Westerstede/Augustfehn - Toller Erfolg für die Polizei – und großartiges Engagement eines Rentners aus Augustfehn: Am Mittwoch erhielt der 74-Jährige aus Augustfehn einen Anruf eines angeblichen „Neffen“. Er sitze gerade beim Notar in Oldenburg und brauche 20.000 Euro in bar für die Anzahlung einer Eigentumswohnung. Da könne der „Onkel“ doch mal aushelfen.

Doch der Rentner roch den Braten. Zum Schein spielte er zwar erstmal mit, rief aber über ein anderes Telefon parallel die Polizeiwache in Westerstede an. Anschließend spielte der Senior für die Polizei den Lockvogel.

Tipps der Polizei

Derzeit läuft wieder eine Anruferwelle im Ammerland. Die Polizei rät: Seien Sie misstrauisch, wenn sich Anrufer am Telefon nicht mit Namen melden. Fordern Sie Anrufer dazu auf, ihren Namen selbst zu nennen.

Seien Sie misstrauisch, wenn sich Personen am Telefon als Verwandte oder Bekannte ausgeben, die Sie als solche nicht erkennen. Erfragen Sie beim Anrufer Dinge, die nur der richtige Verwandte/Bekannte wissen kann.

Geben Sie keine Details zu Ihren familiären und finanziellen Verhältnissen preis. Rufen Sie die jeweilige Person unter der Ihnen lange bekannten Nummer an und lassen Sie sich den Sachverhalt bestätigen.

Wenn ein Anrufer Geld oder andere Wertsachen von Ihnen fordert: Besprechen Sie dies mit Familienangehörigen oder nahestehenden Personen. Übergeben Sie nichts an Fremde.

Kommt Ihnen ein Anruf verdächtig vor, informieren Sie unverzüglich die Polizei unter der Nummer 110.

Sind Sie bereits Opfer eines Enkeltricks geworden, zeigen Sie die Tat unbedingt bei der Polizei an.

Lassen Sie Ihren Vornamen im Telefonbuch abkürzen. Die Betrüger suchen gezielt nach Menschen mit älteren Vornamen.

Bewahren Sie Wertsachen und höhere Geldbeträge im Bankschließfach auf.

Beobachtet von mehreren Ermittlern ging er zur Geldübergabe. Der Anrufer hatte den Rentner aufgefordert, sich zu einem Treffpunkt an der Straße „Am Kanal“ in Augustfehn zu begeben. Dort würde eine Frau auf ihn warten und ihn ansprechen. Tatsächlich kam eine 44-Jährige, um das Geld abzuholen. Doch statt Barem gab es für sie Handschellen, berichtete der Erste Kriminalhauptkommissar Rolf Kramer von der Polizei.

Die Frau war wegen ähnlicher Straftaten bereits in Erscheinung getreten. Auf Antrag der Zentralstelle zur Bekämpfung bandenmäßiger Betrugsstraftaten bei der Staatsanwaltschaft Osnabrück erließ eine Richterin des Amtsgerichts Westerstede Haftbefehl wegen des Verdachts des banden- und gewerbsmäßigen Betruges. Strafrahmen ein bis zehn Jahre Gefängnis.

Die Ermittlungen zu den Hinterleuten dauern an. Erfahrungsgemäß erfolgen die Anrufe aus „Callcentern“ im Ausland. In den letzten Tagen kam es zu einer erneuten Anrufwelle im Ammerland.

Jasper Rittner
Jasper Rittner Chefreporter Oldenburg-Stadt/Ammerland