Ammerland - Das bittere Aus bei Stöhr-Brot hat viele Menschen im Ammerland geschockt. Denn trotz der Insolvenz hieß es in den vergangenen Wochen, dass sich Interessenten für eine Übernahme die Klinke in die Hand geben würden. Auch deshalb blieben viele Mitarbeiter bei der Stange. Doch herrscht bei ihnen der blanke Frust, Enttäuschung und Verbitterung.
„Man fühlt sich ziemlich ausgenutzt und veralbert“, sagt ein langjähriger Mitarbeiter. Er hatte bis zuletzt an eine Rettung geglaubt. Doch als ein Mitarbeiter des Insolvenzverwalters die Belegschaft informierte, kam auch noch ein bitterer Nachgeschmack dazu. „Unsere Geschäftsführung saß im Büro. Es gab kein Dankeschön für die vielen Jahre, nichts“, ärgert sich der Mann. Wie kam es dazu, dass das Traditionsunternehmen plötzlich in die Krise rutschte? Telefonische Anfragen bei Geschäftsführer Harm Bartels blieben am Freitag unbeantwortet.
Hohe Energiekosten
Die Pluta-Rechtsanwaltsgesellschaft, die die Insolvenz abwickelt, hatte nach der Insolvenz am 21. April von hohen Rohstoff- und Energiepreisen gesprochen. Doch davon waren auch die anderen Unternehmen der Branche betroffen. Und unter den Energiekosten leidet quasi jeder Betrieb in Deutschland.
Insolvenzverwalter Dr. Christian Kaufmann hatte sich auch in den vergangenen Wochen optimistisch gezeigt, die 280 Jobs – oder zumindest die meisten davon – retten zu können. Es hieß, die Rohstoffversorgung sei bis Ende des Jahres gesichert. Und auch Geschäftspartner hätten ihre Unterstützung zugesagt.
Nun kam es anders. Einer der wichtigsten Kunden sprang zum 1. August ab. Damit, so hieß es aus der Insolvenzverwaltung, sei auch das Interesse anderer Firmen an einer Übernahme erloschen.
Große Brache?
Wird das Firmengelände in Halsbek nun zu einer großen Brache? Das werden die nächsten Wochen zeigen. Denkbar ist, dass sich ein Investor für den Betrieb findet. Mitarbeiter könnten dann – zu günstigeren Konditionen – wieder eingestellt werden. Viele, so heißt es, würden ihr Glück jetzt aber erst mal anderswo versuchen. „Es ist einfach nur traurig, wenn man nach vielen Jahren quasi über Nacht seine Sachen packen kann“, sagt ein langjähriger Angestellter. „Das belastet einen sehr und auch die Familie und Freunde.“ Er hat zwar schon wieder eine neue Stelle in Aussicht. Dennoch bleibt Bitterkeit zurück.
Was mit den kleineren Standorten in Dinklage, Rastede und Schleswig-Holstein passiert, ist auch offen. Die Insolvenzverwaltung wird nach Vermarktungsmöglichkeiten suchen. Und: Der Name Stöhr-Brot könnte 75 Jahre nach der Gründung bald von der Bildfläche verschwunden sein.
