Westerstede - Die einen reden von mehr Gerechtigkeit, die anderen von Misswirtschaft. Seit 2013 wurden die Krippengebühren in Westerstede nicht mehr erhöht. Nun soll eine neue Gebührensatzung kommen. Und über die regen sich vor allem die Besserverdiener auf. Während es bei den unteren Einkommensgruppen kaum Veränderungen gibt, sollen die in der höchsten Einkommensstufe die Beiträge zum Teil um fast 300 Euro angehoben werden.
„Wir haben uns fast überall in Deutschland umgesehen und nirgendwo in einer kommunalen Krippe so hohe Gebühren gefunden“; sagt Rene Kühn. In der Krippe Jahnallee müssten bei der obligatorischen Neunstunden-Betreuung 744 Euro plus Essensgeld gezahlt werden, kritisiert der Vater. Aktuell liege der Höchstsatz dort bei 446 Euro. In Edewecht liege der Höchstsatz bei 640 Euro, in Oldenburg bei 534,50 Euro.
Umfassende Betreuung
Die Jahnallee ist allerdings eine besondere Krippe. Sie ist ans Klinikzentrum angebunden. Mitarbeiter können dort passend zu ihren Schichtplänen den Nachwuchs betreuen lassen. Ferienzeiten gibt es nicht. Unter den Eltern gibt es etliche Ärzte und doppelverdienendes Fachpersonal. Weshalb sich so mancher in der höchsten Einkommensstufe wiederfindet. Die sollte laut eines ersten Entwurfs bei 50 000 Euro Netto-Jahreseinkommen (nach Abzug von Freibeträgen).
Nun gibt es einen Kompromissvorschlag, hinter dem SPD, FDP, UWG und Grüne stehen. Dabei soll die höchste Stufe erst ab 60 000 Euro Netto gelten. Zudem wird von sieben auf neun Stufen weiter differenziert. Mit 50 000 Euro netto liege man dann bei 576 Euro. Wer darüber liegt, muss allerdings auch beim Kompromissvorschlag im Extremfall mit fast 300 Euro mehr im Monat rechnen.
Erhöhung zu stark
Was die Eltern jedoch ärgert, sind keineswegs die Stufenmodelle als viel mehr die Wucht der Erhöhung, die einige treffen würde. „Wir wollen nicht für die Misswirtschaft der letzten sieben Jahre zahlen“, sagt Jessica Gruh. Was sie damit meint? Seit 2013 hat sich die Politik nicht an ein neues Tarifsystem getraut. Dadurch drohen einigen Eltern nun so starke Erhöhungen. Was sie sich vorstellen könnten, wären vielleicht jeweils zehnprozentige Anhebungen in den kommenden Jahren.
Die CDU will das Krippenproblem hingegen am liebsten weiter vertagen. Gerade vor dem Hintergrund der vielen Unwägbarkeiten durch Corona solle erst 2022 neu über die Elternbeiträge diskutiert werden, so ihr Antrag. Das wäre dann auch nach der Kommunalwahl Ende 2021.
Arbeit muss sich lohnen
Aus Kreisen der Eltern gibt es auch die Meinung, die Stadt könne besser nach anderen Einnahmemöglichkeiten suchen. Zum Beispiel Parkgebühren auf dem Albert-Post-Platz oder teurere Schwimmbad-Tickets.
Diana Krebs weist auch noch auf einen anderen Aspekt hin. Es gebe viele Frauen, die nach der Geburt ihres Kindes wieder stundenweise in den Beruf einsteigen wollen. Wenn dann der Mann sehr gut verdient, geht der Teilzeitlohn der Frau quasi für die Krippengebühren und die Fahrkosten drauf. „Arbeit muss sich auch lohnen“, sagt sie. Wenn aber vom Einkommen kaum etwas übrig bleibe, würden Mütter quasi zwangsweise zuhause bleiben.
Im Rathaus sieht man das anders. Für 75 Prozent der Eltern werden sich Beiträge kaum ändern, heißt es. Zudem sorge die neue Staffel für mehr Gerechtigkeit. Zumal der Anteil der Eltern insgesamt an den 2,3 Millionen Euro Krippenkosten gerade mal bei 13,8 Prozent liege. Den Rest würden überwiegend das Land und die Stadt (eine Million) übernehmen. Beginn der Sitzung ist an diesem Dienstag um 17 Uhr im Westersteder Dannemann-Forum.
