Rastede - Forstarbeiten im Rasteder Schlosspark sorgen in der Bevölkerung immer wieder für Aufsehen. So blieb es auch unlängst nicht unbemerkt, als am Krebsteich zahlreiche Bäume und Sträucher der Motorsäge zum Opfer fielen.

Zum einen handelte es sich um Pflegemaßnahmen, zum anderen um vorbereitende Arbeiten für das geplante Reinigen des Gewässers, erklärt Bezirksförster Johann Dirks im Gespräch mit unserer Zeitung. Gleichzeitig kündigt der Fachmann an, dass im Hochsommer weitere Bäume rund um den Krebsteich gefällt werden sollen.

Am Krebsteich gab es einst eine großherzogliche Badeanstalt

Der Krebsteich im Rasteder Schlosspark wurde im Jahr 1643 von Graf Anton Günther angelegt. Der Verlauf der Hankhauser Bäke wurde an dieser Stelle erweitert, so dass seinerzeit ein rechteckiger Teich entstand.

Der Krebsteich bereicherte die gräfliche Küche, andererseits war er ein Wasserrückhaltebecken. Wahrscheinlich profitierte auch die an der Hankhauser Bäke liegende Wassermühle, die ständig unter Wassermangel litt, von dem Wasserreservoir, erklärt Horst Bischoff vom Freundeskreis Schlosspark.

Um 1830 wurde der Krebsteich unter Großherzog Paul Friedrich August im Stil des englischen Landschaftsparks umgestaltet und erhielt so seine heutige Form.

Die überwallenden Eichenbestände am östlichen Ufer, sowie eine mächtige Robinie stammen noch aus dieser Umgestaltungsphase, führt Horst Bischoff weiter aus.

Mitte des 19. Jahrhunderts gab es eine großherzogliche Badeanstalt am westlichen Rand des Krebsteiches. Der Platz war durch Planen abgeschirmt. Obwohl das Baden bei Strafe für die Dorfbevölkerung verboten war, wurde das Verbot von den Rastedern häufig missachtet, berichtet Bischoff. Die nichtöffentliche „herrschaftliche“ Badeanstalt wurde nach dem ersten Weltkrieg aufgegeben. Das Baden im Krebsteich wurde jedoch noch bis zum Jahr 1950 geduldet.

Das Gewässer ist in schlechtem Zustand, es ist „umgekippt“, erläutert Dirks, Leiter der Geschäftsstelle Oldenburg des Forstamtes der Landwirtschaftskammer Weser-Ems. In der Fachsprache nenne man dies „eutrophiert“. Erkennbar sei das auch an dem vielen Schlamm im Wasser. Der soll bei der geplanten Reinigung des Krebsteiches herausgeholt werden.

Eingesetzt werden soll dafür ein Bagger, das Gros der Arbeiten soll vom Ufer aus erfolgen. Doch das ist inzwischen dicht bewachsen. Noch, muss man wohl sagen. Denn im Herbst „gehen wir da einmal rum“, sagt Dirks. Das werde dann durchaus noch einmal ein extremer Eingriff.

Dadurch wird sich die Landschaft am Krebsteich allerdings auch wieder dem ursprünglichen Bild nähern. Außerdem können markante Bäume sich besser entwickeln.

So befindet sich etwa eine starke Eiche am Ufer des Gewässers, die durch die jetzt abgeschlossenen Arbeiten besser wahrgenommen werden kann. Buchen, die sie zuvor umgaben und ihr das benötigte Licht nahmen, wurden gefällt. Außerdem wurden fast alle Nadelgehölze herausgenommen.

Forstarbeiten im Schlosspark werden stets mit dem Haus Oldenburg abgestimmt, erläutert Dirks. Generell seien bei Arbeiten in dem Areal sogar die Interessen von drei Parteien zu berücksichtigen.

Da sei zunächst eben der Anspruch des Hauses Oldenburg. Es nimmt Geld ein durch den Verkauf von Holz, das im Schlosspark geschlagen wird.

Die Gemeinde Rastede, die den Park vom Haus Oldenburg gepachtet hat, sei derweil bestrebt, ein gepflegtes Naherholungsgebiet vorzuhalten. So obliegt der Gemeinde zum Beispiel auch die Verkehrssicherungspflicht.

Und schließlich sei der Freundeskreis Schlosspark zu nennen. Dieser Verein verfolgt das Interesse, dass der Park auch tatsächlich ein Park bleibt und es sich zur Aufgabe gemacht, den Schlosspark punktuell in den früheren Zustand zurückzuversetzen, sofern es denn möglich ist.

Was Park ist und was Wald, da seien die Übergänge freilich fließend. „Die Natur interessiert unsere Definition nicht“, sagt Dirks. Die Pflege des Parks sei obendrein ein Dekaden-Projekt, so der Bezirksförster. Ziel sei es, die rund 100 Hektar innerhalb von zehn Jahren einmal vollständig zu durchforsten. Pro Jahr werden deshalb rund zehn Hektar gepflegt. „Das stimmen wir jeweils detailliert mit der Gemeinde, dem Haus Oldenburg und dem Freundeskreis Schlosspark ab“, sagt Dirks.

Die Pflege sei jedoch vernachlässigt worden. Deshalb sei es erforderlich, an einigen Stellen hart reinzugehen. Dabei verfolgt Dirks allerdings auch einen eigenen Anspruch: „Wenn die Vegetationszeit anfängt, soll der normale Parkbesucher nicht mehr erkennen, dass wir da waren.“ Das lasse sich jedoch nicht immer einhalten, wie jetzt der extremere Eingriff am Krebsteich zeigt.

„In einer normalen Forstwirtschaft würden wir das liegen lassen“, erläutert der Bezirksförster. Doch Besucher des Parks würden sich häufig beschweren, warum es dort so „unordentlich“ aussieht.

Die Aufräumarbeiten können auch jetzt in der Brut- und Setzzeit vorgenommen werden. Auch andere Forstarbeiten seien im Wald theoretisch erlaubt. Auf der Internetseite des Landwirtschaftsministeriums heißt es dazu: „Ordnungsgemäße Land- und Forstwirtschaft sind gesetzlich grundsätzlich ganzjährig erlaubt.“

Frank Jacob
Frank Jacob Redaktion Rastede, Redaktion Wiefelstede