Augustfehn - Dina ist an diesem Nachmittag gut drauf. Die schwerstbehinderte junge Frau scheint entspannt zu sein und lacht immer wieder. Besuch bei der Familie Brunken in Augustfehn. „Wir wollen eine Spendenaktion starten und hoffen, über Spendengelder ein neues Auto für Dina und ihre Familie anschaffen zu können“, sagt Claudia Schaa. Sie ist Mitarbeiterin der Kreisvolkshochschule (KVHS) Ammerland, engagiert sich in der Familienarbeit in der Gemeinde Apen und betreut die Brunkens über das Projekt „FAB FOUR“ (Familienzentrierte Aufsuchende Beratung – Förderung und Optimierung der Unterstützungsstrukturen Rechtskreisübergreifend). Begleitet wird Schaa an diesem Nachmittag von Fenja Kayser aus dem Bereich Öffentlichkeitsarbeit der KVHS und KVHS-Projektkoordinatorin Birte Amann.
Auf Auto angewiesen
Eine Spendenaktion für ein Auto? „Ja, ich bin zwingend auf ein Auto angewiesen, um Dina in ihrem großen Rollstuhl, der nicht zusammenklappbar ist, transportieren zu können. Wir müssen öfter zum Arzt und wenn es ihr schlecht geht, muss ich sie spontan aus der Behindertenwerkstatt Westerscheps abholen“, sagt Dinas Mutter Aicha, die alleinerziehend ist.
Das bisherige Familienauto – ein alter Bulli – habe schon über 300 000 Kilometer auf den Buckel und sei ständig defekt. Das sei bei wenig Geld und den ständig steigenden Preisen schrecklich, immer wieder hohe Reparaturen für ein altes Auto bezahlen zu müssen. Schon mehrfach sei der Wagen unterwegs liegengeblieben und es sei sehr aufwändig gewesen, von A nach B zu kommen. Ein großes, zuverlässiges Auto, in dem man Dina in ihrem großen Rollstuhl transportieren und mit ihre auch als Familie mal etwas unternehmen könne, das sei der Traum der Familie.
Seltene Erkrankung
Seit ihrer Geburt ist Dina schwerstbehindert. Die 19-Jährige leidet am sogenannten Rett-Syndrom, einer sehr seltenen, lebenslangen Erkrankung, bei der die Entwicklung des Menschen stark gestört ist und die zu schweren körperlichen Behinderungen führt. Betroffen sind vor allem Mädchen (eines auf etwa 10 000 Geburten). Zeitlebens sind die Erkrankten auf eine 24-Stunden-Betreuung an sieben Tagen in der Woche angewiesen. Typisch für die Erkrankung sind knetende Handbewegungen, der Verlust von sprachlichen und sozialen Fähigkeiten, epileptische Anfälle, Auffälligkeiten bei der Atmung, Schluckstörungen und Verdauungsprobleme, Schlafstörungen, Angststörungen, Herzrhythmusstörungen, Sehstörungen, Störungen der Bewegung und orthopädische Probleme. Eine Heilung gibt es nicht. Der Aufwand für die Pflege und Betreuung eines am Rett-Syndrom erkrankten Menschen ist enorm.
Hilfe ist nötig
Aus eigener Kraft könne die Familie, die staatliche Unterstützung erhalte, sich kein neues Auto (Gebrauchtwagen) anschaffen, berichtet KVHS-Mitarbeiterin Claudia Schaa, die über 40 Stiftungen anschrieb, um Unterstützung für die Augustfehner Familie zu bekommen. Das Angebot an Stiftungen sei zwar groß, doch nur wenige kämen für dieses Projekt in Frage. Eine Zusage für den Umbau eines Wagen zu einem behindertengerechten Fahrzeug habe man von der AMF-Bruns-Stiftung aus Apen erhalten, nun ginge es darum, mit vereinten Kräften (mindestens) 20 000 Euro für einen Gebrauchtwagen zusammenzutragen.
Ein Treuhandkonto für Spenden wurde eingerichtet. Mehr erfahren Interessierte über Claudia Schaa (Tel.: 0157/ 88 99 23 48 oder per Mail „c.schaa@kvhs-ammerland.de“).
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisvolkshochschule Ammerland unterstützen über das Projekt „FAB FOUR“ kostenlos Eltern und ihre Kinder. Die Abkürzung FAB FOUR steht dabei für „Familienzentrierte Aufsuchende Beratung– Förderung und Optimierung der Unterstützungsstrukturen Rechtskreisübergreifend“. Unterstützt werden gezielt Eltern und Alleinerziehende aus dem Ammerland, die mindestens ein Kind unter 18 Jahren haben und staatliche Leistungen wie Hartz IV oder Sozialhilfe beziehen. Profitieren können ferner Familien, die den Kinderzuschlag erhalten oder erhalten können sowie Familien mit geringen finanziellen Mitteln.
Das Angebot, das freiwillig, vertraulich und kostenlos ist, beinhaltet, dass die KVHS-Mitarbeiter die Betroffenen zuhause aufsuchen und sie vielfältig unterstützen. Das reicht vom Finanzcheck der Betreuten, über die Beratung, wie man Hilfsangebote in Anspruch nehmen kann, Hilfe bei Anträgen und Begleitung zu Terminen, z.B. bei Behörden.
Das Projekt FAB FOUR wird über das Modellprogramm „Akti(F) – Aktiv für Familien und ihre Kinder“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert.
