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Renaturierung im Ammerland Warum kann das Hankhauser Moor kein Naturschutzgebiet werden?

Soll erhalten bleiben: Das Hankhauser Moor auf Rasteder Gemeindegebiet.

Soll erhalten bleiben: Das Hankhauser Moor auf Rasteder Gemeindegebiet.

Rastede - Warum kann der Landkreis das Hankhauser Moor nicht einfach als Landschaftsschutzgebiet ausweisen, um den Torfabbau zu verhindern? Genau so, wie es noch im Herbst 2020 von Politik und Landkreis angedacht war?

Wie die Behörde mitteilte, reicht die vorgesehene Zielrichtung „Erhaltung des moortypischen Grünlandes im Hankhauser Moor“ als Begründung für ein Schutzgebiet – egal ob Landschaftsschutzgebiet oder Naturschutzgebiet – nicht aus. Der Schutzzweck „Grünland“ würde den politischen Zielen des Klimaschutzes widersprechen und sei hierdurch rechtlich angreifbar. Die Bewirtschaftung von Grünland auf Moor sei verbunden mit einem CO2-Ausstoß von jährlich bis zu 15 Tonnen pro Hektar, der aus der Umsetzung der Biomasse des Moorbodens resultiere. „Je intensiver gedüngt und bewirtschaftet wird, desto höher ist die Rate der jährlichen Mineralisation. Dieses Ziel des Landschaftsschutzes passt nicht mehr zu den Forderungen des Klimaschutzes“, so der Landkreis.

Widerstände erwartet

Davon abgesehen, dass die Griendtsveen AG ihre in 2017 formulierte Absicht, wegen ihrer privatrechtlichen Betroffenheit (55 Hektar Eigentum) ein Normenkontrollverfahren anzustrengen, wieder aufnehmen könnte, verweist der Landkreis aber auch noch auf einen weiteren Grund. „In Anbetracht der politischen Diskussionen rund um das Thema Landwirtschaft wäre in einem ohnehin rechtlich angreifbaren Verfahren zum Landschaftsschutz aktuell mit nachvollziehbaren erheblichen Widerständen seitens der Landwirtschaft zu rechnen.“ Der Druck auf die Landwirtschaft sei durch die vielen Gesetzesvorhaben und die Diskussionen um die „Roten Gebiete“ so groß, dass nicht zuletzt wegen der fehlenden Planungssicherheit wohl keine Bereitschaft besteht, lokal weitere Beschränkungen zugunsten des Naturschutzes mitzutragen.

Aufgrund der trockenen Sommer der letzten Jahre habe sich die Bewirtschaftung der Grünlandflächen intensiviert und die Flächen seien in Zeiten des Flächendrucks für die Betriebe wichtiger geworden. Forderungen nach einem Biotopverbund und die getroffenen Vereinbarungen zum „Niedersächsischen Weg“ würden weitere Beschränkungen nach sich ziehen. Aus diesem Grund sollte von der Ausweisung eines Schutzgebietes abgesehen und versucht werden, eine Art Entwicklungskonzept zu realisieren. „Für die ohnehin schon besonders nassen Bereiche, die auf Meeresspiegelhöhe liegen, könnten zukünftig CO2-Senken für den Klimaschutz entstehen. Gemeinsam mit der Griendtsveen AG und der Gemeinde Rastede würden theoretisch bereits 90 Hektar hierfür schon zur Verfügung stehen.“

Schutzzonen

Aus diesen Gründen soll, wie berichtet, das Hankhauser Moor in drei Schutzzonen aufgeteilt werden. Eine Umsetzung kann laut Landkreis aber nur gelingen, wenn die für eine Vernässung vorgesehenen Bereiche einvernehmlich mit den jetzigen Eigentümern langfristig in öffentliches Eigentum gelangen – und diese Flächen sind auch in Besitz der Griendtsveen AG, weshalb die dem Vorhaben zustimmen muss.

Anuschka Kramer
Anuschka Kramer Team Nord
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