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NWZonline.de Region Ammerland Politik

Ausstellung gibt Opfern Gesicht

20.05.2015

Wehnen Nach elf Jahren war für den Gedenkkreis Wehnen die Zeit gekommen, die Ausstellung in der Gedenkstätte Alte Pathologie zu erneuern. So seien neue Forschungsergebnisse, wie die Ausweitung der Krankenmorde in Heimen und Kliniken, eingearbeitet worden, nennt Vorsitzende Elke Harms-Kranich einen Grund. Sichtbar gemacht worden sind die Orte dieser Verbrechen während der NS-Zeit im Eingangsbereich auf einer Karte des Oldenburger Landes.

In wochenlanger Teamarbeit wurden Ausstellungstafeln entworfen: Abbildungen stellen die Geschehnisse dar, Tabellen fassen Informationen zusammen, Texte vertiefen Darstellungen. Neue Fotos und Dokumente wurden eingebaut, neues Unterrichtsmaterial für Studientage bereitgestellt.

„Roten Bücher“ bleiben

Die sachliche Darstellung im Eingangsbereich wird im benachbarten früheren Sezierraum durch emotionale Aspekt ergänzt: Mit den „Roten Büchern“ wurde Bewährtes beibehalten. Sie erzählen vom Schicksal einzelner Patienten. Auf Borten an den gefliesten Wänden erhalten diese auch ein Gesicht: Rund 35 Familien hätten ihr Einverständnis für eine Veröffentlichung gegeben, so Medizinhistoriker Ingo Harms. „Vielen war es sogar ein Bedürfnis.“ Angesichts mehrerer hundert angeschriebener Familien zeige es aber auch, dass bisher „nur wenige diesen Schritt machen“.

Die Ausstellung in dem Gebäude auf dem Geländer der Karl-Jaspers-Klinik, Hermann-Ehlers-Straße 7, erinnert an das Leid unzähliger Patienten, von denen während der NS-Zeit mehr als 1500 an den Folgen gezielter Unterernährung verstorben sind.

Ganz zufrieden ist der Gedenkkreis allerdings nicht: Die angestrebte Erweiterung sei von Karl-Jaspers-Klinik überraschend abgelehnt worden, teilte Harms-Kranich mit. Begründet worden sei dies zunächst mit einer möglichen Störung der Patienten, so die Vorsitzende, später dann mit der Angst der Kommunen vor Folgekosten.

Landrat Jörg Bensberg, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Karl-Jaspers-Klinik Psychiatrieverbund Oldenburger Land gGmbH, berichtet von einem „einhelligen Meinungsbild“ in dem Gremium, dass die Pläne sowohl hinsichtlich der finanziellen als auch der inhaltlichen Dimension im Moment nicht weiter verfolgt würden. Diese seien deutlich überzogen vor dem Hintergrund der Nachfragesituation. Gesprächen werde sich aber niemand verschließen.

Die will auch der Gedenkkreis führen, auch mit der Stadt Oldenburg und dem niedersächsischen Kultusministerium. Man wolle die Erweiterung um Ausstellungsflächen und einen Seminarraum weiter verfolgen. „Wir wollen hier auf hohem Niveau die Geschichte darstellen, stehen aber auf keinem Boden“, beklagte Harms.

Öffnungszeiten reduziert

Aufgrund mangelnder Unterstützung sehe sich der Gedenkkreis gezwungen, die Öffnungszeiten deutlich einzuschränken, hieß es. Künftig ist die Alte Pathologie jeden ersten Sonnabend im Monat von 12 bis 16 Uhr geöffnet; bisher war sie das an drei Tagen die Woche. Führungen sind nach Absprache unter Telefon  0441/9992770 oder per E-Mail an info@gedenkkreis.de aber jederzeit möglich.

Markus Minten
Redaktionsleitung Brake
Redaktion Brake
Tel:
04401 9988 2301