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Daria Vinkranovska aus der Ukraine Ins Ammerland geflüchtet – in Sicherheit und doch nicht ohne Angst

Im Ammerland in Sicherheit und doch nicht ohne Angst: Daria Vinkranovska

Im Ammerland in Sicherheit und doch nicht ohne Angst: Daria Vinkranovska

Christian Quapp

Ammerland/Friedrichsfehn - Daria Vinkranovska ist in Sicherheit. Seit April lebt die 24-jährige Ukrainerin bei ihrem Freund in Friedrichsfehn. Sie kennt Deutschland, während ihres Germanistik-Studiums war sie ein Semester im Saarland, nach dem Bachelor ein Jahr als Au-Pair in Oldenburg. Hier lernte sie auch ihren Freund kennen. Sie weiß auch, dass immer am 1. Tag des Monats die Sirenen im Ammerland heulen – als Test.

Die angst bleibt

Und dennoch: „Als ich sie das erste Mal hier gehört habe, habe ich mich in der Abstellkammer versteckt und geweint.“ Denn in ihrer Heimat bedeuten Sirenen im Moment höchste Lebensgefahr. Auch das Geräusch von Flugzeugen am Himmel erschreckt sie. Das Haus ihrer Eltern im Süden der Ukraine liegt nahe an einem Militärflughafen, seit Beginn des Russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine lebte die Familie fast ausschließlich im Keller. „In dieser Zeit habe ich nie geweint“, sagt die junge Frau, doch die Angst, die damals entstanden ist, sitzt tief. Und die Angst bleibt, die Angst um die Eltern, die nach wie vor in ihrem Keller ausharren. „Seit drei Wochen gibt es dort kein Wasser mehr, weil die Leitungen zerstört wurden“, berichtet die junge Frau. Immerhin, den Kontakt kann sie halten, Stromversorgung Telefon und Internet funktionieren weiter. Heldenhaft, so Daria, würden Techniker diesen Teil der Infrastruktur immer wieder reparieren.

Pläne in der Ukraine

Seit sie ihren Freund in Oldenburg kennengelernt hat, besuchten sich die beiden immer gegenseitig. Drei Monate durfte sich Daria vor dem Krieg jeweils in Deutschland aufhalten, dann musste sie zurück und ihr Freund fuhr in die Ukraine. Überlegungen für ein gemeinsames Leben gab es schon vor dem Krieg – da ging die Idee allerdings eher in die Richtung, das beide in der Ukraine leben. Von diesem Gedanken hat sich Daria vorerst verabschiedet – und sie setzt alles daran, sich hier so schnell wie möglich nützlich zu machen. An einem Mittwoch Anfang April kam sie im Ammerland an, am folgenden Donnerstag meldete sie sich bereits bei der Kreisvolkshochschule um sich als Sprachmittlerin, also Dolmetscherin und Übersetzerin anzubieten. Ihr dank des Studiums und vieler Aufenthalte fließendes Deutsch prädestiniert sie dafür. Direkt arbeiten kann Daria nicht, erst ab Anfang Juni werden Flüchtlinge wie sie die Möglichkeit haben, hier eine Arbeit aufzunehmen. „Ich möchte nicht nur den Flüchtlingsstatus und einfach Geld bekommen, ich will mich nützlich machen“, sagt Daria.

Viel Hilfsbereitschaft

Die Bürokratie verzögert zwar alles etwas, darüber hinaus hat Daria bisher aber nur gute Erfahrungen gemacht, wie sie sagt. Ob mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Edewechter Rathaus oder mit Menschen auf der Straße. „Neulich stand ich an der Kasse im Supermarkt“, erzählt sie. „An meinem Rucksack ist eine Schleife mit unserer Flagge. Hinter mir stand eine Frau, die diese Flagge bemerkt und hat und ich konnte ihr ansehen, wie bereit sie war mir zu helfen.“

Daria braucht vermutlich weniger Hilfe als viele andere Flüchtlinge. „Ich bin immerhin nicht alleine, ich habe meinen Freund“, sagt sie. Dennoch, das Erlebte und die Sorge um ihre Familie lasse sie nie ganz los. „Ich möchte, dass das alles vorbei ist. Ich möchte, dass die Menschen nicht vergessen, was jetzt passiert und das wir aus der Geschichte lernen – und ich möchte, dass die Schuldigen zur Rechenschaft gezogen werden.

Christian Quapp
Christian Quapp Team Nord (Leitung)
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