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NWZonline.de Region Ammerland Politik

„Opa steckte als erster Nase raus“

22.05.2015

Rastede An die Ruhe kann sich Gerold Würdemann noch gut erinnern. Ungewohnt war sie, beinahe schmerzhaft, sagt der 79-Jährige. Er sitzt in seiner Wohnung in Rastede, vor ihm liegen Fotoalben mit Aufnahmen aus jenen Tagen, die inzwischen 70 Jahre zurückliegen.

„Opa steckte als erster die Nase raus“, erzählt Würdemann und meint den Bunker, in dem die Familie Schutz gefunden hatte vor den Jagdbombern, die über sie hinweg geschossen waren. Es waren deutsche Soldaten gewesen, die den Bunker erst einige Tage zuvor ausgehoben und befestigt hatten.

Würdemann war damals neun Jahre alt, sein Elternhaus befand sich in Mollberg. Er besuchte die Schule in Dringenburg. „Wenn die Sirenen heulten, wurden wir sofort nach Hause geschickt“, erzählt er. Schließlich gab es in der Schule gar nicht genügend Schutzräume für alle.

Bevor die deutschen Soldaten den Bunker unter Würdemanns Elternhaus bauten, fand dieser mit seiner Familie Schutz im Keller des Hauses. Seine Mutter, Oma und Opa, die Schwester und einige weitere Personen hielten sich dort auf engstem Raum auf und hofften, dass draußen schnell wieder Ruhe einkehrte, dass die Schüsse verhallten.

Nur der Vater war nicht dabei. Er war 1941 eingezogen worden und wurde nach der militärischen Ausbildung in Oldenburg und Lüneburg unter anderem nach Ostpreußen und Norwegen geschickt. Weihnachten 1942 konnte die Familie aber gemeinsam feiern, wie ein altes Schwarzweißfoto zeigt, das Würdemann in einem seiner vielen Alben aufbewahrt. „Kriegs-Weihnachten 1942“ ist darauf zu lesen.

Eine andere Aufnahme zeigt die deutschen Soldaten, die den Bunker aushoben, in dem Würdemann und seine Familie in den letzten Kriegstagen Schutz fanden. Als sein Opa dann als erster die Nase aus dem Bunker steckte, bemerkte er, dass ihnen zwei Fahrräder gestohlen worden waren. Danach ging er schnurstracks in den Stall, um sich um das Vieh zu kümmern. „Das wollte auch zu seinem Recht kommen“, sagt Würdemann, der fünf Jahre nach Kriegsende aus der Schule Dringenburg entlassen wurde. Er fand eine Stelle bei der Deutschen Post in Oldenburg, arbeitete im Schalter- und im Zustelldienst – bis er 1997 in den Ruhestand ging. Aktiv war er auch im Rasteder Automobilclub, wo er zu den Gründungsmitgliedern gehörte. Auch aus dieser Zeit gibt es viele Fotos, doch die befinden sich in einem anderen Album.

Frank Jacob
Rastede/Wiefelstede
Redaktion Rastede
Tel:
04402 9988 2620

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