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NWZonline.de Region Ammerland Politik

Gefährliche Flucht gen Westen

21.05.2015

Rastede Die Lehrstelle als Vermessungsassistent bei der Deutschen Reichsbahn hatte Gerhard Migge schon in der Tasche. Anfang 1945 war das, der damals 15-Jährige lebte mit seiner Familie im ostpreußischen Rastenburg in einem Siedlungshaus am Rande der Stadt.

„Eines Tages sah ich beim Blick aus dem Fenster, dass russische Panzer zur Siedlung vorrückten“, erzählt Migge, der heute in Rastede lebt. Mit seiner Mutter und den beiden jüngeren Brüdern verließ er fluchtartig das Haus. „Wir haben alles stehen und liegen gelassen.“

Bei 25 Grad Minus schloss sich die Familie den Flüchtlingstrecks gen Westen an. „Das war die härteste Zeit“, erinnert sich der heute 86-Jährige. Über seine Erlebnisse auf der Flucht und die Zeit des Neuanfangs in Rastede und Wiefelstede schrieb Gerhard Migge später ein Buch.

„Um meinen Kindern etwas zu hinterlassen, wie ich mich durch die Zeit geschlagen habe“, sagt er. Im Handel sei das 2004 erschienene Buch mit dem Titel „...wie von Engeln geleitet“ nicht mehr erhältlich, einige Exemplare habe er aber noch vorrätig.

Nach fünf Wochen strapaziöser Flucht erreichte Migge am 4. März 1945 Rastede. „Die ganze Ladestraße entlang standen Pferdewagen, einer hinter dem anderen. Unser Transport war für die Aufnahme in der Gemeinde Wiefelstede bestimmt“, schildert er.

Migge und weitere Flüchtlinge wurden nach Neuenkruge in den Saal der Gastwirtschaft Bremer gebracht, wo er sich wie auf einem Basar fühlte. Die örtlichen Bauern nahmen die Neuankömmlinge in Augenschein, achteten genau darauf, wer auf ihrem Hof mit anfassen könnte. „Wir waren die Ware“, sagt Migge. Er und seine Familie wurden von zwei benachbarten Bauern aufgenommen. „Endlich gab es wieder regelmäßiges Essen, ein eigenes Bett. Wir Flüchtlinge saßen mit der Bauernfamilie zusammen am Tisch und das Essen war reichlich“, schildert Migge, der dann ein Jahr als Stallknecht arbeitete.

Im August 1945 kehrte sein Vater aus dem Krieg zurück. In der neuen Heimat war die Familie endlich wieder vereint. Migge selbst fand später eine neue Lehrstelle als Schriftsetzer und wurde dann doch nicht Vermessungsassistent bei der Deutschen Reichsbahn. Er heiratete und gründete eine eigene Familie.

Das alte Siedlungshaus in Rastenburg hat Migge seitdem zweimal besucht, es steht noch heute. Russische Panzer musste er dort aber nie wieder sehen. „Eine gefahrvolle Zeit, viel Not, Hunger und Elend, wir hatten sie glücklich überstanden. Viele Leidensgenossen, die mit uns auf der Flucht waren, hatten’s nicht geschafft“, sagt Migge.

Frank Jacob
Rastede/Wiefelstede
Redaktion Rastede
Tel:
04402 9988 2620

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