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NWZonline.de Region Ammerland Politik

Vom mühsamen Heimweg eines Soldaten

20.05.2015

Dingsfelde /Rastede Alle in seinem Alter hätten damals einen Bescheid bekommen, meint Georg Rohde mit leiser Stimme. Damals, das war Anfang 1945, in den Endmonaten des Zweiten Weltkriegs. Als er dann am 15. Februar seinen Bescheid erhielt, war er gerade einmal 17 Jahre alt.

„Ich habe mich freiwillig bei der Kriegsmarine in Wilhelmshaven gemeldet“, erinnert sich der gebürtige Dingsfelder. Jedoch habe die Marine zu diesem Zeitpunkt nicht mehr existiert. Es folgte eine kurze Infanterieausbildung in Rütersiel, ehe er am 7. April mit einer Gruppe nach Reepsholt marschierte.

„Am 8. April ging es weiter nach Sande und von dort aus mit dem Zug nach Oldenburg“, erzählt der heute 87-Jährige. Ja, die Züge seien tatsächlich noch gefahren, bestätigt er. „In der Einheit kannte ich niemanden.“ Seine Schulkameraden seien in andere Gruppen eingeteilt worden.

Auch Ordnung herrschte in den letzten Kriegstagen nicht mehr. „Wir wussten nicht genau, wohin es geht“, meint er. Nachdem seine Gruppe nach Ofen marschiert war, fanden sie heraus, dass sie am falschen Ort waren. Das neue Ziel hieß Jeddeloh I. „Mittlerweile hatten wir auch neue Uniformen“, weiß der seit 1953 in Rastede lebende Maschinenbaumeister.

Nun ging es gegen die anrückenden Kanadier. „Im Moor haben ein Kamerad und ich eine Deckungsmöglichkeit gefunden.“ Doch da die Kanadier bereits in Sichtweite waren, zogen sie sich zurück. Nach einigen Tagen fanden sie ihre Kompanie in Friedrichsfehn wieder: „Dort waren aber nur noch 20 von 120 Soldaten – viele sind gefallen.“

Nach einem Einsatz in Husbäke am Küstenkanal zog sich seine neu zusammengestellte Kompanie am 1. Mai über mehrere Orte nach Dringenburg zurück. „Dort durfte ich eine Nacht zu Hause verbringen“, erzählt Georg Rohde. „Natürlich mit dem deutlichen Hinweis, zurück zu kommen.“ Also habe ihn sein Vater am darauffolgenden Morgen mit der Pferdekutsche nach Dringenburg gefahren, wo er sich beim Kompaniefeldwebel zurückmeldete.

Nach einem Auftrag, den er in Wiefelstede erledigen sollte – die Schuhe des Kompaniefeldwebels benötigten neue Sohlen –, schickte der Schuster Jan Bruns ihn nach Hause. „Er war ein guter Bekannter. Die Leute haben gewusst, dass das Kriegsende nahe ist.“ Doch er kam nicht bis zum Elternhaus – die Kanadier waren bis zum Ortseingang vorgedrungen. „Also bin ich doch zurück nach Dringenburg“, sagt Georg Rohde, der anschließend auch noch einen Granatenangriff überlebte.

„Dann habe ich einen zweiten, dringenden Hinweis erhalten, dass ich nach Hause gehen solle.“ Doch auch dieser Versuch scheiterte: „Drei kanadische Soldaten haben mich entdeckt.“ Doch: „Einer von ihnen konnte gebrochen Deutsch und hat mir gesagt: ,Weißt du, dass Krieg aus?‘.“

Die erste Zeit nach dem Krieg verbrachte Rohde in kanadischer Gefangenschaft. Einige beschwerliche Märsche folgten, ehe er in Bad Zwischenahn entlassen wurde. „Der Lkw, der uns dorthin gebracht hatte, musste nach Oldenburg. Der hat mich mitgenommen. In Aschhausen bin ich ausgestiegen und von dort zu Fuß nach Hause gelaufen“, schildert er den letzten Abschnitt seiner Heimreise. „Das war die leichteste Strecke.“

Ellen Kranz Redakteurin / Regionalredaktion
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