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NWZonline.de Region Ammerland

Geschichte: Unter falschem Namen überlebt

04.06.2016

Eggeloge Eine Klinkerstraße mit Alleebäumen führt zum Bauernhof der Familie Hellmers in Eggeloge. Der nächste Nachbar ist kaum in Sichtweite. Hier in der ländlichen Idylle fand, weit weg vom trubeligen Berlin, die Jüdin Rosa Goldmann im Herbst 1943 Zuflucht vor der Verfolgung durch die Nazis. Begleitet wurde die Witwe vom 65-jährigen Schneidermeister Robert Schmidt, der mit seiner Familie vor dem Bombenkrieg flüchtete. Im Gepäck hatte die 43-jährige Rosa Goldmann den Postausweis ihrer Freundin, der auf den Namen Charlotte Metzke ausgestellt war. Da die Papiere nicht genauer überprüft wurden, flog der Schwindel nicht auf.

Auf die Spurensuche dieser Frau begab sich der in Süddeutschland lebende Historiker Axel Huber. Er hatte eigentlich eine andere Familiengeschichte aufarbeiten wollen und war auf Rosa Goldmann gestoßen. „Sie ist eine der wenigen Überlebenden. Das hat mich bewegt“, erklärt er seine Motivation.

So blätterte Huber in alten Akten und las Zeitzeugenaussagen, bis sich ein grobes Bild des Lebensweges der Berlinerin ergab. „Sie war Anfang 1943 nicht mehr zur Zwangsarbeit als Kabelformerin bei Siemens erschienen und hatte sich acht Monate lang an unterschiedlichen Orten in Berlin versteckt. Es war ein weiser Entschluss, denn sie stand schon auf der Liste für den Transport nach Auschwitz“, weiß Huber inzwischen. „Zu diesem Zeitpunkt waren ihre Schwester Henriette aus Hamburg und ihre Eltern aus Beuthen mit unbekanntem Ziel deportiert worden. Ihre Schwester Johanna war mit ihrem Mann Norbert 1940 in Schlochau enteignet und zur Zwangsarbeit in die Nähe von Berlin deportiert worden. Ihr Bruder Martin starb im Frühsommer 1941 einen inszenierten Selbstmord im Konzentrationslager Dachau. Unzählige weitere Verwandte waren spurlos verschwunden - und meldeten sich nicht mehr.“ Wie sich später herausstellte, überlebten die meisten nicht.

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Umzug nach Westerstede

Rund zwei Jahre blieb Charlotte Metzke, wie sie sich nannte, in Eggeloge und ging den Bauern fleißig zur Hand, was Briefe belegen. Erst nach dem Kriegsende wagte sie sich wieder mit ihrem richtigen Namen in die Öffentlichkeit. Als Rosa Goldmann zog sie nach Westerstede an die Grüne Straße 5, wo sie ab dem 29. Mai 1945 offiziell gemeldet war. Später gründete sie die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes mit und arbeitete im Vorstand.

1948 meldete sie sich wieder in Westerstede ab und wanderte später in die USA aus. Hier lebte auch ihre Schwester Johanna, die schwer gezeichnet das Konzentrationslager Auschwitz überlebt hatte. Wie Huber weiter herausgefunden hat, heiratete Rosa Goldmann 1953 noch einmal und ließ sich mit ihrem Mann in Chicago nieder. Bei einer Deutschlandreise starb sie am 30. Mai 1977 in Baden Baden.

Gespräch auf dem Hof

Vieles hat Huber bereits erfahren, aber er möchte noch mehr wissen über diese Frau, die durch eine falsche Identität ihr Leben retten konnte. Und so fährt er nach Eggeloge, um mit dem Enkel des damaligen Hofbesitzers Johann Diedrich Hellmers zu sprechen. Doch viel ist nicht bekannt über die Berlinerin. „Mein Großvater soll sich gewundert haben, warum eine einzelne Frau die Familie begleitet hat“, erzählt Dieter Hellmers. „Ich vermute, er hat es wohl gewusst, aber aus Sicherheitsgründen nicht darüber geredet.“

Es seien regelmäßig Helfer auf dem Hof gewesen, von 1942 bis Kriegsende auch französische und polnische Zwangsarbeiter. „Sie wurden aber gut behandelt, und unsere Familie hatte mit den Franzosen später noch Kontakt“, weiß Hellmers.

Der Historiker Axel Huber sucht nun nach möglichen Zeitzeugen, die Rosa Goldmann kannten. Auch Fotos oder Briefe könnten hilfreich sein. Axel Huber ist schriftlich über die Adresse Alpenstraße 17a in 78224 Singen erreichbar.

Kerstin Schumann Redakteurin / Redaktion Westerstede
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