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Versicherung aus Westerstede Flutkatastrophe kostet „Ammerländer“ Millionen

Sie liegt neben dem ehemaligen Bahnhof an der Westersteder Bahnhofstraße: die ehemalige Villa Ziese, die die Ammerländer Versicherung erworben hat.

Sie liegt neben dem ehemaligen Bahnhof an der Westersteder Bahnhofstraße: die ehemalige Villa Ziese, die die Ammerländer Versicherung erworben hat.

Doris Grove-Mittwede

Ammerland - Seit Jahren folgt bei der Ammerländer Versicherung (AV) ein Rekordergebnis auf das nächste. 2021 hat die Flutkatastrophe eine weitere Steigerung weggespült. Trotzdem ist man in der Westersteder Zentrale sehr zufrieden mit dem Jahresergebnis.

3,4 Millionen Gewinn

So stiegen die Bruttobeitragseinnahmen um 13,42 Prozent auf rund 73,10 Millionen Euro. Die Mitgliederzahl kletterte um 12,28 Prozent auf 825 088. Der Gewinn nach Steuern fiel mit 3,4 Millionen um rund 1,38 Millionen geringer aus.

Damit hat sich die Ammerländer im Branchenvergleich überdurchschnittlich gut entwickelt. „Das Jahresergebnis ist vor allem geprägt durch die Flutkatastrophe und ihre Folgen“, erläuterte Axel Eilers. Mit den Hagelschäden im Frühsommer und der Flutkatastrophe im Juli zähle das Jahr 2021 nach Angaben des Branchenverbandes GDV zu den teuersten Naturgefahrenjahren überhaupt. Als bundesweit tätiger Schadenversicherer, der Hausrat- und Wohngebäudeversicherungen mit Elementarschadenbausteinen anbietet, war auch die AV damit konfrontiert.

Schäden für 36 Millionen

Die Flutkatastrophe kostete das Unternehmen fast sieben Millionen Euro. Vor diesem Hintergrund ist auch die Zahl aller Schadenfälle um 8601 auf 44 854 gestiegen. Insgesamt mussten Versicherungsfälle im Volumen von rund 36,15 Millionen Euro abgewickelt werden. „Dass wir unter diesen Bedingungen ein positives Jahresergebnis verzeichnen können, verdanken wir unserer gesunden und gelebten Risikobetrachtung und der daraus resultierenden Rückversicherungsstrategie“, so Eilers.

Hausrat vor Fahrrad

Die Hausratsparte bleibt die stärkste der AV. Die dort verdienten Beiträge stiegen um 9,21 Prozent. Insgesamt macht die Sparte fast zwei Drittel des Beitragsvolumens aus. „In Zeiten der Pandemie ist das Zuhause zum Anker geworden, den man entsprechend abgesichert wissen will“, sagt Vorstand Gerold Saathoff. „Ein weiterer Faktor ist das gestiegene Sicherheitsbedürfnis nach den immensen Schäden, die die Flutkatastrophe hinterlassen hat. Viele Menschen haben ihre Hausratversicherung deshalb aufgestockt.“

Einer der Wachstumsmotoren war 2021 die Fahrradsparte. „Trotz des mittlerweile stark umworbenen Marktes haben wir hier deutliche Zuwächse erzielt“, so Saathoff. Mit einem Anteil von knapp 20 Prozent am Gesamtprämienaufkommen ist sie die zweitstärkste Sparte.

Mehr Mitarbeiter

Die Zahl der Mitarbeiter ist weiter gestiegen – auf 168 (davon sieben Auszubildende). Auch deshalb hat man das 2018 bezogene Firmengebäude erweitert. Dieser Anbau ist seit einigen Wochen fertig. Insgesamt hat die Ammerländer Versicherung für ihre Zentrale 8,6 Millionen Euro in die Hand genommen.

Villa am Bahnhof

Und es wird weiter investiert. „Wir sind ein wachsendes Unternehmen und sehen unsere Zukunft in Westerstede“, sagt Eilers. Deshalb habe man ein Gebäude an der Bahnhofstraße erworben. Die Ziese-Villa neben dem ehemaligen Bahnhof liegt in direkter Nachbarschaft des ursprünglichen, noch heute genutzten Firmengebäudes. Etwa 1905 wurde es als repräsentativer Wohnsitz einer Unternehmerfamilie errichtet. „Ich halte es für eines der prägenden Gebäude im Stadtbild und wir werden es mit seinem historischen Charakter für Westerstede erhalten“, so Eilers. Gleichzeitig sei geplant, die Nebengebäude umzubauen und zu modernisieren. Die Idee sei, den historischen Charakter der Stadtvilla mit neu entstehenden, modernen Elementen auf dem Grundstück zu kombinieren. Die Planungen für das Projekt starten in 2022.

Jasper Rittner
Jasper Rittner Chefreporter Oldenburg-Stadt/Ammerland
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