Rastede - Es war nur ein normaler Sommerregen, der am 22. August über Rastede niederging. Doch selbst dieser Niederschlag sorgte dafür, dass im Göhlen wieder das Wasser stand. Dort, wo die Gemeinde ihr großes Wohnbaugebiet mit über 100 Bauplätzen entwickeln möchte. Seit über einem Jahr passiert auf dem Areal allerdings nichts mehr – das Oberverwaltungsgericht Lüneburg erklärte den Bebauungsplan für unwirksam.
Was passierte beim Sommerregen im August ?
Anwohner Thomas Sturm dokumentierte am 22. August die Folgen des Regens. „Im neuen Regenrückhaltebecken stand das Wasser bis zur Oberkante“, berichtet er. Und auch in der Graf-von Galen-Straße, wo der Mann lebt, lief das Wasser zunächst nicht ab.
Es war dieses Mal nicht so schlimm wie am 5. Juni. Da hatte Starkregen zur Überflutung des Gebietes geführt. In der Folge gab es eine Sondersitzung des Bauausschusses. Dort wurde beschlossen, einen zusätzlichen Kanal zu bauen. Nötig sei dies allerdings nicht, die bisherige Entwässerungsplanung sei völlig ausreichend, hieß es in der Sitzung Anfang August.
Welche Zweifel haben die Anlieger ?
Genau daran äußern Anwohner wie Thomas Sturm Zweifel. Und die Auswirkungen eines normalen Sommerregens bestärken sie darin. „Wenn vorher alles toll war, warum nimmt man dann eine halbe Million Euro in die Hand?“, fragt er sich.
Auch Tom Schardt ist einer der Anlieger, die Zweifel haben. Er habe seine Bedenken bereits im Zuge des Bauleitplanverfahrens zum Ausdruck gebracht, sagt der Mann, der am Quellenweg wohnt. Sein Grundstück grenzt an die Hankhauser Bäke, die eigentlich ausgebaut werden soll. Doch im Juni 2020 verhing der Landkreis Ammerland einen Baustopp.
„Es sind tiefe Sorgen, die darin liegen“, sagt Schardt mit Blick auf die Stellungnahmen der Bürger im Bauleitplanverfahren und fügt hinzu: „Das Schlimmste, das man einer Sorge entgegenbringen kann, ist, sie zur Kenntnis zu nehmen.“
Insgesamt 32 Bürger äußerten bereits 2017 ihre Bedenken zu den Planungen für das Baugebiet. Zusammen mit den Anmerkungen anderer Behörden füllen allein diese Ausführungen 132 Seiten. Und ziemlich häufig liest man dort den Satz: „Der Hinweis wird zur Kenntnis genommen.“
Welche Rolle spielt das Verkehrskonzept ?
Sturm und Schardt, die beiden Anwohner, können den Druck der Gemeinde durchaus verstehen, neues Bauland auszuweisen, sagen sie. Und gegen das Baugebiet haben sie auch nichts. Sie fragen sich aber, ob wirklich alles bedacht wurde?
Neben dem Entwässerungskonzept gehört dazu aus ihrer Sicht auch das Verkehrskonzept. Die Erschließung des neuen Wohngebietes soll über die Straße „Im Göhlen“ erfolgen, die direkt neben der Hankhauser Bäke verläuft. Die Straße soll ausgebaut werden, Radfahrer, Fußgänger und Autos sollen sie sich künftig teilen. Das hatte schon in der Politik zu Kritik geführt.
„Bäke und Straße streiten sich um den Platz“, sagt Schardt und ergänzt: „Unser Bedenken ist, dass beide verlieren werden.“ So befürchteten die Anwohner etwa, dass die Straße künftig unter Wasser stehen werde. Immerhin sei die Bäke eine wichtige Entwässerungsader Rastedes – und der Göhlen der tiefste Punkt.
Was wünschen sich die Anlieger ?
Schardt und Sturm hätten sich gewünscht, dass früher mit Anwohnern gesprochen worden wäre. Ihrer Meinung nach könnte ein umfänglicher Ausbau der Bäke als Regenrückhaltestauraum mit anschließender Renaturierung eine Lösung sein. Und ein Anschluss des Neubaugebietes an die Kleibroker Straße.
Zu einem Dialog zwischen Politik und den Anliegern kam es allerdings erst im August dieses Jahres. „Alle haben gesagt, es war ein richtig gutes Treffen“, sagt Schardt, der sich ein solches Miteinander viel öfter wünschen würde. Und Sturm meint: „So ein Format hätten wir früher haben müssen.“
Das Problem: Die Zusammenkunft von Bürgern und Politik fand erst nach der Sitzung des Bauausschusses statt. Da was das weitere Vorgehen längst beschlossen.
