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NWZonline.de Region Ammerland Politik

Mini-Dorf In Westerstede: Asylunterkunft steht seit 16 Monaten leer

11.08.2017
NWZonline.de NWZonline 2017-08-11T08:30:06Z 280 158

Mini-Dorf In Westerstede:
Asylunterkunft steht seit 16 Monaten leer

Westerstede Die Fenster sind dreckig vom vielen Regen. Vor den vier Gebäuden wuchert das Unkraut. Doch drinnen ist alles picobello – fertig zum Einzug. Vier Etagenbetten in jedem Gebäude, zwei kleine Bäder mit Mini-Dusche, Kleiderschränke und Strom. Alles vorhanden, was man braucht.

Anfang April 2016 wurden die Mobilheime an der Kleinburgforder Straße aufgestellt, hinter einem Wall zur Ammerlandallee. Eingezogen ist dort nie jemand.

„Die Wohnmodule haben wir auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise bestellt“, sagt Hilke Hinrichs, allgemeine Vertreterin von Bürgermeister Klaus Groß. Doch als die Unterkünfte standen, war die Balkan-Route dicht, die große Flüchtlingswelle abgeebbt. Und die Stadt Westerstede hatte genug anderen Wohnraum, wo Flüchtlinge untergebracht waren.

280.000 Euro haben die Container insgesamt gekostet, berichtet Hinrichs auf Nachfrage. In den vier braunen Gebäuden ist Platz für 32 Bewohner. Es gibt jeweils zwei Schlafräume mit zwei Stockbetten. Dazu einen Aufenthaltsraum mit Küche. Was man nicht sieht, ist eine vernünftige Wärmedämmung. Die Stadt hätte damit im Winter ordentlich Heizkosten eingespart. Doch das ist längst kein Thema mehr. Hinrichs räumt ein, dass man die Anlage eigentlich nicht mehr benötigt. Aber das war vor rund zwei Jahren nicht absehbar.

Und nun? Die Stadt will die Container als Reserve behalten. „Wir wissen nicht, was in Sachen Flüchtlinge perspektivisch passiert.“ Außerdem könnten die Unterkünfte auch für andere Notlagen genutzt werden. „Wenn mal eine Familie nach einem Brand ohne Unterkunft da steht, können wir sie dort vorübergehend unterbringen. Denkbar wäre auch eine Vermietung an Baumschulen, die dort Saisonkräfte unterbringen können.“

Flüchtlingscontainer am Campingplatz hat man bereits umgewidmet. Dort können sich jetzt Urlauber einquartieren.

Rückblick: Im Video sehen Sie die Errichtung der Wohncontainer Ende März 2016.

kommentar von Jasper Rittner

Nicht vorhersehbar

Prognosen haben einen entscheidenden Nachteil, sie betreffen die Zukunft. Und die kann dummerweise niemand vorhersehen. Das gilt auch für Bürgermeister, Politiker und Verwaltungsmitarbeiter.

Als im Sommer 2015 die große Flüchtlingswelle nach Deutschland kam, herrschte in vielen Rathäusern Ausnahmezustand. Wohin mit den Schutzsuchenden? Schließlich konnte man die Menschen ja nicht auf den Marktplätzen schlafen lassen. In aller Eile wurden Turnhallen umgebaut, massenhaft Wohnraum angemietet und eben auch Container aufgestellt. Wie viel Platz man brauchte, wusste keiner, dazu änderten sich die Zahlen fast täglich. Und niemand konnte die weitere Entwicklung vorhersagen.

Westerstede steht nach dem abebben der Welle nun mit einem ungenutzten Containerdorf für 280 000 Euro da. Das mag ärgerlich sein, aber einem Vorwurf kann man dafür niemandem machen. Dass man im Rathaus die Notunterkünfte als Reserve behält, ist sinnvoll. Jeder kann z.B. durch einen Brand mal obdachlos werden. Gut, wenn es dann ein Quartier gibt.

Und wer weiß, wie sich Flüchtlingsströme in ein oder zwei Jahren entwickeln.

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