Rastede - Die meisten Flugzeuge bleiben wegen der Corona-Pandemie am Boden, Investitionen in neue Maschinen sind drastisch zurückgegangen. Das spürt auch der Luft- und Raumfahrtzulieferer Broetje-Automation mit Sitz in der Gemeinde Rastede. Das Unternehmen sei „stark vom Einbruch auf dem Luftfahrtmarkt betroffen“, sagt Geschäftsführer Lutz Neugebauer.
Broetje Automation beliefert die Luftfahrtindustrie weltweit mit Maschinen und Anlagen zum Bau von Flugzeugen bis hin zu ganzen Montagelinien. Das 1979 in Rastede gegründete Unternehmen wurde 2019 als ein „Digitaler Ort Niedersachsen“ ausgezeichnet.
Vom Einbruch auf dem Luftfahrtmarkt ist das Unternehmen, das seinen Sitz im Industriegebiet am Autobahnkreuz Oldenburg-Nord in der Gemeinde Rastede hat, stark betroffen, wie Geschäftsführer Lutz Neugebauer berichtet. Kommunikationsleiter Norbert Steinkemper sagt im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die Produktion zurzeit auf etwa ein Drittel der Kapazität heruntergefahren sei. Auch Kurzarbeit gebe es seit einiger Zeit.
Angesichts der schwierigen Situation in der Branche freut sich Neugebauer über die Kreativität und Einsatzbereitschaft seiner Mitarbeiter. Dies zeige, dass die Herausforderung als Chance für Neues begriffen werde.
Doch große Not macht erfinderisch. Und gerade im Bereich der Digitalisierung zeigt sich, dass die Corona-Krise dazu beiträgt, Prozesse zu beschleunigen. Bei Broetje-Automation etwa wurde in den vergangenen Wochen ein System zur kontaktlosen Messung der Körpertemperatur für Mitarbeiter und Besucher des Unternehmens entwickelt – im Zuge eines sogenannten Technologiesprints, bei dem sehr schnell ein funktionstüchtiger Prototyp vorliegt.
Als Messpunkt dient die Stirn
Kontaktlos die Körpertemperatur messen, das ist freilich auch jetzt schon mit entsprechenden Geräten möglich. Die Technik im „BA Thermo“, so der Name des Systems, sei daher auch eine ähnliche, sagt Norbert Steinkemper, Leiter Kommunikation und Marketing bei Broetje-Automation, im Gespräch mit unserer Zeitung. Das „BA Thermo“ funktioniere allerdings vollautomatisch. Im Prinzip handelt es sich um ein Tablet, das mit Hilfe einer Art Stativ befestigt wird.
Zum Messen der Temperatur tritt der jeweilige Mitarbeiter vor das Gerät. „Als Messpunkt dient die Stirn“, erläutert Steinkemper. Nach vier bis fünf Sekunden gibt es dann entweder grünes Licht oder einen roten Warnhinweis. „Wer eine höhere Temperatur hat, muss nachmessen“, sagt der Kommunikationsleiter. Denn: Das Gerät kann ein Fieberthermometer letztlich nicht ersetzen, wohl aber die Eingangskontrolle bei großen Betrieben beschleunigen.
Das mit unternehmenseigenen Entwicklungs- und Fertigungskapazitäten geschaffene System nutze eine Kombination aus RGB- und Infrarotkamera. Bei der RGB-Kamera (Rot-Grün-Blau) handele es sich dabei im Prinzip um eine herkömmliche Kamera, die das Bild des jeweiligen Menschen zeigt.
Installation der Geräte ist teuer und aufwendig
„Wir konnten auf unsere langjährigen Erfahrungen mit optischen Messsystemen und auch das Equipment unserer eigenen Produktentwicklung zurückgreifen. Das hat uns ermöglicht, das System in vergleichsweise kurzer Zeit auf die Beine zu stellen“, erläutert Dr. Christian Heyers, Leiter Engineering bei Broetje Automation.
Temperatur-Scanner würden bisher nur an wenigen, hochfrequentierten öffentlichen Orten wie beispielsweise einigen Flughäfen in Asien zur Fiebererkennung eingesetzt. Die Installation dieser Geräte sei teuer und aufwendig. „Wir haben ausschließlich standardisierte und schnell am Markt verfügbare Komponenten für ,BA Thermo‘ verwendet. Daher liegen auch die Kosten für das System deutlich unter den heute üblichen Marktpreisen“, erläutert Heyers.
Herstellung zunächst nur für den Eigenbedarf
„BA Thermo“ soll zunächst für den Eigenbedarf bereitgestellt werden, um Infektionsketten innerhalb der Broetje-Automation-Gruppe weitgehend zu unterbinden. Im weiteren Verlauf sei eine Produktion und Auslieferung des Systems auch an andere Firmen geplant. Die Vorbereitungen hierzu würden bereits laufen.
„Wir haben bereits Anfragen“, sagt Kommunikationsleiter Steinkemper. Derzeit müssten allerdings noch einige Dinge geprüft und die Software lizenziert werden.
