steffens, der zusammen mit Schrader als Matrose zum Landeinsatz musste. Steffens fiel bei der Verteidigung des Küstenkanals Ende April 1945, mit 17 Jahren kurz vor Kriegsende.

Viel Leid

„Er starb neben mir. Ich hatte ihm den Helm abgenommen und war bis zu seinem Tod bei ihm.“ Dass sein engster Freund starb, machte Schrader sehr betroffen. „Die Kameraden wurden nicht immer sofort tödlich getroffen. Es gab viel Leid auf beiden Seiten“, sagt der Einbecker. Über 400 deutsche Soldaten fielen im Bereich Edewecht bei den Kämpfen, fast ebenso viele waren es auf Seiten der Kanadier. Diese bestatteten ihre Toten anschließend auf einem Soldatenfriedhof in Holter/Niederlande.

„Ich könnte noch vieles erzählen, auch Kleinigkeiten vom Alltagsgeschehen während dieser Zeit. Vieles habe ich niedergeschrieben und unter anderem dem NDR zur Verfügung gestellt. Das Wissen um das, was vor 70 Jahren fast zum Kriegsende passiert ist, möchte ich doch weitergeben. Ich habe viele Tote gesehen, von denen einige schmerzvoll und langsam starben. Es war schlimm.Krieg darf es nie wieder geben.“

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