Rastede - Seht die Menschen: So hatte die Arbeitsgemeinschaft „Für den Frieden“ ihre Gedenkstunde zur Pogromnacht an der Kooperativen Gesamtschule Rastede überschrieben. Über 200 Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 10 bis 13 nahmen daran am Dienstag in der Aula mit großer Anteilnahme und Stille teil, wie Michael Luttmer, Leiter der AG, berichtet.
Erinnerung wachhalten
Mit der Gedenkstunde wollten die Schüler die Erinnerung an die gepeinigten Menschen wachhalten. „Wir wollen an das Leid erinnern, das sie durch Diskriminierung, Verfolgung und Tod erdulden mussten. Und wir wollen daran erinnern, dass die Menschen sich gewehrt haben – gegen den Völkermord als die schrecklichste Möglichkeit von Politik. Gegen das Ende der Aufklärung, der Menschlichkeit und gegen das Ende der Zeit an sich“, hieß es zu Beginn der Gedenkstunde.
Dazu lasen die Mitglieder der AG aus Briefen von Augenzeugen vor: Frauen und Männer, jung und alt, die gegen die Barbarei des Nationalsozialismus kämpften und die wegen ihres Aufbegehrens vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt wurden.
Vor ihrer Hinrichtung schrieben sie letzte Nachrichten an ihre Liebsten – in den Gefängnissen der Gestapo und in den Konzentrations- und Vernichtungslagern der SS, wie die Mitglieder der AG ausführten. Zeugnisse des Elends, die sie unter der Erde verscharrten, in Thermoskannen versteckten und aus fahrenden Zügen warfen.
Völkermord
Die Mitglieder der AG, beteiligt waren an der Gedenkstunde Lina Rabe, Rima Alidlbi, Lara Schubert, Veronika Dinter, Liv Lubach, Tjada Kulawik und Milan Ildiz, erinnerten zunächst an den historischen Kontext. Vor 83 Jahren ebneten die Nationalsozialisten bei der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 den Weg hin zur so genannten „Endlösung“, zum industriellen Völkermord an sechs Millionen Juden. Allein im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau starben eine Million Juden – durch Hunger, durch Arbeit, durch Misshandlung, durch das Gas.
In dieser Nacht im November 1938 verbrannten die Nazis 1300 Synagogen, demolierten 7500 jüdische Geschäfte und verhafteten 25000 Juden. Zumeist wurden die Gefangenen ins Konzentrationslager deportiert. Am Ende mussten die deutschen Juden ihre eigene Erniedrigung auch noch selbst bezahlen, mit einer Milliarde Reichsmark.
Mit dem Verlauf der Gedenkstunde zeigte sich die AG sehr zufrieden. „Unsere Botschaft – die Ablehnung von Rassismus und Antisemitismus sowie Menschenfeindlichkeit jeder Art – fiel auf fruchtbaren Boden“, so Luttmer. Musikalisch wurde die Gedenkstunde durch Klezmer-Musik der beiden Lehrer Christopher Stolz und Dennis Göckel begleitet.
