Wahnbek - Rüsselkäfer haben es Julia ganz besonders angetan, vor allem der seidige Glanzrüssler. „Der ist so klein und niedlich“, sagt die Elfjährige aus Wahnbek. Auch im heimischen Garten hat sie die nur wenige Millimeter großen Tiere bereits entdeckt – und viele weitere Insekten ebenfalls.
Seit dem vergangenen Jahr erfasst Julia die Käfervielfalt im heimischen Garten. „Insgesamt haben wir 90 Tiere gefunden, die wir über 30 Arten zuordnen konnten“, berichtet sie von den ersten Ergebnissen, die sie fein säuberlich in einem Heft zusammenstellte. In diesem Jahr hat sie schon jetzt mehr als 100 Käfer entdeckt.
Hemmschwelle abbauen
Doch woher kommt das große Interesse an den kleinen Lebewesen? Ihr Vater Michael Raupach ist Entomologe, ein Insektenforscher. Er arbeitet in der Zoologischen Staatssammlung in München und pendelt zwischen Wahnbek und der bayerischen Landeshauptstadt.
Raupach geht es darum, der jüngeren Generation einen Zugang zur Insektenwelt zu vermitteln. Schließlich reagieren viele erst einmal angeekelt, wenn solch ein Wesen irgendwo herumkrabbelt. Den meisten Menschen sind die krabbelnden Tierchen eher lästig. „Mir ist es wichtig, diese Hemmschwelle abzubauen“, sagt der Wissenschaftler.
9000 Käferarten
Und was lag da näher, als die Begeisterung auf seine Tochter zu übertragen? „Ich erwarte nicht, dass sie Biologin wird. Aber sie sollte einen Käfer von einer Wanze unterscheiden können“, sagt der 48-Jährige.
Aus Erfahrung weiß der Insektenforscher, dass viele wohl einen Maikäfer erkennen können oder einen Siebenpunkt-Marienkäfer. Bei der überwiegenden Zahl der kleinen Tiere müssen viele aber passen. Wenig verwunderlich: Allein in Deutschland gibt es 9000 Käferarten, sagt Raupach.
Wanzen und Käfer
Dass Julia beim Bestimmen inzwischen ziemlich sattelfest ist, beweist sie im 40 Quadratmeter großen heimischen Garten in Wahnbek Tag für Tag aufs Neue. Dort entdeckt sie schon mal eine Wanze oder auch einen Haselnussbohrer, in der Welt der Käfer ein weiterer Favorit des Mädchens.
Sogar ein Tier, das auf der Roten Liste Deutschlands als gefährdet eingestuft ist, konnte die Zehnjährige schon in Wahnbek ausmachen: Den Sechspunkt-Diebskäfer. Und auch den besonders geschützten Echten Widderbock fand das Mädchen schon.
Auf Käfersuche geht es übrigens nicht nur im heimischen Garten. „Wir sind auch viel unterwegs“, erzählt Michael Raupach. So geht es zum Beispiel mal ins Moor oder auch mal in den Rasteder Schlosspark.
Der Insektenforscher hofft, dass er die Begeisterung für seidige Glanzrüssler oder Haselnussbohrer nicht nur bei seiner Tochter wecken kann. Denn: Auch wenn Insekten vielen Menschen eher lästig erscheinen. Für viele Ökosysteme sind sie unverzichtbar.
