Ammerland - Die Ammerländer haben ihre Finanzen deutlich besser im Griff als die durchschnittlichen Niedersachsen. Das geht aus neuen Zahlen des Landesamtes für Statistik hervor. Die Zahl der Privatinsolvenzen sank bei uns im ersten Halbjahr 2022 um stattliche 45,2 Prozent. Kreisweit gab es gerade mal 40 Verfahren von überschuldeten Personen. Im ersten Halbjahr 2021 waren es noch 73 gewesen.

Interessant ist dabei auch der Vergleich mit anderen Kommunen. Landesweit gab es 61,3 Privatinsolvenzen pro 100.000 Einwohner. Im Ammerland gab es aber nur 31,6 Verfahren pro 100.000 Einwohner. Traditionell recht hoch ist die Insolvenzquote in Delmenhorst und Wilhelmshaven. Dort ging sie zwar auch deutlich zurück. Aber in Wilhelmshaven ist die Quote mit 120,9 fast viermal höher als im Ammerland. Und in Delmenhorst (104,3) mehr als dreimal so heftig wie bei uns. Die Stadt Oldenburg liegt bei 65,2.

Das Ammerland gehört zwar seit Jahren zu den Kreisen mit einer sehr niedrigen Zahl von Insolvenzen. Aber ganz zum Platz an die Spitze hat es nicht gereicht. Dort befinden sich in Weser-Ems die Grafschaft Bentheim (26,5) und der Landkreis Oldenburg (30).

Auch die Schuldenhöhe der Betroffenen ist bei uns unter dem Landesschnitt. Mit 27.700 Euro standen die betroffenen Ammerländer in der Kreide. Im Landesschnitt lag die Schuldensumme der Privatinsolventen bei 34.800.

Können die Ammerländer also besser mit Geld umgehen? Oder warum rutschen hier vergleichsweise wenig Menschen in die Überschuldung? Ein wichtiger Grund dafür ist die – immer noch – sehr gute wirtschaftliche Situation. Die Arbeitslosenquote ist eine der niedrigsten in Niedersachsen. Im vielen Branchen herrscht Vollbeschäftigung. Eine feste Arbeitsstelle ist bekanntlich ein wichtiger Schutz gegen Überschuldung. Zudem funktioniert in kleineren Firmen die soziale Kontrolle besser. Kommt plötzlich eine Gehaltpfändung, weil ein Kredit nicht bezahlt wurde, führt so mancher Chef mit seinem Mitarbeiter ein Gespräch, bietet im Zweifel auch Hilfe an und rät zum Termin in einer Schuldnerberatung. Gerade bei finanziellen Problemen gilt: je eher man sich Hilfe holt, desto weniger wächst der Schuldenberg (einem über die Ohren). Auch eine Gesetzesänderung sorgte offenbar für den Rückgang der Verfahren. Das betraf aber das ganze Land und nicht nur das Ammerland.

Wer in finanziellen Schwierigkeiten steckt, sollte sich lieber früher als später beraten lassen. Dies kann man unter anderem tun beim Awo-Kreisverband in Bad Zwischenahn. Auch der Paritätische Ammerland-Oldenburg bietet Hilfe an.

Jasper Rittner
Jasper Rittner Chefreporter Oldenburg-Stadt/Ammerland