Ammerland - „Ich finde es faszinierend, wie Menschen durch ihr Engagement die Lebenswege anderer entscheidend beeinflussen können. Das habe ich selbst so erfahren und auch mir selbst war und ist Engagement für andere eine Herzensangelegenheit.“ Inge Frerichs lächelt.
Seit zweieinhalb Monaten ist die 63-Jährige, die aus der Gemeinde Wiefelstede stammt und seit über 30 Jahren in den USA lebt, wieder in „Old Europe“, bald geht es zurück in ihre Wahlheimat Denver. Natürlich traf Inge Frerichs bei der mindestens jährlichen „Heimatreise“ neben vielen anderen auch jene Menschen, die zu Jugendzeiten ihr Leben entscheidend beeinflusst haben: ihre Sportlehrerin Elke Unverferth, ihre Leichtathletiktrainer Jörn Freese und Jochen Hase und Friedrich „Bully“ Seeger, an dessen Ehrung mit dem Bundesverdienstorden sie in Westerstede teilnahm.
Sport als Türöffner
„Der Sport hat in meinem Leben viele Türen aufgestoßen“, sagt die 63-Jährige, die mit fünf Brüdern und einer Schwester auf einem Bauernhof in Spohle aufwuchs, die Grundschule Spohle besuchte und später zur Hauptschule nach Obenstrohe wechselte. Dass Inge Frerichs sportlich talentiert war, bemerkte ihre Lehrerin Elke Unverferth schnell und förderte die Jugendliche.
Inge Frerichs wurde Mitglied der Leichtathletikgemeinschaft Friesland-Süd und feierte mit ihren Trainern Jörn Freese und Jochen Haase bald Erfolge. Sie lief die 800- und 1500-Meter-Strecken, nahm an Deutschen Meisterschaften und sportlichen Auslandsaufenthalten teil.
Zufällig Fußball
Dass sie 1976 zum Fußball wechselte, ist einem Zufall geschuldet. „Mein jüngster Bruder und ich waren im Westersteder Hössenbad schwimmen und auf dem Rückweg nach Spohle hielten wir mit den Rädern am Lebensmittelgeschäft von Bully Seeger an, um uns ein Eis zu kaufen. Als Bully meine blaue Adidas-Sporttasche sah, fragte er gleich, ob ich in der neuen Fußballfrauenmannschaft mitmachen wolle, die er trainierte. Ich verwies auf mein Leichtathletiktraining und lehnte ab. Dann lud er mich dazu ein, am Sonntag ein Fußballspiel der FSV-Damen anzuschauen. Ich fuhr nach Westerstede, gehörte gleich zum Team und schoss zwei Tore. Eine Weile machte ich beides – Leichtathletik und Fußball – aber das war zu viel. Deshalb gab es nur noch Fußball.“
Denver ist die Hauptstadt des US-Staates Colorado und mit rund 720 000 Einwohnern zugleich dessen bevölkerungsreichste Stadt. Sie liegt am östlichen Fuß der Rocky Mountains auf einer Höhe von 1600 Meter und trägt wegen der Gebirgslage auch den Namen „Mile High City“. Umgeben ist Denver, das sich über eine Fläche von rund 400 Quadratkilometern erstreckt, von hohen Bergen und zeichnet sich deshalb durch ein reizvolles Panorama aus. Wegen der Nähe zu den Rockys und zu mehreren landschaftlich reizvollen Nationalparks zieht sie viele Naturfreunde und Wanderer sowie im Winter viele Wintersportler an.
Ursprünglich war die Region des heutigen Denvers von indigenen Völkern (Sioux, Cheyenne, Arapaho, Apache und Ute) bewohnt. Bei spanischen Expeditionen wurde das Areal im 16. Jahrhundert erkundet und von der spanischen Krone im Jahr 1706 als Kolonie beansprucht. 1803 wurde das Territorium von den Vereinigten Saaten erworben. 1858 – in der Zeit des großen Goldrausches – entstand auf dem heutigen Stadtgebiet die erste weiße Siedlung, hier lebten tausende von Goldsuchern. Im selben Jahr gründete General William Larimer am Rande des Minenstandortes Auraria eine Siedlung, die er zu Ehren von James W. Denver, dem Territorialgouverneur von Kansas, „Denver City“ nannte.
Bekannt geworden ist die Stadt Denver einem Millionenpublikum in den 1980er Jahren, weil dort die US-Fernsehserie „Dynasty“ (Denver Clan) spielte.
Über Bully Seegers Austauschbegegnungen besuchte Inge Frerichs mit den FSV-Frauen 1981 und 1984 die USA. „Als wir das erste Mal in Los Angeles landeten, hatte ich gleich das Gefühl, das ich hier zu Hause bin und schon damals träumte ich davon, einmal eine Zeit lang in den USA zu leben.“
Das kam schneller als erwartet: Ein US-Fußball-Frauenteam fragte 1986 an, ob Inge Frerichs bei ihm spielen wolle. Eine Saison wollte sie in den Staaten bleiben, wo sie sich mit Babysitten Geld für den Aufenthalt verdiente. In Deutschland hatte die Spohlerin nach der Schule die Wirtschaftsfachschule in Varel besucht und danach erfolgreich eine Ausbildung zur Versicherungskauffrau in Oldenburg absolviert.
Trainerin in USA
Inge Frerichs blieb in den USA. Sie jobbte und trainierte in Boulder, einer Universitätsstadt in Colorado, eine Fußball-Frauenmannschaft. 1988 erwarb sie an der DFB-Sportschule ihre B-Trainer-Lizenz. Drei Jahre lebte die Spohlerin in Boulder, 1991 erfolgte der Umzug ach Denver.
Anfang der Neunziger Jahre machte Inge Frerichs die Fußballleidenschaft zum Beruf, gründete die „International Soccer Cooperation“, spielte selbst Fußball und arbeitete auf und rund um Fußballplätzen auch als Trainerin (unter anderem als Club-Coach an Hochschulen). Und natürlich organisierte sie auf US-Seite Austauschbegegnungen mit dem FSV Westerstede. Ab 1995 bis 2002 hatte sie zwei Hauptberufe – Fußball und Managerin für (unterschiedliche Bereiche) der Hotelkette Marriott.
„Weil ich mit der Vertretung meiner Maklerin beim Verkauf meines Hauses nicht zufrieden war, erwarb ich die notwendige Lizenz und wurde 2002 Maklerin“, erzählt die 63-Jährige.
Das war der Anfang einer internationalen Karriere, denn Inge Frerichs vermarktete nicht nur erfolgreich zahlreiche nationale und internationale Immobilien, sondern engagierte sich auch im größten Maklerverband der Welt, der National Association of Realters (NAR). Dort war die Spohlerin auch vier Jahre offizielles NAR-Verbindungsmitglied zu Deutschland. Viele Reisen rund um die Welt folgten und neue Kontakte und Freundschaften entstanden.
Wegen einer Verletzung am Fuß beendete sie schweren Herzens 2008 ihr Fußball-Engagement, sprang allerdings 2014 sofort als Fahrerin ein, als eine solche für den dreieinhalbwöchigen Aufenthalt der FSV-Frauen benötigt wurde.
Reif für Neues?
Inzwischen juckt es ihr wieder in den Füßen, obwohl sie sich noch für internationale Immobilienprojekte engagiert. „Ich arbeitete Teilzeit und habe kürzlich gelesen, dass in Denver eine Profi-Fußball-Frauen-Mannschaft aufgebaut werden soll“, sagt Inge Frerichs. Wenn das keine Aufgabe ist.
