Rastede - Irgendwann hatte sie der Ehrgeiz gepackt. Als sich Saskia Butt das erste Mal aufs Fahrrad setzte und die 12,5 Kilometer von ihrem Zuhause in Heubült zur Kooperativen Gesamtschule in Rastede zurücklegte, brauchte sie noch rund 45 Minuten für die Strecke. Von Tag zu Tag ging es dann immer schneller. „Als ich bei 31 Minuten war, hatte ich den Drang, es in 30 Minuten zu schaffen und dann wollte ich in 29 Minuten ankommen“, erzählt die 14-Jährige und ergänzt: „Ich war stolz, als ich es geschafft hatte.“
Saskia Butt beteiligte sich im Juni am Schulradeln. Dieses ist Teil des Stadtradelns, einem Wettbewerb der Kommunen, bei dem es darum geht, 21 Tage lang möglichst viele Alltagswege klimafreundlich mit dem Rad zurückzulegen. Und Saskia Butt legte so viele Kilometer mit dem Fahrrad zurück wie kein anderer ihrer Mitschüler. 625 Kilometer radelte sie in den drei Wochen und durfte deshalb kürzlich in Hannover einen besonderen Preis entgegennehmen.
Preisverleihung
Die KGS hat nämlich gleich bei ihrer ersten Teilnahme am bundesweiten Schulradeln den dritten Platz im Landesvergleich erzielt, berichtet Lehrerin Anja Szyltowski, die ihre Schülerin nach Hannover begleitete. Unter allen teilnehmenden Schulen in Niedersachsen gab es nur zwei, an denen sich mehr Schüler beteiligt hatten: ein Gymnasium in Hannover und eines in Großburgwedel. Auf 625 Teilnehmer kam die KGS.
„Ich bin ausgeglichener gewesen“, berichtet die 14-Jährige von ihren Erfahrungen. Gerade in Corona-Zeiten habe sie sich wohler gefühlt, aufs Rad zu steigen und nicht im Bus sitzen zu müssen. Ein weiterer Nebeneffekt: „Irgendwann bin ich gefragt worden, warum ich so braun geworden bin“, erinnert sich Saskia Butt.
Eine große Umstellung sei das tägliche Radfahren für sie nicht gewesen. Um mit dem Bus zur Schule zu kommen, habe sie auch um 6 Uhr aufstehen müssen, erzählt die 14-Jährige. Und zu ihren Hobbys in Rastede sei sie auch mit dem Rad gefahren. Anstrengend sei es aber schon gewesen, weil sie vorher noch nie längere Strecken an aufeinanderfolgenden Tagen zurückgelegt hatte, sagt die Schülerin.
Mehr Rücksichtnahme
Was ihr darüber hinaus auffiel: „Am Marktplatz wird es morgens ganz schön eng. Zum Teil wird da überhaupt keine Rücksicht genommen.“ Sie selbst habe mehrere gefährliche Situationen erlebt. „Alle wollen schnell zur Arbeit, jeder kämpft sich durch“, stellte sie fest. Saskia Butt wünscht sich deshalb insgesamt ein besseres Verkehrsklima mit mehr gegenseitiger Rücksichtnahme.
Im kommenden Jahr will sie sich auf jeden Fall wieder am Schulradeln beteiligen, „weil ich so zeigen kann, dass man auch im Kleinen was fürs Klima tun kann“, sagt die 14-Jährige. Und jetzt, wo der Ehrgeiz sie gepackt hat, werden am Ende bestimmt noch einige Kilometer mehr auf dem Fahrradtacho stehen.
