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NWZonline.de Region Ammerland Politik

Junge Wähler fragen nach

13.09.2017

Rostrup Bis auf den letzten Platz war die Aula der Berufsbildenden Schulen in Rostrup am Dienstagmorgen besetzt – und das, obwohl die Diskussion mit den sechs Direktkandidaten für die Bundestagswahl im Ammerland und der Stadt Oldenburg keine Pflichtveranstaltung war – viele Schülerinnen und Schüler mussten sogar draußen bleiben.

Ulrich Pohlmann, Teamleiter Politik/Geschichte an der BBS, ließ Amira Mohamed Ali (Linke), Peter Maiwald (Grüne), Dennis Rohde (SPD), Nils Krummacker (FDP), Stefan Albani (CDU) und Andreas Paul (AfD) jeweils eine Minute für eine kurze Selbstvorstellung, dann duften die Schüler fragen. Längst nicht alle, die sich einbringen wollten, kamen in den 90 Minuten an die Reihe.

Für viele spannende Fragen blieb aber dennoch Raum. Eine Auswahl:

Wie kann die Ausbildung zum Erzieher attraktiver werden?

Das wollte Felix Vogel wissen, der derzeit eine solche Ausbildung absolviert. In einem waren sich alle Kandidaten einig: Grundsätzlich müsse eine Berufsausbildung gebührenfrei sein. Nils Krummacker plädierte für eine duale Ausbildung in Praxis und Schule, Peter Maiwald forderte eine höhere Wertschätzung und bessere Bezahlung. Der Wettbewerb im sozialen Bereich dürfe nicht über Kosteneinsparung beim Personal funktionieren, meinte Dennis Rohde. Auch Stefan Albani will sich für beitragsfreie Ausbildungen einsetzen und meint, soziale Berufe wie Erzieher müssten auch für Männer selbstverständlicher werden. Ein deutliches Nein zur Privatisierung und Gewinnorientierung sozialer Einrichtungen kam von Andreas Paul. Amira Mohamed Ali nannte konkrete Zahlen, wenn auch nicht für Erzieher: In der Pflege forderte sie einen Mindestlohn von 14,50 Euro und ein Recht auf Vollzeit.

Wie hält es die AfD mit der Integration von Migranten?

Diese Frage richtete sich an Andreas Paul, der in seiner persönlichen Vorstellung einen anderen Weg bei der Integration gefordert hatte. Die AfD wolle nicht jeden Flüchtling integrieren, stehe aber zum Recht auf Asyl, antwortete dieser. Integration könne aber nur bei einer begrenzten Zahl von Migranten funktionieren, müsse sich auf wirklich Schutzbedürftige konzentrieren und erfordere auch deren Bereitschaft. Von den anderen Kandidaten erhielt Paul reichlich Kritik. Die Plakate der AfD sprächen eine andere Sprache, sie seien nicht, wie Paul es sieht, provokant, sondern Menschenverachtend und zynisch.

Warum darf ich nach 18 Jahren in Deutschland nicht wählen?

Das wollte eine Schülerin wissen, die nicht die deutsche Staatsbürgerschaft hat. Und außerdem, wie die Politiker zum Wahlrecht für Menschen ab 16 Jahren stehen. „Mir ist rätselhaft, warum das nicht erlaubt ist“, sagte Linken-Politikerin Ali zu beiden Themen. Das Wahlrecht ab 16 unterstützt auch Maiwald. Für ein früheres Wahlrecht sprach sich auch Rohde aus. Mit vielen Jugendlichen könne man gut politisch diskutieren. Zumindest für die EU-Staatsbürger sei auch ein Wahlrecht bei Bundestagswahlen diskussionswürdig. Diskutiert wird auch bei der FDP über ein früheres Wahlrecht, so Krummacker. Dieses solle aber auch mit staatsbürgerlichen Pflichten verbunden bleiben – die eben auch erst mit der Volljährigkeit voll griffen. Und das Wahlrecht erfordere nach seiner Ansicht ein Bekenntnis zum Staat – dies werde mit der Staatsbürgerschaft ausgedrückt. Auf die Möglichkeit der Einbürgerung verwies auch Albani ebenso auf die vollen Rechte und Pflichten, die eben mit der Volljährigkeit verbunden seien. Über das EU-Parlament hätten auch Nicht-Staatsbürger bereits Einfluss auf die Gesetzgebung in Deutschland, dass reiche aus, argumentierte Paul.

Mutter sein in der Ausbildung, wie soll das gehen?

Das fragte eine junge Frau, der angesichts des Berufswunsches Heilerziehungspflegerin vorgeschlagen worden war, doch lieber eine entlohnte Ausbildung zu beginnen. „Obwohl ich die gar nicht wollte.“ Die Kosten für die Kinderbetreuung machen ihr das Leben noch schwerer als anderen Schülerinnen.

Kinderbetreuungseinrichtungen direkt an den Berufsbildenden Schulen schlug Krummacker als eine mögliche Lösung für ihr Problem vor, zudem ein elternunabhängiges Grund-Bafög. Die Situation der jungen Frau zeige, wie bizarr die Ausbildung in den sozialen Berufen sei, meinte Maiwald. Die beitragsfreie Ausbildung sei die größte Aufgabe der Politik, meinte Rohde, zudem dürfe sich Familienförderung nicht am Trauschein orientieren, sondern an den Kindern – egal in welcher Familienkonstellation sie lebten. Das hätten SPD und CDU in den vergangenen Jahren längst angehen können, entgegnete Ali. Die Wirtschaft müsse stärker in die Pflicht genommen werden, meinte Paul. auch wenn sie langsam selbst erkenne, dass sie bei Ausbildung und Familienfreundlichkeit mehr tun müsse, wenn sie gute Arbeitskräfte wolle. Sie habe ihren Willen durchgesetzt, lobte Albani die Fragestellerin, Politik dürfe aber nicht einerseits junge Menschen bestärken, ihren Weg zu gehen und ihnen andererseits Steine in den Weg legen.

Mit einem Schluss-Statement endete die Runde. und wie haben die Schüler die Diskussion erlebt? „Ich hätte mir konkretere Antworten gewünscht“, sagte Nils Deterts. Er hatte nach der Zukunft der Pflegeausbildung an der BBS gefragt. Die Ausbildung steht durch die Zusammenlegung von Alten-, Kranken- und Kinderpflege vor einem großen Umbruch. Dennoch war der 23-Jährige im Großen und Ganzen zufrieden mit den Kandidaten. Seine Wahlentscheidung habe die Diskussion aber nicht beeinflusst: Die stand vorher schon fest.“

Christian Quapp Redakteur / Redaktion Bad Zwischenahn
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