Ammerland/Oldenburg - Das Modellprojekt „Gemeindenotfallsanitäter“, das seit 2019 im Gebiet der Großleitstelle Oldenburg läuft, ist nach Meinung aller Beteiligten ein großer Erfolg, der den Rettungsdienst und Notaufnahmen entlastet und gleichzeitig schnelle und kompetente Hilfe für die Patienten bietet.
Nur Projektstatus
Doch noch ist aus dem Modellprojekt kein regulärer Teil des Rettungsdienstes geworden. Das bedeutet: Die gesetzliche Grundlage für einen dauerhaften Einsatz fehlt und gibt es personelle Engpässe im regulären Rettungsdienst, müssen die Gemeindenotfallsanitäter dort einspringen. Im Juli 2022 war nicht einmal sicher, ob das Projekt über den Jahreswechsel hinaus finanziert würde, wie Michael Peter, Geschäftsführer beim Rettungsdienst Ammerland damals berichtete. Inzwischen steht die Finanzierung zumindest für das laufende Jahr – Gemeindenotfallsanitäter gibt es derzeit im Ammerland aber dennoch nicht.
Mitarbeiter frustriert
Von Frustration bei einigen seiner Mitarbeiter berichtet Peter jetzt. Vor allem angesichts eines steigenden Krankenstandes – wie überall im Gesundheitswesen – hätten im Ammerland immer wieder Gemeindenotfallsanitäter auf den Rettungswagen einspringen müssen. Ein vernünftig strukturierter Dienstplan sei nicht mehr möglich gewesen, weshalb letztlich einige der Kräfte abgesprungen seien. „Wir hätten genügend Potenzial und genügend Leute, aber aufgrund der Umstände war das Angebot nicht mehr aufrecht zu erhalten“, sagt Peter. Dass das Ammerland bei den richtigen Rahmenbedingungen sofort wieder einsteigen würde, ist klar. Dafür müsse der Gemeindenotfallsanitäter aus dem Projektstatus heraus. „Jetzt müssen die Gesetze und Verordnungen geschrieben werden“, erläutert Peter.
Experten überzeugt
In Cloppenburg läuft das Projekt unterdessen weiter, und auch in Oldenburg sind die Gemeindenotfallsanitäter weiter unterwegs. Dort ist Stefan Thate, Leiter Einsatz bei der Berufsfeuerwehr, federführend. „Das System Gemeindenotfallsanitäter entlastet nachweislich den Rettungsdienst bei der Versorgung von nichtoriginären Notfällen“, sagt er.
Das Projekt werde von allen beteiligten Experten als Erfolg bewertet und zur Einführung in die Regelversorgung empfohlen. „Mehrere Bundesländer stehen mit dem Projektteam in Verbindung und bereiten die Einführung vor, Bremen hat es bereits als regelhafte Ressource eingeführt.“
Stefan Thate hofft wie Peter, dass aus dem Projekt auch in Niedersachsen bis Ende des Jahres eine dauerhafte Einrichtung wird: „Die Stadt Oldenburg beteiligt sich aktiv und mit hohem Engagement in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe mit den Krankenkassen, der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), der Universität, den Trägern, Innenministerium und Sozialministerium, sowie den beteiligten Leistungserbringern mit dem Ziel, das bestehende System sektorenübergreifend gemeinsam mit der KV zu verzahnen und zum 1. Januar 2024 fest zu etablieren. Diese Zusammenarbeit wird seitens der Stadt bisher als konstruktiv und lösungsorientiert bewertet.“
Personelle Engpässe
Allerdings lief das Projekt auch in Oldenburg in den vergangenen Monaten nicht völlig reibungslos. „In der Stadt Oldenburg ist das Fahrzeug bei den Maltesern stationiert. Dort sind durch Personalfluktuation von sechs Stellen akut 2,5 nicht besetzt. Dies führt auch dazu, dass das System derzeit nicht im vollen 24-Stunden-Betrieb zur Verfügung steht. Zur Kompensation erfolgt durch Vermittlung der Stadt zukünftig eine Kooperation mit den Johannitern, welche sich am Projekt dauerhaft beteiligen und personell unterstützen, zudem werden zum 1. April zwei weitere Kräfte bei den Maltesern eingestellt“, so Thate. Und auch in Oldenburg gab es – zum Beispiel im Dezember 2022 – Situationen, in denen Gemeindenotfallsanitäter einen regulären Rettungswagen besetzen mussten.
