Ammerland - Wer zurzeit draußen ein Eis schleckt oder ein Stück Kuchen isst, es sich mit Freunden bei Gegrilltem gemütlich macht oder einfach nur ein kaltes Getränk genießt, der bekommt ziemlich schnell Besuch. Schon jetzt sind nämlich jede Menge Wespen unterwegs und sorgen dafür, dass manch einer nervös um sich schlägt – was jedoch die falsche Reaktion ist.
Der Wespenberater
Den täglichen Umgang mit Wespen gewohnt ist Sascha Siemer. Der 48-Jährige aus Apen gehört zum so genannten Hautflüglerberatungsnetz, das der Landkreis Ammerland aufgebaut hat. Die dort versammelten Fachleute beraten zu Wespen, Hornissen, Hummeln und Bienen und kümmern sich, wenn nötig, um die Umsiedlung von Nestern – in diesem Jahr hat Siemer gut zu tun.
„Wir hatten im Frühjahr optimale Bedingungen, sodass die Wespen ungestört ihre Nester bauen konnten“, berichtet der Aper. Es war warm und trocken und es gab ausreichend Nahrung. Ihn verwundert es daher wenig, dass nun besonders viele Wespen unterwegs sind, zumal es im Jahr zuvor unheimlich wenige gegeben habe. Als extrem sei die Zahl der Wespen in diesem Jahr gleichwohl nicht zu bewerten, sagt er.
Der Aper hat aber den Eindruck, dass die Toleranz gegenüber Wespen immer geringer wird. Dabei erfüllten sie in der Natur ja eine wichtige Aufgabe: als Bestäuber von Wild- und Kulturpflanzen. Insbesondere für den Obstanbau hätten sie dadurch auch eine wirtschaftliche Bedeutung. Und für Hornissen dienten sie als Nahrungsquelle.
Der Naturschutzbund
Zwei Wespenarten fliegen bei uns auf Cola, Steak und Kuchen ab: die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe. Sie hätten den Wespen insgesamt einen schlechten Ruf eingebrockt, heißt es beim Naturschutzbund (Nabu).
In der Regel sei ein Zusammenleben mit Wespen nach dem Motto „Leben und leben lassen“ gut umsetzbar, sagt Bernd Ziesmer vom Nabu Oldenburg. Insofern sei ein Wespennest für die meisten Menschen unbedenklich und müsse nicht umgesiedelt oder entfernt werden, solange keine kleinen Kinder oder Allergiker in direkten Kontakt mit dem Nest kommen. Zur Vorsicht ist allerdings trotzdem geraten. Es kann immer mal wieder passieren, dass Wespen zustechen.
Grundsätzlich seien Wespen friedlich und stechen nicht einfach so, ohne Anlass. Wenn sich also eine Wespe auf den Arm setzt, gilt es, Ruhe zu bewahren. „Abwarten und aushalten, bis sie wegfliegt, ist der beste Umgang mit so einer Situation“, sagt Ziesmer. „Das schaffen aber nur die wenigsten.“ Viele Menschen werden panisch und scheuchen die Wespen mit hektischen Handbewegungen weg, was man unter keinen Umständen tun sollte. Auch pusten oder draufschlagen sollte vermieden werden. Wenn ein Wespennest in der Umgebung ist, sollte man ein paar Meter Abstand halten und nicht in die Flugbahn der Wespen laufen. Auch vom Anatmen oder Rütteln am Nest rät der Nabu dringlichst ab.
Wespennester
Wird Wespenberater Siemer wegen eines Nestes gerufen, ist sein oberstes Ziel dessen Erhalt. „Ich will die Tiere retten“, betont er. Dazu müsse aber erst einmal ein Konsens gefunden werden. Beratung und Aufklärung seien deshalb nötig, nehmen viele Menschen Wespen doch als Bedrohung wahr. Der Fachmann schätzt bei einem Vor-Ort-Termin ein, ob das Nest an Ort und Stelle bleiben kann oder ob eine Umsiedlung möglich ist. Eine Bekämpfung der Wespen ist das letzte Mittel.
Wichtig zu wissen: Niemand sollte ein Nest selbst entfernen. „Ich habe immer wieder Fälle, wo sich jemand nachts an ein Nest geschlichen hat, gestürzt ist und sich dann etwas gebrochen hat“, schildert der Berater. Obendrein dürfe eine Umsiedlung oder im Ausnahmefall eine Abtötung nur nach Genehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises erfolgen.
Im Falle eines Wespenstichs empfiehlt Siemer, die Stelle mit Spitzwegerich einzureiben – eine Heilpflanze, die häufig an Wegesrändern und auf Wiesen zu finden ist und den Juckreiz mildert. „Der wächst fast in jedem Garten“, sagt der 48-Jährige. Er selbst mache allerdings schon lange nichts mehr, wenn er gestochen wird. „Ein Bremsenstich tut mir mehr weh“, sagt er.
