Tange - „Wenn ich geahnt hätte, wie sich das Ganze entwickelt, hätte ich die Disco nicht geöffnet“, sagt Disco-Betreiber Boris Mennenga. Nach fast 16 Monaten coronabedingter Zwangspause kann seit dem 19. Juni in Tange wieder getanzt und gefeiert werden. „Alle haben sich darüber gefreut, doch inzwischen ist aus anfänglicher Begeisterung Frust geworden“, so der Unternehmer und verweist darauf, dass an den vergangenen Wochenenden die Besucherzahlen stark eingebrochen seien.
Regeln umsetzen
„Natürlich setzen wir mit unserem Sicherheitsdienst die immer wieder neuen Corona-Regeln um und auch von den Behörden gibt es keinerlei Beanstandungen an unserem Sicherheits- und Hygienekonzept, doch viele unserer Gäste sind zunehmend genervt“, so Mennenga. Wie solle er auch vermitteln, warum vor der Disco gerade frisch getestete Besucher oder solche, die geimpft oder genesen seien, vor einigen Wochen nach der Eingangskontrolle die Masken abnehmen durften, sie sie aber jetzt im ganzen Discobereich und selbst beim Tanzen tragen müssten. Das sei ja schlimmer als in der Schule, würden ihm Gäste sagen, weil sowohl das Theken- und Bedienungspersonal als auch die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes sofort die Leute ansprächen, wenn die Maske in der Disco nicht getragen würde.
Die drei „Gs“
„Ich verstehe meine Gäste, aber kann ja nur darauf verweisen, dass ich die Regelungen umsetzen muss“, so Mennenga, der viele Vorgaben nicht bis zu Ende gedacht hält. Wieso reiche beim Einkaufen in großen Einkaufzentren die Maske und niemand frage nach einem Test und ob man geimpft oder genesen sei, in der Disco gäbe es jedoch ganz strenge Auflagen. Er sei für höchstmögliche Sicherheit, aber die drei „Gs“ (Getestet, Geimpft, Genesen) müssten doch reichen.
Viele Auflagen
Ein aktueller Test bzw. die Vorlage des Impfpasses oder der Bescheinigung vom Gesundheitsamt von Genesenen, Mindestabstände, die Reduzierung der Besucherzahl auf 999 mit Ticketverkauf oder Abendkasse, die Luca-App, die Gäste jetzt zwingend auf dem Handy zur eventuellen Nachverfolgung haben müssten, Personalausweispflicht, vorgeschriebene Laufwege – die Liste der Regelungen sei lang. Obendrein seien die vergangenen Wochen eine Hängepartie gewesen, weil man nicht wusste, ob die Disco am Wochenende öffnen durfte (bei einer Inzidenz unter 10 an drei aufeinanderfolgenden Tagen) oder schließen musste (über 10). Geschlossen war die Tanger Disco am Samstag, 31. Juli, weil durch eine geänderte Corona-Verordnung neue Auflagen dazu kamen, die man nicht kurzfristig umsetzen konnte. Die Inzidenz 10 als Maßstab für Discos ist inzwischen vom Oberverwaltungsgericht Lüneburg gekippt worden, bis Inzidenz 35 reichten Masken und Testes, Kontaktdaten und äußerstenfalls Zugangsbeschränkungen, so das Gericht.
Nach dem Treffen von Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten wird es nun ab Ende August in Niedersachsen eine neue, landeseigene Corona-Verordnung geben.
Boris Mennenga hat nach der Disco-Öffnung zusätzlich zum Stammpersonal rund 50 neue Aushilfskräfte eingestellt. „Bei allen zerrt es an den Nerven, nicht zu wissen, ob man nun dauerhaft arbeiten kann oder nicht. Wir müssen endlich raus aus dieser Corona-Schockstarre und brauchen klare Perspektiven. Aber vor den Wahlen wird das wohl nichts werden.“
