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Spekulationen über Lambrecht-Nachfolge Zwei Politikerinnen aus dem Nordwesten als Verteidigungsministerin gehandelt

Auf der Bundesbühne erfolgreich: Eva Högl (links) und Siemtje Möller

Auf der Bundesbühne erfolgreich: Eva Högl (links) und Siemtje Möller

dpa/Middendorf

Varel/Bad Zwischenahn/Berlin - Olaf Scholz stärkt Christine Lambrecht (SPD) den Rücken. Er arbeite mit allen Ministerinnen und Ministern gut zusammen, ließ der Bundeskanzler am Mittwoch mitteilen, das gelte auch für die Verteidigungsministerin. Am Donnerstag sprang Saskia Esken der Parteikollegin zur Seite: Die Ministerin habe „eine schwere Aufgabe übernommen“, sagte die SPD-Bundesvorsitzende der TV-Sendung „Frühstart“. Sie stehe „vollständig hinter ihr“.

Die rote Rakete

Seit dem verunglückten Video in der Silvesternacht, in dem Lambrecht vor Silvesterböllern über den Ukraine-Krieg spricht, häufen sich Rücktrittsforderungen. In den Überlegungen, wer auf die SPD-Politikerin aus Hessen folgen könnte, tauchen zwei Namen mit Bezug zum Oldenburger Land auf; zum einen Siemtje Möller, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesverteidigungsministerium. Die 39-Jährige wohnt in Varel (Landkreis Friesland) und hat sich in ihrem Amt Respekt erarbeitet. Nach dem Erfolg 2017 gewann die Lehrerin, die in Emden und Oldenburg aufgewachsen ist, den Wahlkreis Friesland, Wilhelmshaven, Wittmund 2021 zum zweiten Mal direkt. Dort liegt der größte Standort der Bundeswehr: Einsatzflottille 2 der Marine, Marinearsenal, Logistikzentrum, Richthofen-Geschwader, Objektschutzregiment. Rasch erwarb sie Vertrauen als Berliner Stimme für die Anliegen der Bundeswehr. „Raketenschnell“ sei Siemtje Möller in der SPD zur Expertin aufgestiegen, schrieb „Der Freitag“. Und der Autor fügte hinzu: Sie bekomme, was sie wolle, weil sie „erst mal das macht, was anliegt. Ohne zu murren. Ohne nerviges ,Laberrhabarber’“. Weiterer Pluspunkt: Wenn Olaf Scholz den Frauen-Anteil in seiner Regierung halten will, muss auf Christine Lambrecht eine Frau folgen.

Nöte der Wehr

Dieses Kriterium erfüllt allerdings auch die zweite Frau, die als mögliche Nachfolgerin gehandelt wird: Eva Högl. Die gebürtige Osnabrückerin, die an diesem Freitag ihren 54. Geburtstag feiert, ist Wehrbeauftragte der Bundesregierung und kennt die Sorgen des Militärs. Eva Högl geb. Kampmeyer ist in Ofen (Bad Zwischenahner) aufgewachsen und hat am Gymnasium Bad Zwischenahn-Edewecht ihr Abitur abgelegt. Auf das Jura-Studium in Osnabrück folgte ein Referendariat unter anderem am Oberlandesgericht Oldenburg. In Oldenburg, wo ihre Eltern und Schwiegereltern wohnten, fühle sie sich „pudelwohl“ hatte die Politikerin 2007 in einem Interview betont.

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Robuste Natur

Verheiratet ist die Juristin mit dem Architekten Jörg Högl, der aus dem Ammerland stammt und sich in Berlin als Architekt selbstständig gemacht hat. Von 1999 bis zu ihrem Einzug in den Bundestag 2009 arbeitete die Juristin, die seit 2001 in Berlin lebt, im Bundesarbeitsministerium. Als Vize-Vorsitzende der Bundes-SPD, der Bundestagsfraktion und als Vertreterin ihrer Partei im Untersuchungsausschuss zur NSU-Affäre erwarb Eva Högl Anerkennung. Als Ministerin war die Wahl-Berlinerin bereits unter Bundeskanzlerin Angela Merkel im Gespräch. 2019 fiel ihr Name erneut bei der Suche nach einer Nachfolgerin an der Spitze des Justizministeriums. Dennoch war die Überraschung groß, als die SPD die Niedersächsin, die bis dahin keine Militär-Erfahrung hatte, 2020 als Wehrbeauftragte aufstellte. Die „Süddeutsche“ bescheinigte Eva Högl damals anerkennend, „in jederlei Hinsicht von robuster Natur zu sein“.

Ob Christine Lambrecht zurücktritt, ist offen. Anstatt eines Rücktritts ist allerdings auch ein gesichtswahrender Wechsel denkbar: Innenministerin Nancy Faeser muss sich demnächst erklären, ob sie bei der Landtagswahl in Hessen gegen Amtsinhaber Boris Rhein (CDU) antritt. Es gilt als wahrscheinlich, dass die SPD-Politikerin in diesem Fall ihr Amt abgibt. Scholz könnte das Ressort dann der Verteidigungsministerin – einer Juristin – übertragen. Und der Weg für eine neue Spitze im Verteidigungsministerium, möglicherweise mit Wurzeln in der Region, wäre frei.

Christoph Kiefer
Christoph Kiefer Reportage-Redaktion (Chefreporter)
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