Die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit kann man durchaus als dilatorisch bezeichnen, da stimme ich den Autoren zu. Die Initiative dafür, dass die NS-Vergangenheit öffentlich diskutiert wird, muss von der Presse und von den kommunalen und staatlichen Gremien sowie von den Parteien ausgehen. Der Private kann breite Öffentlichkeit ohne Hilfe Dritter nicht herstellen.
Die Recherchen von Dr. Kemper und Günter Marken tragen in hervorragender Weise dazu bei, die Geschichte des Bauwerks in den Kontext der NS-Zeit zu stellen. Deshalb wäre es wünschenswert, wenn der Turm eine Tafel tragen würde, mit der auf den Parteigenossen, Rechtsextremisten und Rassisten Fritz Höger hingewiesen wird und vor allem darauf, dass der Turm erheblich dazu beigetragen hat, dass Kampfbomber aus der Reichweite Rostrup heraus London und Coventry zusammenbomben konnten.
Der Antisemitismus ist nur eine Facette des Rassismus. Rassismus greift tiefer und umfassender. Rassismus beginnt mit Chauvinismus, der aggressiv übersteigerten Nichtachtung und Abwertung anderen Ethnien und Kulturen. Am Anfang stehen der Heil-Hitler-Gruß, dann die Rassegesetze und am Ende die Gaskammern und das Massengrab.
Der Vorschlag der Kennzeichnung des Gebäudes muss von der Stadt kommen, weil sie Eigentümerin des Turms ist. Ganz unabhängig von der braunen Geschichte des Turms müsste einmal auf den Tisch, wer mit welchen Interessen hinter den geplanten Zwillingstürmen steht. Die Idee fällt ja nicht vom Himmel. Wer in Bad Zwischenahn ein Hochhaus bauen will, kann das nur neben dem Wasserturm tun, weil § 34 Baugesetzbuch ein Einfügungsgebot vorschreibt. Neben dem Rathaus kann man kein Hochhaus bauen.
