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NWZonline.de Region Ammerland Politik

Kriegsende im Erdbunker erlebt

12.06.2015

Vreschen-Bokel Schon im Alter von 15 Jahren wurde der damals in Vreschen-Bokel lebende Herbert Janßen zu einer Ausbildung für den sogenannten Volkssturm einberufen – er sollte auf den Kriegsdienst vorbereitet werden. Wie er sich erinnert, wurde er im April 1944 nach Westerstede in das damalige Umschulungslager auf dem Gelände der heutigen Klinik geschickt. Hinter ihm lag bereits ein Arbeitseinsatz im Alter von 14 Jahren: Auf dem Deich vor Schillig musste er einen Stacheldrahtverhau errichten. Eine schwere Zeit, wie er sagt, mit magerer Kost und harter körperlicher Arbeit – stets unter den strengen Augen der Wehrmacht.

Noch sehr genau steht ihm die Ausbildung in Westerstede vor Augen: „Uns wurde erklärt, wie man Panzersperren baut, indem man Straßenbäume fällt und sie quer über die Straße legt. Auch mussten wir die Bedienung einer Panzerfaust üben.“ Er bekam eine Uniformjacke der damaligen Luftwaffe mit den Rangabzeichen eines Unteroffiziers sowie ein Kleinkalibergewehr mit Munition.

Einige Tage vor Kriegsende setzte er sich aufs Fahrrad und fuhr in Uniform und mit seinem Fernglas in der Tasche zu seiner Großmutter in Stickhausen-Velde – obwohl er wusste, dass die Engländer bereits bis Potshausen vorgedrungen waren. „Dort angekommen, sah ich, dass die Straßen voller Äste lagen. Viele Häuser waren durch Granatbeschuss beschädigt und aus einigen Fenstern wehten die durch Ziegelstaub rot gefärbten Gardinen. Jetzt wurde mir doch etwas mulmig. Als ich festgestellt hatte, dass meine Oma nicht zu Hause war, trat ich die Rückfahrt an“, erzählt er weiter. „Auf der geraden Straße zwischen Detern und Holtgast sah ich, dass hinter dem parallel verlaufenden Aper Tief Granaten in die Wiesen einschlugen. Die Schlammfontänen spritzten sehr hoch.“

Als er in Holtgast in Höhe der Gaststätte Schröder von Deutschen Soldaten angehalten wurde, erfuhr er Näheres: „Ich erklärte ihnen, dass ich ein Volkssturmmann sei und mich erkundigen wollte, wie weit die feindlichen Truppen denn schon gekommen seien. Erst wollten sie mein Fernglas beschlagnahmen, da sie keines besaßen. Als ich erklärte, dass das Glas Eigentum vom Volkssturm sei, was natürlich nicht stimmte, durfte ich es behalten. Zum Schluss wurde ich gefragt, ob mir denn bewusst sei, das ich im Niemandsland, also zwischen den Fronten, gewesen sei. Sie seien also der letzte Posten der Wehrmacht.“

Auch zu Hause hatte sich seine Mutter auf den Krieg eingestellt und Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Aus Angst vor Angriffen hatte die Familie im Garten einen Erdbunker gebaut, ein mit Stroh notdürftig ausgepolstertes Loch, in dem der 15-Jährige mit seiner Mutter, einem Bruder und drei Nachbarn gemeinsam Zuflucht suchte. „Hier sollten wir nun schlafen. Weil es sehr nass und eng war, bin ich an einem Abend zu Hause in mein Bett gekrochen. Als dann plötzlich im Nachbarhaus eine Granate einschlug, war ich schnell wie ein Blitz wieder im Bunker.“

Auch das Kriegsende hat der gebürtige Vreschen-Bokeler kurz drauf vor Ort erlebt: „Am nächsten Tag hörten wir das Rasseln von Panzerketten. Wir sind mit weißen Tüchern aus dem Bunker gekrochen und wurden zu Hause von polnischen Soldaten empfangen. Das war für uns das Ende des Krieges.“

Kerstin Schumann
Redakteurin
Redaktion Westerstede
Tel:
04488 9988 2604

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Wehrmacht | Luftwaffe

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