• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Ammerland Politik

Integration Im Ammerland: Sie helfen, wenn die Sprache fehlt

25.01.2020

Ammerland In einem fremden Land zum Arzt müssen, das ist keine allzu schöne Vorstellung. Versteht dieser überhaupt, welche Beschwerden ich habe? Wie kann ich nachvollziehen, welche Behandlung mir helfen kann? Um solchen unangenehmen Situationen vorzubeugen, gibt es im Landkreis Ammerland einen Pool an Sprachmittlern.

Teilnahme kostenfrei

„Als die Zuwanderungszahlen im Jahr 2015 stiegen, hat der Kreistag eine Richtlinie beschlossen, in der die ehrenamtliche Sprachmittlungsarbeit inbegriffen war“, klärt Petra Müller auf. Sie ist Mitarbeiterin der Koordinierungsstelle für Migration und Teilhabe und listet weitere Bereiche dieses Ehrenamts auf: „Sprachmittler können bei Behördengängen unterstützen, bei Elterngesprächen in Kindergärten und Schulen dabei sein. Ziel ist es, schnell und unkompliziert zu helfen.“ Die Qualifizierung wird im Ammerland von der Kreisvolkshochschule übernommen. Die Teilnahme an den Kursen ist kostenfrei.

Frau der ersten Stunde ist Rima Kabbani. Geboren im Libanon, lebt sie seit 25 Jahren in Westerstede. „Als ich nach Deutschland kam, gab es kein Internet und keine Sprach-Apps. Ich habe zuhause Deutsch mit Büchern geübt.“ Zwei Sprachkurse schlossen sich an. „Am meisten habe ich von meinen Kindern gelernt“, sagt Kabbani.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Auch Sprachmittler werden

Bewerben können sich Interessierte, die eine andere Sprache können und außerdem auch fundierte Kenntnisse im Deutschen haben – Level B2 ist von Vorteil.

Freude an der Teamarbeit, im Umgang mit Menschen und die Bereitschaft, die Fortbildung als Sprachmittler zu absolvieren, sind die Voraussetzungen.

Für die Arbeit in dem Sprachmittler-Team wird eine Aufwandsentschädigung gezahlt. Das Ehrenamt ersetzt ausdrücklich nicht die Arbeit von vereidigten Dolmetschern.

Alle Sprachmittler werden haftpflicht- und unfallversichert. Sie können auch bei einem Fehler nicht haftbar gemacht werden.

Auch dunkle Zeiten

Als sie vom Sprachmittler-Team erfahren habe, sei ihr gleich die Idee gekommen, mitzumachen. Sie unterstützt arabische Familien. Meistens bringt ihr das viel Spaß. Doch es gibt auch die harten Themen, schwierige Termine, dunkle Zeiten. „Ich habe mal einen Arzttermin begleitet. Die junge Patientin – Mutter von drei Kindern – hat die Diagnose Krebs von dem Arzt erhalten. Das zu übersetzen, hat mich große Überwindung gekostet.“ Rima Kabbani muss schlucken. Sie gibt zu: „Nach solchen Erlebnissen konnte ich zum Teil gar nicht schlafen.“

Psychologin hilft

Petra Müller sagt dazu: „Viele geflüchtete Menschen bringen schreckliche Erfahrungen mit. Wir möchten die Ehrenamtlichen in solchen Fällen bestmöglich begleiten. Daher steht auch eine Psychologin der Beratungsstelle des Landkreises bei regelmäßigen Teamtreffen zur Verfügung. Dann können belastende Situationen nachbesprochen werden.“ Kabbani hält das für sehr wichtig. „Wir brauchen das. Sonst nehmen wir zu viel mit nach Hause.“

58 Sprachmittler

Wir – das sind inzwischen 58 Sprachmittler, die in 22 Sprachen übersetzen können. „Manche der Sprachen haben wir noch nie gebraucht“, weiß Gerhard Albers von der Kreisvolkshochschule Ammerland (kvhs), über die die Fortbildung als Sprachmittler organisiert wird.

Regelmäßig zum Einsatz kommen die Übersetzer für das Arabische, Kurdische oder Persische. Auch Polnisch, Bulgarisch und Russisch werde regelmäßig gebraucht. „Wir könnten noch sehr gut jemanden gebrauchen, der bei rumänischen Familien weiterhelfen kann“, ergänzt Albers. Generell sei es klasse, wenn sich der Pool der Teilnehmer noch erhöhe. „So können wir noch besser die Termine koordinieren und abstimmen“, sagt auch Petra Müller.

Anerkennungskultur

Die Zuwanderungszahlen sinken wieder. Braucht es da das Team der Sprachmittler überhaupt noch? „Viele der Zugezogenen haben gute Fortschritte gemacht. Aber bei komplexen Themen wie Medizin und behördlichen Angelegenheiten ist weiterhin eine Übersetzungshilfe nötig“, ist sich Müller sicher.

Obwohl die Aufgabe ein Ehrenamt ist, gibt es eine kleine Aufwandsentschädigung. „Es geht uns auch darum, eine Anerkennungskultur zu leben“, begründet Müller. Um die 20 Einsätze im Monat hat Rima Kabbani. Und die arbeitet sie inzwischen professionell ab. „Ich finde es toll, helfen zu können. Mir gibt das ein gutes Gefühl und ich kann wirklich etwas bewirken.“

Wer Lust hat, Sprachmittler zu werden, wendet sich an den Projektleiter für den Bereich ehrenamtliches Sprachmittlungsteam Ammerland, Gerd Albers von der Kreisvolkshochschule. Er ist erreichbar unter Telefon   04488/ 56 5110 oder per Mail unter G.Albers@kvhs-ammerland.de.

Imke Harms Reporterin / Redaktion Wildeshausen
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.