Bokel - Wenn seine Frau mal wieder eine Idee hat, dann ist Johann Gertje nicht zwingend begeistert. Denn das bedeutet in der Regel jede Menge Arbeit. Als sich Ehefrau Annelene im Jahr 2002 an einer Qualifizierungsmaßnahme „Bäuerinnen öffnen ihre Gärten“ der Landwirtschaftskammer beteiligte, musste sie auch aufschreiben, wie sie sich „ihren“ Traumgarten vorstellt. „Das ging ruckzuck, es floss nur so aus mir heraus“, erinnert sich die gelernte pharmazeutisch-technische Assistentin. In weniger als drei Wochen legten Gertjes dann die Struktur ihres heutigen, mehr als einen Hektar großen Bauerngartens nach diesem Spontan-Konzept an – ihren Traum. Teilen können ihn Besucher am Sonntag, 9. Juni: Dann laden die Landfrauen niedersachsenweit zum Besuch von ganz besonderen Gärten ein – wie dem von Annelene Gertje in Bokel.
Auch einige der in der Kreisarbeitsgemeinschaft der Landfrauenvereine Ammerland und Friesland-Süd zusammengeschlossenen Landfrauenvereine sind mit Mitmachaktionen beteiligt, berichtet Vorsitzende Ilse Tietjen. Gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin Heike Langediers wies die Wiefelstederin im Gespräch mit der NWZ auf die sieben Gärten hin, die sich im Ammerland und im südlichen Friesland an der Aktion beteiligen (siehe Infokasten). Der Garten der Gertjes ist der einzige, der dabei aus den Gemeinden Rastede und Wiefelstede zu besichtigen und der für Annelene Gertje ihr „Lebenselixier“ ist.
„Man steckt so viel Kraft hinein und bekommt so viel Kraft daraus zurück“, schwärmt die Bokelerin vom Gang über die vielen geschwungenen Wege zum Gemüse- oder Kräutergarten, zu den Teichen, den Staudenbeeten und unter den alten Obstbäumen hindurch. Längst ist alles wunderbar gewachsen, die einst angelegte Struktur mit grünem Leben erfüllt. Die Bokelerin erzählt aus vergangenen Zeiten, als das Grundstück landwirtschaftlicher Betrieb war, später noch im Nebenerwerb landwirtschaftlich genutzt wurde und heute auch interessierten Gruppen auf Anmeldung in der Saison zur Besichtigung offen steht (
Wann immer die Gertjes an einer Stelle ihres Gartens arbeiten, pflegen sie nachmittags um vier Uhr an der „Baustelle“ ihre „heiligen zehn Minuten“: „Dann setzen wir uns dort in Ruhe hin und trinken gemeinsam eine Tasse Tee oder Kaffee“, lacht die Bokelerin über Parallelen zur britischen Gepflogenheit des Fünf-Uhr-Tees.
Am Sonntag übernehmen die Wiefelsteder Landfrauen in ihrem Garten das Regiment, sorgen für Kaffee und Kuchen und stellen etwa ein Kinderprogramm auf die Beine, während Annelene Gertje ihre Besucher gern durch den Garten führt, der auch Kneipp-Garten ist. „Für Kinder ist der Eintritt frei“, wirft „Jan“ Gertje noch schnell ein.
