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NWZonline.de Region Ammerland Politik

Es brennt – und keiner löscht

12.02.2019

Apen /Südgeorgsfehn Das Szenario mag sich niemand ausmalen: Was wäre gewesen, wenn es nicht ein nasser Winter, sondern ein heißer Sommer wie im vergangenen Jahr gewesen wäre mit monatelanger Hitze und dann eine Anlage im Südgeorgsfehner Windpark in Flammen gestanden hätte? Hätten brennende Rotorblätter, die auf staubtrockenen Moorboden gestürzt wären, nicht einen Flächenbrand wie im emsländischen Meppen auslösen können?

„Solche Überlegungen sind doch nicht von der Hand zu weisen“, sagt Matthias Elsner, Vorsitzender der Bürgerinitiative Vernunftkraft Niedersachsen, der Dachorganisation von Bürgerinitiativen, die gegen den Ausbau der Windenergie kämpfen. Beim Brand von Windkraftanlagen würden Öl, Schmierstoffe und die unterschiedlichsten Kunst- und Verbundstoffe verbrennen, so entstehe ein giftiger Cocktail aus Gasen und Dämpfen. Beim Verbrennen von Verbundstoffen, aus dem die Rotorenblätter bestünden, würden – davon gingen Fachleute aus – feine Faserreste sogar in menschlichen Lungen geraten können, die ähnlich gefährlich seien wie Asbest.

TÜV für Windräder

Es reiche einfach nicht, dass nur die Betreiber von Windkraftanlagen selbst für die Wartungen zuständig seien. Elsner fordert – weil „Windkraftanlagen ja nichts anderes sind als Industrieanlagen“ – eine TÜV-Pflicht und als weiteren Schutz für Mensch und Umwelt eine Ausstattung der Windräder mit Löschanlagen. „Wer kontrolliert, welche Auswirkungen solche Brände für Mensch und Umwelt haben?“ fragt Elsner. Luft- und Bodenuntersuchungen nach solchen Bränden seien einfach erforderlich. Ihm sei ein Fall bekannt, wo Landwirte nach dem Brand einer Windkraftanlage das auf den Feldern in der Nachbarschaft angebaute Gemüse nicht mehr verkaufen durften und es entsorgt werden musste. Das sei richtig.

kommentar

Was kostet

Sicherheit?

Wer schreit schon hurra, wenn er zusätzliches Geld ausgeben soll: die Betreiber der Windkraftanlagen sicherlich nicht.

Doch Energiewende hin, Energiewende her: Auch Sicherheitsfragen für Mensch und Umwelt müssen berücksichtigt werden, wenn Windkraftanlagen errichtet werden bzw. worden sind. Nur die Betreiber der Windräder sind bislang für die Wartung verantwortlich: Reicht das? Oder sollte nicht besser der TÜV diese Industrieanlagen regelmäßig abnehmen?

Doch nicht nur über die Wartung der immer größer werdenden Anlagen sollte neu nachgedacht werden. Was passiert, wenn diese Industriekolosse zu brennen beginnen? Keine Feuerwehr vermag sie zu löschen. Kontrolliert abbrennen lassen – das kann doch nicht die Lösung sein. Automatische Löscheinrichtungen sollten für alle (neuen) Anlagen verpflichtend werden.

Dass Windkraftanlagen automatische Löscheinrichtungen haben sollten, fordert auch Claus Garrels, Maschinenbau-Ingenieur und Sprecher der Interessengemeinschaft WimA („Windkraft mit Abstand, Anstand und Augenmaß) in der ostfriesischen Gemeinde Uplengen, wo sich der Windpark Südgeorgsfehn befindet, von dem vier Anlagen auch auf Aper Gebiet stehen. Nach Bränden von Windkraftanlagen, bei denen hochgiftige Gase frei würden, werde niemand wegen Umweltverschmutzung bzw. Umweltvergiftung zur Rechenschaft gezogen. Jede gewerbliche Einrichtung habe strengste Brandschutzauflagen, diese müssten auch für Windkraftanlagen gelten.

Wegen massiver Rauchentwicklung waren beim Brand der Anlage in Südgeorgsfehn die Menschen in der Samtgemeinde Jümme und in der Gemeinde Uplengen über das Warnsystem Katwarn aufgefordert worden, Fenster und Türen zu schließen. Der Gefahrgutzug des Landkreises Leer habe jedoch, so hatte es von Seiten der Feuerwehr geheißen, keine erhöhten Schadstoffkonzentrationen in der Luft festgestellt. Die Ammerländer Bevölkerung – der Windpark Südgeorgsfehn liegt nahe des Gewerbegebiets Augustfehn II – sei jedoch nicht aufgefordert worden, Fenster und Türen geschlossen zu halten, wunderte sich ein Uplengener Bürger, der nicht nur auf das ostfriesische Warnsystem Katwarn, sondern auch auf die kostenlose Ammerländer App Biwapp (Bürger Info & Warn App) zurückgreifen kann.

„Aus Sicht eines Feuerwehrmannes ist jede Löscheinrichtung sinnvoll und zu empfehlen, ob es eine Löscheinrichtung für eine Windkraftanlage oder der Feuerlöscher im Haus ist“, sagt Hartmut Bollen, Aper Gemeindebrandmeister, auf die Frage, ob Windkraftanlagen mit Löschanlagen ausgestattet sein sollen. Auch die Aper Feuerwehr war seinerzeit zum Brand der Windkraftanlage in Südgeorgsfehn gerufen worden, konnte aber nach kurzer Zeit wieder abrücken.

Gezielt abbrennen

„Windkraftanlagen kann man nur gezielt abbrennen lassen, da man in Höhen von 75 Metern oder mehr nicht mehr löschen kann. Unsere Drehleiter aus Elmendorf kann bis 30 Meter eingesetzt werden“, sagt Bollen. Die Feuerwehren würden bei Bränden von Windkraftanlagen weiträumig das Gelände absperren, damit herunterstürzende Teile niemanden gefährdeten. Durch ihre Ausbildung seien sie geschult, dass sie wüssten, wo sie sich aufhalten dürften und wo besser nicht und außerdem habe man Atemschutzgeräte.

„Wenn es automatisch eine solche Technik gibt, würde das die Kosten für Windkraftanlagen stark erhöhen“, ist sich Dr. Thomas Jürgens, Baudezernent des Landkreises Ammerland, sicher. Es sei eine Entscheidung der Politik, ob Windkraftanlagen automatische Löschvorrichtungen haben sollten. Bislang gäbe es solche Verordnungen nicht.

Doris Grove-Mittwede Redakteurin / Redaktion Westerstede
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