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NWZonline.de Region Ammerland Politik

Nach erstem Schreck ein Teil der Familie

22.04.2015

Bad Zwischenahn Die Namen kann Ursula Staudt sich nicht alle merken. Und für die Verständigung mit den zehn Albanern aus dem Kosovo im Alter zwischen 18 und 22 Jahren und der 80-jährigen Bad Zwischenahnerin brauchte es derzeit noch einen Dolmetscher. Und doch sind die jungen Asylbewerber, die seit Ende März mit den Staudts unter einem Dach wohnen, für die Rentnerin längst „meine Jungs“.

Dabei waren sie und ihr Mann Manfred (71) anfangs alles andere als begeistert. Von „schlaflosen Nächten“ und einer „großen Verunsicherung“ berichten beide, als sie erfahren hätten, dass in dem Haus, in dem sie seit 33 Jahren wohnen und das sie bald verlassen müssen, weil es abgerissen werden soll, nun Flüchtlinge untergebracht werden. Von der Gemeinde habe sie darüber vorab kaum erfahren, berichtet Staudt. „Als dann alle Mann vor der Tür standen, habe ich erstmal einen Schreck gekriegt.“

Hilfe willkommen

Die Integrationshelfer Bad Zwischenahn brauchen noch dringend weitere Unterstützer. Informationen über die Tätigkeit gibt es bei Malte Hahn, Telefon  04403/6200656.

Auch fehlen dem Kreis weitere ehrenamtliche Deutschlehrer. Ansprechpartnerin dafür ist Gisela Stedler, Telefon  04403/2952.

Fehlende Kommunikation

„Vollkommen verständlich“, findet Heide Hahn-Reuss, die als ehrenamtliche Integrationshelferin tätig ist, die Reaktion der Senioren. Vollkommen unverständlich hingegen die von offizieller Seite. Die Gemeinde müsse die Nachbarn doch so früh wie möglich informieren, um sie ins Boot zu holen, meint sie. Wie Hahn-Reuss verweist auch Sami Vokrri, der als Dolmetscher engen Kontakt zu den jungen Albanern hat, auf Westerstede: „Da ist das Chefsache.“ Da suche der hauptamtliche Integrationslotse oder sogar Bürgermeister Klaus Groß selbst zuvor das Gespräch mit den Nachbarn.

Der erste Schreck ist bei Ursula und Manfred Staudt längst verflogen. Statt des befürchteten Radaus in der Oberwohnung hatte sie nach ein, zwei Tagen schon Sorge wegen der Ruhe. Im Bekanntenkreis, aus dem sie vorher auch nur eine Bestärkung ihrer Ablehnung erfahren habe, spricht die 80-Jährige mittlerweile nur noch von „meinen Jungs“. Jetzt will sie aufklären, dass „ein Zusammenleben wunderbar geht“.

Die Jungen haben gleich mit im Garten angepackt, haben die Hecke geschnitten und beim Bepflanzen geholfen. „Die sind fleißig wie die Ameisen.“ Ohne etwas über die Kultur der jungen Männer zu wissen, hat die Rentnerin diesen Osterhasen auf die Treppe gestellt, hat sich (erfolglos) bei einem Möbelhändler um ein kostenloses Tischchen für den Fernseher bemüht, und (erfolgreich) beim Fernsehfachgeschäft Brunßen um technische Hilfe. Und sie will die Albaner weiter tatkräftig unterstützen. „Ich kann doch nicht wegen jeder Kleinigkeit einen Betreuer anrufen.“

„Herzliche Aufnahme“

Ermal ist „ein Stein vom Herzen gefallen“, als er in Bad Zwischenahn von Integrationshelfern so nett begrüßt wurde. „Wir danken unserer Mama sehr, der ganzen Familie. Es ist, als wären wir ein Teil der Familie.“ Und auch Blerim dankt für die „herzliche Aufnahme“, dafür, dass den Asylbewerbern auf Augenhöhe begegnet werde. Wie auch die übrigen Flüchtlinge, überwiegend mit Ausbildung oder Studium, haben beide nur einen großen Wunsch: schnell arbeiten und auf eigenen Füßen stehen zu können.

Die jungen Männer haben mittlerweile Deutschunterricht. Ursula Staudt hofft, dass die Verständigung schon bald ohne Dolmetscher funktioniert. Und wenn sie Weihnachten noch da sein sollten, was die rüstige Seniorin sehr hofft, und das Haus noch stehen sollte, gibt es Bockwürstchen und Kartoffelsalat.

„Man darf keine Vorurteile haben“, sagt sie. „Man muss miteinander reden.“ Zur Not erst einmal auch nur mit Händen und Füßen. Nur dann könne eine Integration gelingen, meint auch Hahn-Reuss. „Wenn wir die Menschen ablehnen oder ignorieren, schaffen wir uns die Probleme selber.“ Es gebe schon ganz viele Menschen, die helfen. Leider würden sie aber immer wieder durch die Bürokratie blockiert.

Markus Minten
Redaktionsleitung Brake
Redaktion Brake
Tel:
04401 9988 2301

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