Rastede - Den Einsatzkräften bot sich ein grausiges Bild, als sie am Mittwochvormittag zum Bahnübergang Liethe gerufen wurden. Wenige Minuten zuvor waren ein Zug der Nordwest-Bahn und ein Lastwagen eines örtlichen Unternehmens kollidiert. Der 52 Jahre alte Fahrer des Lkw starb noch an der Unfallstelle.
Die Retter der Freiwilligen Feuerwehr Rastede erreichten den Bahnübergang als Erste. Knapp drei Kilometer sind es vom Feuerwehrhaus bis nach Liethe.
„Die Einsatzkräfte fanden einen stark demolierten Lkw im Gleisbett vor“, berichtete der stellvertretende Pressesprecher der Kreisfeuerwehr Ammerland, Heiko Pold. Einige Hundert Meter entfernt stand der Zug auf den Gleisen. „Als Erstes wurde kontrolliert, ob es Verletzte gibt“, schilderte Pold. Zwar trugen die rund 200 Passagiere an Bord der Nordwest-Bahn keine körperlichen Verletzungen davon, wohl erlitten rund 50 von ihnen einen Schock.
Rettungsplattform
Um die Menschen aus dem Zug zu holen, der erhöht auf dem Bahndamm stand, bauten die Feuerwehrleute eine Rettungsplattform auf. Über einen Wirtschaftsweg, der zwischen der Bahnstrecke und einem Maisfeld verläuft, erreichten die Einsatzkräfte den Zug.
Nach und nach konnten die Passagiere den Zug verlassen. Einsatzkräfte aus dem ganzen Ammerland stellten Fahrzeuge, meist kleine Transporter und Mannschaftswagen, zur Verfügung, mit denen die Fahrgäste zu einem nahe gelegenen Sammelplatz transportiert wurden.
Wie Sabine Meyer, Sprecherin der Feuerwehr Rastede, berichtete, wurden die Passagiere dort medizinisch versorgt und betreut. Helfer vom Deutschen Roten Kreuz hatten dazu mehrere Zelte aufgebaut, in denen sich geschultes Personal um die Bahnpassagiere kümmerte. „Für die Einsatzkräfte ist das heute eine schwierige Lage“, sagte Kreisfeuerwehrsprecher Pold angesichts des tragisch verstorbenen Lastwagenfahrers. „Die Eindrücke, die man hier sammelt, sind nicht gut für den Kopf“, sagte er. Die zahlreichen Notfallseelsorger, die vor Ort waren, kümmerten sich deshalb um die Passagiere, aber auch um den Zugführer und das Personal der Bahn. Die Unfallstelle glich einem Trümmerfeld. Die Einsatzkräfte errichteten einen Sichtschutz um den zerfetzten Transporter. Wie Pold berichtete, war das Fahrzeug mit Kessel-Elementen und Heizungsteilen beladen gewesen. Überreste des Fahrzeuges fanden sich noch viele Meter entfernt auf den Wegen rund um die Unfallstelle.
Sichtschutz errichtet
Noch ist unklar, wie es zu dem tödlichen Unglück kommen konnte. An dem Bahnübergang finden zurzeit Bauarbeiten statt, die Schrankenanlage ist derzeit nicht in Betrieb. Die Schranken des Bahnübergang standen hochgeklappt und waren verhüllt.
Sicherheitspersonal der Bahn regelte den Verkehr manuell. Ob das Personal möglicherweise nicht über den herannahenden Zug informiert wurde oder ob es aus anderen Gründen zu dem Unfall kam, müssen die weiteren Ermittlungen ergeben.
