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NWZonline.de Region Ammerland Politik

Gefangene als Postkarten-Motiv

12.02.2014

Husbäke Es war 1915, und Husbäke hieß Südedewechtermoor. Am Kanal, auf dem Gelände des späteren Jordanshofes, schufteten Tausende Männer. Es waren Kriegsgefangene vornehmlich aus Russland, aber auch aus westeuropäischen Staaten.

„Die öde Landschaft sollte entwickelt werden. Die etwa 3000 Männer wurden zur Kultivierung des Geländes gebraucht“, sagt Wilfried Kuhlmann. Der 73-Jährige hat unlängst eine Husbäker Dorfchronik herausgebracht und sich darin auch der Geschichte des Ersten Weltkriegs in seinem Wohnort gewidmet.

„Das Moor war sechs bis zehn Meter stark. Schichten mussten abgetragen, das Gebiet musste entwässert werden. Das mussten die Gefangenen machen.“ Vor Wilfried Kuhlmann auf dem Couchtisch liegen zahlreiche historische Aufnahmen.

Er zeigt auf ein Foto mit dem Datum 8. 7. 1915, das rund drei Dutzend Männer mit Schiebermützen und Schaufeln in der Hand zeigt. „Das war ihr Arbeitsgerät.“ Kuhlmann greift zum nächsten Bild. Zu sehen sind neun Männer mit meist perfekt gescheitelten Haaren und Instrumenten in den Händen. „Es gab damals ein Gefangenen-Musikorchester.“ Die dritte Aufnahme: Holzbaracken, Stacheldraht, dazwischen dicht gedrängt Menschen, darüber die Aufschrift „Gefangenlager Edewecht i. Oldbg“. „Das müssen Sie sich mal vorstellen. Das war ein Postkarten-Motiv.“ Der Chronist schüttelt den Kopf.

Einer der Soldaten, die in Südedewechtermoor Zwangsarbeit leisten mussten, war der Belgier Augustin Heyrmann. Von ihm hat Kuhlmann viel über das Lager und die Zustände dort erfahren. Im Januar 1979 – Heyrmann war bereits ein alter Mann und in Husbäke heimisch geworden – führten die beiden ein ausführliches Gespräch. Heyrmann erzählte von den langen Baracken-Reihen auf einer Weide am damals noch schmalen Kanal, von der dürftigen Verpflegung, dem Stacheldraht und der schweren Arbeit. Er berichtete von den Tagen im Moor, um Drainagen zu ziehen, vom mühsamen Wegebau und vom Schuften auf dem Kartoffelacker, von Razzien durch die Wachleute und harten Strafen.

Kuhlmann erinnert sich noch gut an das Gespräch. Die Schilderungen hinterließen nachhaltigen Eindruck. Außerdem: „Carl-Hermann Orth war damals dabei.“ Orth ist jener Mann, ohne den es die Husbäke-Chronik nicht gäbe. Mehr als 10 000 Fotos hat er gemacht, Tausende weitere gesammelt. Auch Dokumente aller Art verwahrte er. Den kompletten Fundus überließ er Wilfried Kuhlmann. In anderthalbjähriger Fleißarbeit sichtete dieser das Material, sortierte und beschriftete es akribisch, ordnete den Aufnahmen die jeweiligen Schriftstücke zu. Darunter waren auch jene Bilder aus dem Jahr 1915.

Ende des Ersten Weltkrieges wurde das Lager aufgelöst, ein Teil der Baracken abgebaut. Einige der Behausungen blieben allerdings stehen. Laut Wilfried Kuhlmann dienten sie der „Siedlungs- und Torfverwertungs-Gesellschaft Hansa“ als Unterkünfte für ihre Arbeiter. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg standen noch ein paar der Hütten, bis sie einem Brand zum Opfer fielen oder wegen Baufälligkeit abgerissen wurden.


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Kerstin Buttkus Redakteurin / Redaktion Westerstede
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