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Ehrenamtliches Engagement in der Gemeinde Apen Blitzbesuch und viele Hilfsangebote

Besuch bei Landsleuten – den Familien Lavrova, Vasilenko und Mezentseva – in Augustfehn II: Pastor Peter Szegeljanik (ganz rechts) und seine Frau Katharina, (2.v.li.) Reinhold Wererts, zweiter Vorsitzender des Vereins Humanitäre Soforthilfe. Er kennt über den Westersteder Verein Brückenbauer den Pastor bereits seit Jahrzehnten.

Besuch bei Landsleuten – den Familien Lavrova, Vasilenko und Mezentseva – in Augustfehn II: Pastor Peter Szegeljanik (ganz rechts) und seine Frau Katharina, (2.v.li.) Reinhold Wererts, zweiter Vorsitzender des Vereins Humanitäre Soforthilfe. Er kennt über den Westersteder Verein Brückenbauer den Pastor bereits seit Jahrzehnten.

Privat

Augustfehn/Ihausen - Er ist der Dreh- und Angelpunkt bei der Unterstützung von Menschen in der Ukraine: Pastor Peter Szegeljanik, der eine evangelisch-reformierte Gemeinde im west-ukrainischen Berehowe leitet. Seit über 20 Jahre gibt es zwischen ihm und dem Ammerland bereits Kontakte, die in Kriegszeiten intensiviert worden. Denn Szegeljanik und sein Team von Helfern kümmern sich auf vielfältige Weise darum, dass Spenden des Vereins Humanitäre Soforthilfe Ammerland/Ostfriesland in der Ukraine auch dort landen, wo sie dringend gebraucht werden.

Stippvisite

Kürzlich war der Pastor auf Stippvisite im Ammerland. „Peter Szegeljanik bezieht gar kein Pastorengeld, er und seine Frau leben von den Einnahmen seiner Firma in der Schweiz, die er jetzt besuchte. Aus geschäftlichen Gründen musste er noch nach Belgien – und auf dem Weg dorthin machte er einen Abend bei uns im Ammerland Station“, berichtet Louisa Blank, die die Gründung des Vereins Humanitäre Soforthilfe initiiert hatte und zu dessen Vorsitzende gewählt wurde. Es sei für sie und andere Vorstandsmitglieder sehr interessant gewesen, aus erster Hand vieles aus dem Kriegsgebiet Ukraine zu erfahren, so die junge Medizinstudentin. Szegeljanik hatte nach Absprache mit dem Verein einige Flüchtlingsfamilien aus der Ukraine motivieren können, ins Ammerland zu ziehen.

Gegenseitige Hilfe

„Diese Menschen, die wir betreuen, wollen – das merken wir sehr wohl – auf Dauer nicht bei uns bleiben, sondern zurück in ihre Heimat, sobald das möglich ist“, sagt Louisa Blank. Für mehrere Familien (Frauen und Kinder) habe man Wohnraum, den die Gemeinde anmietete, hergerichtet und ausgestattet hat. Dabei würden auch andere ukrainische Flüchtlinge, die bereits länger da seien, helfen. Dass sich die ukrainischen Schutzsuchenden auch gegenseitig unterstützen, sei auch Ziel des wöchentlichen Ukraine-Treffpunkts. Eingerichtet wurde der vom Verein Humanitäre Soforthilfe zusammen mit der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Augustfehn, dem Team des sozialen Kaufhauses Café & Klamotte Augustfehn und dem Ortsverband Apen der Grünen. Bei den Treffen mittwochs ab 17 Uhr im freikirchlichen Gemeindezentrum, Osterkamp 62, ginge es auch darum, die Flüchtlinge während ihres Aufenthaltes beispielsweise bei Behördenangelegenheiten zu unterstützen.

Wie kann ich helfen?

Nach wie vor ist der Verein Humanitäre Soforthilfe auf Sach- und Geldspenden angewiesen, um auch medizinisches Zubehör für die Menschen in der Kriegsregion Ukraine kaufen zu können. Erfolgreich sei kürzlich in der Eisenhütte Augustfehn ein Benefizkonzert gewesen, das die Gruppe „Mama for President“ ohne Gage gestaltete und das über 100 begeisterte Besucher verfolgten. Rund 2500 Euro kamen so zusammen. 950 Euro kamen durch den Verkauf von Friedenstauben aus Holz zustande, die beim Konzert verkauft und von dem Augustfehner Wilhelm Stickfort gefertigt worden waren. Angesichts des großen Erfolges will der Verein Eisenhütte Kultur die Gruppe später noch zu einem weiteren Gastspiel einladen.

Helfen können Interessierte zum Beispiel auch durch den Kauf eines Kochbuchs. Die aus Syrien stammende und in Augustfehn lebende Mayassa Mustafa hat mit ihrer Familie sowie Gert Sudbrack und Reinhard Penning von der Augustfehner Gruppe Art Anarcho ein Heftchen mit syrischen Köstlichkeiten veröffentlicht. Die erste Auflage, deren Erlös von 1000 Euro der Verein Humanitäre Soforthilfe erhielt, hatten Sudbrack und Penning finanziert, die Kosten für die zweite, jetzt erschienene Auflage hat der Verein übernommen. Für 10 Euro ist das Kochbuch in Augustfehn in der Änderungsschneiderei Ismaeil, bei Schreibwaren Lassen, in der Praxis Blank sowie in der Eisenhütte, bei Auto Gnieser und im Rathaus erhältlich.

Wer Sachspenden zur Verfügung stellen möchte, kann Medikament (auch abgelaufene, geöffnete oder gekaufte) bringen wie z.B. Schmerzmittel, blutdrucksenkende und blutstillende Medikamente und anderes, Verbandsmaterial jeder Art, Windeln für Babys, Feuchttücher, Campingkocher, Schlafsäcke etc. Weitere Infos auf der Homepage (www.humanitaere-soforthilfe-ao.de). Dort wird auch über die Möglichkeit von Geldspenden informiert.

„Wir suchen auch nach Arbeitsmöglichkeiten für die Frauen, deren Männer in der Ukraine kämpfen und die wegen dieser Situation auch sehr angespannt sind. Über reguläre Jobs wie zum Beispiel im Garten- und Landschaftsbau, in der Baumschule oder im Haushalt könnten sie wenigstens für eine Weile auf andere Gedanken kommen. Interessierte Arbeitgeber können sich gern an unseren Verein wenden“, so Louisa Blank.

Geld benötigt

Spenden – das was die Ukrainer selbst für notwendig erachteten – würden auch weiterhin benötigt. „Wir müssen viel Geld für medizinisches Zubehör aufbringen, allein rund 20.000 Euro für Vakuumpumpen, die für die Wundversorgung von Verletzten notwendig sind“, sagt die Vorsitzende. Diese gingen dann an einen Arzt, Ivan Tomeschinez, Traumatologe aus Kiew, der diese Spenden weiter verteile. An ihn habe man bereits diverse Rettungsdecken, viel Verbandsmaterial und spezielle Medikamente geschickt. Ein besonderes Medikament, das in der Ukraine nicht erhältlich sei, brauchte für die Vorbereitung und Nachbereitung einer notwendigen Operation ein vierjähriger Junge. Aus dem Ammerland habe man dieses liefern können.

Sobald wieder ausreichend Spenden für einen Hilfstransport zusammengetragen seien, würde dieser sich auf den Weg an die ukrainische Grenze machen.

Doris Grove-Mittwede
Doris Grove-Mittwede Redaktion Westerstede
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