Westerstede - 2019 war für die Ammerländer Versicherung das Rekordjahr. Unter Corona-Bedingungen wurde nun der Jahresabschluss von der Mitgliederversammlung verabschiedet. Mit 55 Millionen Euro stiegen die Beitragseinnahmen um 17 Prozent. Die Zahl der Mitglieder des Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit erhöhte sich um 14,9 Prozent auf 630.000. Und der Gewinn nach Steuern lag bei 3,9 Millionen Euro – ein Plus von einer halben Million, betonen die Vorstände Axel Eilers und Gerold Saathoff. Insgesamt liegt die Versicherungssumme der Westersteder bei über 42 Milliarden Euro.
Neubau für 3,5 Mio.
Mit dem Jahresgewinn hat das Unternehmen die Erweiterung seiner Zentrale am Orchideenkamp quasi schon in der Portokasse. Gerade hat der Bau der Tiefgarage begonnen. In den neuen Gebäudeflügel sollen dann in etwa einem Jahr 70 Mitarbeiter einziehen. 3,5 Millionen investiert die Versicherung hier.
Fahrradboom hilft
Denn das Geschäft boomt. Vor allem in einer Nische ist die Ammerländer Versicherung extrem erfolgreich. 2014 begann man mit dem Geschäft der Fahrradversicherungen. Wofür man auch den Innovationspreis der deutschen Versicherungswirtschaft erhielt. Insgesamt nun bereits 125.000 Fahrrad-Verträge.
„Aktuell steigt auch die Beliebtheit von Diensträdern und es zeichnet sich ein Trend zu gewerblichen Lastenrädern ab“, sagt Saathoff. Auch hierfür bieten die Ammerländer Vollkasko-Versicherungen an.
Im privaten Bereich profitiert das 1923 in Westerstede gegründete Unternehmen vom E-Bike-Boom. Klassische Hausratversicherungen decken Räder nur mit recht niedrigen Summen ab. Das mag für eine alte Gazelle reichen. Wenn aber zwei E-Bikes für je 3000 Euro aus der Garage verschwinden, bleibt man ohne die spezielle Radversicherung auf einem Großteil des Schadens sitzen.
Neben Diebstahl versichern die Ammerländer auch Akkus, bieten Schutzbriefe an und helfen sogar bei platten Reifen. Im Vergleich zu 2018 legten die Fahrradpolicen 2019 um über 77 Prozent zu.
Plus bei Hausrat
Kerngeschäft ist für das Unternehmen aber nach wie vor die klassische Sachversicherung – und dort die Hausratpolice. Auch sie stieg mit 14 Prozent deutlich an. Mit rund 40 Millionen sorgte sie für den Löwenanteil der Beitragseinnahmen.
100.000 Neukunden
Der Boom hat sich trotz Corona auch im ersten Halbjahr 2020 fortgesetzt. Im Neukundengeschäft wurden seit Jahresbeginn über 100.000 Verträge abgeschlossen. Die höchste Zahl in der Firmengeschichte. Darunter waren allein 56.000 Fahrrad-Verträge.
Zusätzliche Jobs
Auch deshalb soll die Zahl der aktuell 145 Mitarbeiter weiter erhöht werden. Was gar nicht so einfach ist. „Das spüren wir bei den Auszubildenden und im Bereich IT“, sagt Eilers.
Für das zweite Halbjahr rechnet der Vorstand mit weiter steigenden Zahlen. So wird in diesen Wochen das 700 000 Mitglied des Versicherungsvereins erwartet und als Ziel für die Jahresbilanz strebt man Bruttobeitragseinnahmen in Höhe von 60 Millionen Euro an.
