Rastede - Corona-Erkrankungen halten sich im Ammerland weiter in Maßen. Dennoch hat so mancher Patient Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus. Das schreckt offenbar viele Menschen ab, ihre Termine wahrzunehmen. Die Physiotherapeuten Petra Kickler und Wolfgang Salhofen berichten von einem Patientenrückgang in ihrer Praxis in Rastede.
Die Corona-Krise war für die beiden Inhaber kein Grund, die Praxis zu schließen. „Wir sind total froh, dass wir den Laden weiter am laufen gehalten haben“, sagt Petra Kickler. Zum einen sei das für die Patienten wichtig, um deren Bandscheibenvorfälle zu behandeln oder um sie nach orthopädischen Operationen weiter zu unterstützen. Zum anderen sei ihnen das Praktizieren in dieser schwierigen Situation auch für die eigene Stimmung wichtig.
Allerdings habe die Arbeit auch eigene Unsicherheit geschürt. Viel Hilfe an der Basis hätten die Therapieverbände IFK, VPT und ZVK geleistet. Aber auch von den örtlichen Politikern hätte es viele Infos gegeben, sagt Wolfgang Salhofen, wie er behandeln kann.
Seit Beginn der Pandemie haben die beiden Physiotherapeuten eingeschränkt arbeiten müssen. Das hat einerseits mit der Hygienemaßnahme, Mundschutz und Einweghandschuhe tragen, zu tun, andererseits auch mit der Verunsicherung der Patienten, die zum Einbruch der Besuche geführt habe. Ganz ohne Berührung geht es nämlich nicht.
So manche Patienten wüssten nun nicht, ob sie sie sich behandeln lassen sollen. Zudem gebe es derzeit weniger Berufsunfälle. „Uns sind alle Selbstzahler weggefallen“, sagt Wolfgang Salhofen. „Am Anfang waren es 40 bis 50 Prozent Rückgang. Erst nach Ostern wurden es wieder mehr“, ergänzt Petra Kickler. Den Stamm habe man abgearbeitet, nun komme nur noch wenig nach. Aber auch Akut-Patienten mit Rezept vom Arzt ließen sich längst nicht mehr alle behandeln, berichtet das Duo. Einige würden trotz versteiften Gelenks sich nicht in die Reha begeben. Zugleich habe aber insgesamt wenig bis keine Reha stattgefunden.
Zwar habe die Rasteder Praxis Salhofen/Kickler finanzielle Soforthilfe erhalten – kleine Betriebe konnten für drei Monate bis zu 3000 Euro beantragen –, die decke jedoch nur die betrieblichen Kosten wie Miete ab. Selbst sei man mit dem eigenen Spektrum noch gut durchs Loch gekommen, derzeit fehle aber das Geld, das nach und nach durch Behandlungen reinkäme. Rücklagen bilden sei daher momentan unmöglich. Wie groß das genaue Ausmaß der Krise ist, sehe man erst hinterher. Möglich sei daher, dass so mache Praxis bald in Kurzarbeit geht oder schlimmstenfalls schließt.
„Der Rettungsschirm ist an sich gut, aber die Systeme waren völlig überfordert“, sagt Salhofen. Deswegen hoffen er und die Osteopathin Kickler, dass bald ein weiterer Rettungsschirm der Krankenkassen über die kleinen Betriebe ausgebreitet wird. Demnach soll der 40 Prozent der Umsätze des letzten Quartals 2019 aus den gesetzlichen Krankenkassen auszahlen.
Gleichzeitig sehen die Rasteder Chancen, dass sich das Krankenwesen positiv entwickelt. Petra Kickler würde sich mehr Akzeptanz von den Ärzten wünschen. Anderswo habe man als Physio einen ganz anderen Stellenwert: „Dabei ist es ein geiler Beruf und die Patienten sind sehr, sehr wertschätzend und dankbar.“
