Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Serie „900 Jahre Westerstede“ Das 16. Jahrhundert: Reformation, Bildung und ein „Star-Wissenschaftler“

Die alte Brakenhoffschule in Westerstede: Sie hat eine lange Historie.

Die alte Brakenhoffschule in Westerstede: Sie hat eine lange Historie.

Stadtarchiv

Westerstede - Das 16. Jahrhundert in Deutschland und in Westerstede – es war eine bedeutende Zeit. Da war Martin Luther und mit ihm der Beginn der Reformation mit dem Thesenanschlag in Wittenberg im Jahr 1517, an deren Ende die Evangelische Kirche stand. Einige Jahre später wurde auch die St. Petri-Kirche in Westerstede evangelisch. Doch da war noch wesentlich mehr: Die Brakenhoffschule wurde erstmals erwähnt, Bildung bekam einen deutlich höheren Stellenwert. Und ein „Star-Wissenschaftler“ seiner Zeit kam aus Westerstede. In diesem Teil der Serie „900 Jahre Westerstede“ geht es um die Entwicklungen des 16. Jahrhunderts.

Die Reformation

Die Reformation in Westerstede kam nur sehr langsam voran. Während in den Nachbargemeinden schon evangelische Pfarrer predigten, so heißt es in Ausarbeitungen von Hilke Hinrichs, war in Westerstede davon noch nichts gemeldet. Es gibt sogar die Geschichte, dass der letzte katholische Pfarrer in Westerstede nicht evangelisch wurde, die Gemeinde ihm dann aber aus Dankbarkeit in Hollwege einen Ruhestand bereitstelle.

Ausstellung und Gottesdienst

Weitere Informationen zum 16. Jahrhundert und der Geschichte der Bildung in Westerstede gibt es detailliert auf den Wandzeitungen von Hilke Hinrichs zu sehen. Diese Ausstellung kann unter anderem im Westersteder Rathaus besichtigt werden. Außerdem gibt es zahlreiche Artikel auf NWZonline.de unter www.nwzonline.de/900-jahre-westerstede

Der Jahrhundertgottesdienst zum 16. Jahrhundert findet an diesem Sonntag, 18. Juni, ab 10 Uhr in der St. Petri-Kirche in Westerstede statt. Er steht unter dem Motto „Glauben und lernen“. Eingeladen sind vor allem alle Mitarbeiter der Westersteder Bildungseinrichtungen: „Ohne sie wäre es unseren Kindern nicht möglich, diese Bildung genießen zu können. Sie ist heute glücklicherweise für alle und individuell auf alle Bedürfnisse angepasst erreichbar“, heißt es in der Einladung.

Die Kantorei Westerstede wird diesen Gottesdienst musikalisch begleiten. Den historischen Vortrag hält der ehemalige Schulleiter Bernd Pohlig. Die Predigt hält Pastor Tim Unger, der auch ein Buch über die Reformation geschrieben hat.

Kurz nach dem Augsburger Religionsfrieden 1555 wurde der regierende Graf Anton evangelisch und mit ihm die Grafschaft Oldenburg. 1557 wurde dann Friedrich Lübben von Graf Anton, dem Oberhaupt der Landeskirche, zum Pastor von Westerstede ernannt. Ein geordnetes reformatorisches Kirchenwesen wurde erst 1573 durch Superintendent Hamelmann aus Oldenburg geregelt, heißt es.

Die Bildung

Im Bereich der Bildung gab es im 16. Jahrhundert in Westerstede offenbar einige Veränderungen – und eine Schule wird 1579 erwähnt, die bis heute Bestand hat: Die Brakenhoffschule. Schule und Kirche waren damals eng verbunden. Die Schulen standen unter kirchlicher Aufsicht. Ziel war es, die Gesellschaft zu disziplinieren. Über die Kirchenordnung und über die Schulbildung sollte mit großer Strenge die Einhaltung der Zehn Gebote erreicht werden. Menschen sollten die Bibel lesen können. Neben dem Schulunterricht waren die Schüler dann auch in den Gottesdiensten präsent, dort sangen sie die Psalmen.

Das Ergebnis von 19 Jahren Arbeit: Hilke Hinrichs hält ihre Fikensolter Chronik in den Händen. Auf dem Schreibtisch liegen Dokumente aus dem 17. Jahrhundert, mit denen sie viele Stunden verbracht hat.

FREIZEIT-HISTORIKERIN AUS WESTERSTEDE Sie kennt die Stadthistorie wie kein anderer: Warum Hilke Hinrichs ein „lebendiges Geschichtsbuch“ ist

Jan-Michael Heimann
Westerstede

Gerade die Übersetzung der Bibel in die hoch- und niederdeutsche Sprache verstärkte bei den Menschen den Wunsch nach Allgemeinbildung. Zur Schule gehen konnten aber vor allem die Kinder der vermögenderen Menschen, die sich das Schulgeld leisten konnten. In den unteren Schichten war das nicht denkbar. Hier waren die Kinder eine wertvolle Arbeitskraft. Später wurde das Schulgeld zumindest der armen Kinder aus der Armenkasse bezahlt.

Dennoch war die Zeit so etwas wie der Beginn der geregelten Schule. 1614 wurde in Oldenburg die erste Schulordnung erlassen „der lieben Jugend zum Besten“, hieß es. Fortan entwickelte sich das Bildungswesen in der Region und es wurden zusätzlich zur Hauptschule Westerstede nach und nach mehr Nebenschulen eröffnet. Um 1720 hatten mit Linswege, Hüllstede, Mansie, Westerloy, Hollwege, Halsbek und Torsholt auch einige Dörfer Schulen. Damit war eine gewisse Grundversorgung erreicht.

Eilhardus Lubinus

Westerstede war außerdem Geburtsort des berühmten Eilhardus Lubinus, der 1565 geboren wurde. Schaut man sich heute auf Wikipedia den Eintrag über Westerstede an, wird Lubinus als einer der Söhne der Stadt aufgeführt. Er wird als einer der berühmtesten Hochschullehrer seiner Zeit beschrieben. Ursprünglich war sein Name Eilert Lübben, er war Sohn des ersten lutherischen Pastors der St. Petri-Kirche, Friedrich Lübben. Er studierte an sieben Universitäten, machte als Theologe, Mathematiker und Geograph Karriere als Professor an der Universität Rostock, der drittältesten Universität in Deutschland. Dort starb er 1621. Eines seiner berühmtesten Werke ist die Lubinsche Karte. Es handelte sich dabei um die erste vollständige Karte des Herzogtums Pommern.

Jan-Michael Heimann
Jan-Michael Heimann Redaktion Westerstede
Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Komm in meine Arme: Die B-Juniorinnen der SpVg Aurich – hier im Spiel gegen den VfL Wolfsburg – wollen Sonnabend gegen Mönchengladbach den Grundstein zum Einzug ins Finale legen.

KAMPF UM DEUTSCHE MEISTERSCHAFT Aurichs Fußballerinnen hoffen im ersten Halbfinale gegen Gladbach auf 3500 Fans

Ingo Janssen
Aurich
Jubelt weiter für den VfB: Drilon Demaj

ALLROUNDER BLEIBT BEI FUSSBALL-REGIONALLIGIST Neu-Stürmer Drilon Demaj verlängert Vertrag beim VfB Oldenburg

Lars Blancke
Oldenburg
Mit zurzeit 51 Rudeln, vier Paaren und drei Einzelwölfen gilt Niedersachsen als Wolfsland. Die Gerichte haben hohe Hürden für einen Abschuss von Problemwölfen aufgebaut.

GERICHT ERHÖHT HÜRDEN Darum werden derzeit keine Problemwölfe in Niedersachsen getötet

Stefan Idel Büro Hannover
Lüneburg
Führungswechsel bei der GSG Oldenburg, Daniel Jircik wird neuer Geschäftsführer der GSG (v.l): Michael Thanheiser, OB Jürgen Krogmann, Daniel Jircik, Stefan Könner

DANIEL JIRCIK Warum der designierte GSG-Geschäftsführer in Stendaler Unternehmen fristlos entlassen wurde

Thomas Husmann
Oldenburg
Kommentar
Einweihung der Fahrradstraße mit prominenten Gästen (von rechts vorn): Zwischenahns Bürgermeister Henning Dierks, CDU-Landtagsabgeordneter Jens Nacke, Olaf Lies, Niedersachsens Minister für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung, die Ammerländer Landrätin Karin Harms und SPD-Landtagsabgeordneter Björn Meyer Ende April.

FÖRDERUNG DES FAHRRADVERKEHRS Entwicklungsland Deutschland

Michael Sommer