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NWZonline.de Region Ammerland Politik

Pioniere vor einer schwierigen Zukunft

13.02.2019

Wehnen In roten Mappen gebunden liegen die Geschichten von Opfern der Hungermorde in der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen auf einer Liege in der Gedenkstätte Alte Pathologie auf dem Gelände der Karl-Jaspers-Klinik in Wehnen. Sie umfassen Informationen aus den Patientenakten und von den Familien der Opfer. „Wurden die Akten bei Kriegsende gar nicht vernichtet?“, fragte Landtagspräsidentin Gabriele Andretta (SPD) bei ihrem Besuch in der Gedenkstätte am Dienstag. „Nein“, sagte Historiker Ingo Harms und erklärte warum: „Es gab überhaupt kein Unrechtsbewusstsein bei den Tätern.“

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Arbeit auf Dauer sichern

Von Christian Quapp

Seit 15 Jahren leistet der Gedenkkreis Wehnen seine Arbeit ehrenamtlich und hat damit Licht in ein sehr dunkles Kapitel in der Geschichte des Oldenburger Landes gebracht. Längst sind nicht mehr alle dabei, die diese Arbeit einst begonnen haben. Dabei wird sie heute immer wichtiger, gerade wenn es darum geht, jungen Leuten einen Einblick zu geben – in die Geschichte der Opfer, aber auch in die Köpfe der Täter, die völlig überzeugt waren, das Richtige zu tun, als sie ihre Patienten bewusst dem Hungertod überantworteten.

Es ist bestimmt nicht leicht oder populär, sich gerade den Verbrechen zu stellen, die vor der eigenen Haustür geschehen sind, aber es ist richtig und wichtig. Zu wichtig, um eine kleine Gruppe von Ehrenamtlern mit dieser Aufgabe alleine zu lassen.

Gerade angesichts der unrühmlichen Forderungen nach einer „erinnerungspolitischen Wende“ sollten alle Verantwortlichen von Gemeinden, Kreisen und Stiftungen überlegen, ob es nicht doch eine Möglichkeit gibt, die Zukunft der Gedenkstätte auf Dauer zu sichern.

Mehr als 1500 Menschen aus dem Oldenburger Land waren der Forschung zufolge in der Heil- und Pflegeanstalt während der Nazi-Diktatur durch bewusste Mangelernährung getötet worden – und auch noch Jahre nach dem Ende der Nazi-Herrschaft.

Harms und der Gedenkkreis Wehnen, der die Gedenkstätte betreut, hatten Andretta eingeladen. Bereits während ihrer Sommerreise 2018 hatte die Landtagspräsidentin zahlreiche Gedenkstätten in Niedersachsen besucht. Auch in Wehnen nahm sie sich gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten Ulf Prange (Oldenburg, SPD) und Kreisrat Ingo Rabe viel Zeit. Ingo Harms und die Gedenkkreis-Vorsitzende Dorothea Regener erläuterten die Arbeit mit Familien von Opfern und Tätern sowie mit Schülergruppen aus der Region.

Die Alte Pathologie in Wehnen sei die einzige Gedenkstätte in Deutschland, die komplett ehrenamtlich geführt werde, erinnerte Regener. Das werde allerdings angesichts der wachsenden Nachfrage nach Führungen und 15 Jahre nach Gründung der Gedenkstätte immer schwieriger.

Die Niedersächsische Gedenkstättenstiftung würde zwar Geld für die Gedenkstätte zur Verfügung stellen, aber nur, wenn auch aus der Region entsprechende Mittel kommen. Und bisher, so erklärte Ingo Harms am Rande des Besuchs, habe der Gedenkkreis auf alle entsprechenden Anfragen bei Gemeinden, Landkreis oder Stiftungen im Oldenburger Land nur ablehnende Antworten bekommen.

Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Geschichtsfälschung und rechtspopulistischer Tendenzen gewinne die Arbeit der Gedenkstätten an Bedeutung, waren sich Regener und Andretta einig. Harms, der mit seiner Dissertation zur Geschichte seiner eigenen Großmutter die Forschung zu den Hungermorden in Wehnen vorangetrieben hatte, habe Pionierarbeit geleistet, so Andretta. „Ihr Material gibt folgenden Generationen die Chance, sich zu erinnern.“

Christian Quapp Redakteur / Redaktion Bad Zwischenahn
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