Westerstede - Es hat lediglich einen Zukunftstag und ein Schulpraktikum für die berufliche Entscheidung gebraucht: „Das habe ich beides in der Orthopädiewerkstatt im Schuhhaus Janssen gemacht und es hat mir auf Anhieb gefallen“, erzählt Wencke Renken. Eine Bewerbung habe sie nicht mehr schreiben müssen, sie habe die Zusage für die dreieinhalbjährige Ausbildung in Westerstede zur Orthopädieschuhmacherin von ihrem Chef Andreas Meyer direkt bekommen.
Berufliche Entscheidung
Im Januar 2021 hat die Godensholterin ihre Ausbildung als Gesellin mit Auszeichnung bestanden und qualifizierte sich damit für die Teilnahme auf Landesebene. Auch diese Hürde meisterte die 21-Jährige bravourös und wurde Landessiegerin von Niedersachsen. „Ich habe als Gesellenstück einen orthopädischen Schuh Budapester Machart gefertigt – einen Halbschuh für Herren mit Verkürzungsausgleich von drei Zentimetern“, beschreibt die Landessiegerin das produzierte Modell.
Wencke Renken selbst braucht Einlagen in ihren Schuhen. „Mich hat es interessiert, wie solche Einlagen überhaupt maßgefertigt werden und was es dazu braucht“, erinnert sie sich und ergänzt: „Inzwischen weiß ich, dass sehr viele Menschen, egal welchen Alters, Fußprobleme haben und auf spezielle Hilfsmittel angewiesen sind.“
Die Landessiegerin liebt ihren Beruf, den sie mit großer Freude ausübt. „Er bietet viel Abwechslung – in der Werkstatt wie im Laden – und viel Kontakt mit Kunden und den ganz unterschiedlichen Problemen mit den Füßen.“ Handwerkliches Können, Umgang mit Maschinen und modernster Computer-Technik wie beispielsweise für Laufanalysen mit Video, das zwei- und dreidimensionale Einscannen, Fußdruckmessungen und Schuhzurichtungen gehören zum Tätigkeitsbereich.
Während ihrer dreieinhalbjährigen Ausbildung musste Wencke Renken einmal wöchentlich nach Wilhelmshaven zur Berufsschule. „Zum Jahresende 2021 wird die Wilhelmshavener Schule aufgelöst, dann müssen die Auszubildenden entweder nach Hannover oder Lübeck zum Blockunterricht“, so Andreas Meyer, der stolz auf die Leistung seiner Gesellin ist.
Berufliche Visionen
Ein Abschluss mit Auszeichnung beinhaltet ein Stipendium. „Ich möchte dieses Stipendium für meine Weiterbildung nutzen“, erklärt Wencke Renken, die in ihrer Freizeit gerne näht. Im Blick hat sie die weitere Ausbildung zur Sensomotorik-Technikerin.
Der Beruf Orthopädieschuhmacher zählt zu den medizinisch-technischen Handwerksberufen (Gesundheitshandwerk). Das Leistungsspektrum umfasst alle schuhtechnischen Maßnahmen zur Erhaltung, Förderung und Wiederherstellung der Fußgesundheit, angefangen bei individuellen Änderungen am Konfektionsschuh über Schuheinlagen bis hin zur Anfertigung von orthopädischen Maßschuhen oder komplexen Orthesen. Einen großen Teil nimmt die umfassende Beratung und Problemlösungen bei Schuh- und Fußproblemen im prophylaktischen und akuten Bereich ein.
