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NWZonline.de Region Ammerland Politik

Tiefer Einblick in den Kriegsalltag

26.03.2014

Metjendorf /Wiefelstede Am 5. August 1914 um vier Uhr früh zog Walter Otte in den Krieg. Da war der am 2. Mai 1882 in Poischwitz/Schlesien geborene Landsturmmann bereits 32 Jahre alt. Otte war Großvater des Wiefelsteder Grünen-Ratsherrn Günter Teusner (Metjendorf). Der 57-Jährige ist im Besitz eines Kriegstagebuchs seines Großvaters. Der hatte seine Erlebnisse Stück für Stück aufgezeichnet und nach Hause geschickt. Seine Schwestern oder seine erste Frau Walli Krebs, die am 31. Dezember 1918 an Typhus starb, fassten die Ereignisse in seinen Worten zusammen.

In feinstem Sütterlin beschreibt Otte darin seinen Weg über Belgien nach Frankreich. Was er hautnah erlebte, war bislang selbst den noch lebenden Familienmitgliedern nicht bekannt: Es war in mehreren Anläufen nie gelungen, die Aufzeichnungen komplett zu entziffern. Das ist nun geschehen: Die ehemalige Wiefelsteder Lehrerin Gisela Pauly hat sich des Büchleins angenommen und es beinahe in einem Rutsch lesbar gemacht. „Toller Stil, flüssig geschrieben und unheimlich spannend“, urteilt die 70-Jährige. Sie erfuhr so als erste, wie Walter Otte den Krieg erlebt hatte.

„Mein Großvater war später im Ersten Weltkrieg auch noch in Russland“, weiß Günter Teusner: Aufzeichnungen oder weitere Kriegstagebücher Ottes jedoch sind nicht erhalten – oder nie geschrieben worden. Die Ereignisse in Belgien und Frankreich jedoch, die hat Walter Otte detailliert und ungeschönt dargestellt. Er gibt so einen hochinteressanten Einblick in den Alltag eines Weltkriegssoldaten, der sich auch an der Front um das kümmern muss, was damals eine unglaubliche Bedeutung für die Truppe hatte: Pferde. Otte kümmerte sich um Zugpferde für die Artillerie und war auch Meldereiter – und beschrieb überdies den Alltag und die Routine der Soldaten, die ihnen teils schlimmer vorkamen als ein Kampfeinsatz.

„Ich fand es beeindruckend, wie ruhig Walter Otte die Ereignisse im Krieg beschrieben hat und wie sehr er seinen Humor dabei behielt“, sagte Gisela Pauly, die 40 Jahre Lehrerin in Wiefelstede war und von ihrer Großmutter schon als Kind gelernt hatte, Sütterlin zu lesen und zu schreiben. Und auch Günter Teusner erinnert sich an seinen Großvater als einen „sehr humorigen Mann“. Bei der „Übersetzung“ des Kriegstagebuchs übernahm Gisela Pauly Rechtschreibung und Zeichensetzung genau und setzte dort, wo sie etwas nicht entziffern konnte, ein Fragezeichen. 19 DIN-A-4-Seiten sind dabei herausgekommen – und deren Inhalt veröffentlicht die NWZ  von diesem Tag an in loser Folge (siehe unten) – in besagter Zeichensetzung und Rechtschreibung und mit Fragezeichen – auch, um den Erzählstil beizubehalten.

Walter Otte hat den Ersten Weltkrieg überlebt. Ein Jahr trauerte der Poischwitzer Bauer nach dem Tod seiner Frau Walli Krebs, dann heiratete er erneut: Teusners Großmutter Meta Baensch. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste auch Walter Otte aus Schlesien flüchten. Er kam im August 1946 nach Dingsfelde vor den Toren Wiefelstedes – wo er Arbeit nur bei Bedarf fand. „Kurze Zeit später wurde er in Felde bei Westerstede untergebracht und bewirtschaftete dort einen kleinen Hof“, weiß Teusner. 1960 zog Otte mit Ehefrau Meta nach Broistedt bei Lengede, wo noch heute seine Töchter Christa und Ursel leben: Beide sind über 90 Jahre alt. Walter Otte sah seine alte Heimat in Schlesien nie wieder, er starb am 3. November 1967 in Broistedt. „Sein Hof ist heute eine Ruine – gut, dass die Eltern das nicht sehen mussten“, sagt Tochter Christa.

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