Westerstede - Nicht mehr rauchen, mehr Sport machen, mal richtig abspecken – das sind die Klassiker unter den guten Vorsätzen – schnell formulierte Ziele, deren Umsetzung nur allzu häufig auf wackligen Beinen steht. Doch warum ist das so? Die NWZ hat sich mit dem Westersteder Psychologen Werner Folkers von der Familienberatungsstelle des Landkreises Ammerland über das Thema unterhalten.
„Viele Menschen hängen ihre Ziele zu hoch, dabei wäre es viel besser, erst einmal kleinere Brötchen zu backen“, weiß Folkers auch aus eigener Erfahrung in der Beratungsstelle. „Sie schinden sich, sind nur gefrustet, haben tierischen Muskelkater, üben den völligen Verzicht und machen sich zu wenig bewusst, dass sie durch die vorgenommene Veränderung vor allem eine Wertigkeit für ihr eigenes Leben schaffen.“
Konkret statt vage
Wer sich diese Wertigkeit immer wieder bewusst mache und sein Leben danach ausrichte, habe bessere Chancen, seine Ziele tatsächlich auch langfristig zu erreichen. „Diese Wertigkeit“, führt der gebürtige Friesländer aus, „ist sehr kostbar, weil sie ganz viel Kraft und Selbstvertrauen gibt.“ Etwa beim Sport: Denn das regelmäßige Sporttreiben hat zur Folge, dass sich die Menschen gesünder und kräftiger fühlen, sich ihre Statur und Körperhaltung zum Positiven verändern.
Ein anderes Problem mit den Neujahrs-Vorsätzen beschreibt der 62-Jährige so: „Die Ziele, die sich viele Menschen stecken, sind häufig zu vage und unkonkret formuliert.“ Ein Beispiel ist der feste Wille, möglichst viel abzunehmen. Ab dem 1. Januar geht es dann beim Sport in die Vollen und es gibt nur noch Salat. Da bleibt der Spaß schnell auf der Strecke. „Die Taktik der kleinen Schritte ist da deutlich zielführender“, meint der Psychologe. „Langsam die Ernährung umstellen – in der einen Woche dies, in der nächsten das – und sich eine Sportart aussuchen, die einem auch wirklich Spaß macht.“
„Nicht jeder mag Jogging“
Denn: „Nicht jeder mag Jogging. Es kann sein, dass der Person das Radfahren oder Schwimmen viel mehr liegt.“ Wer dann erst den Anfang gefunden habe, so der 62-Jährige, der merke nach einiger Zeit, dass ihm die Bewegung gut tue. „Es gibt mir was, wenn ich merke, dass ich Spaß an etwas habe und auch noch gesundheitlich davon profitiere.“
Ein anderes Beispiel: „Wer sich allgemein vornimmt, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, könnte sich auch ein konkreteres Ziel setzen: Vielleicht dieses: „Ich komme zweimal pro Woche früher nach Hause, um mit meinem Sohn Fußball zu spielen.“ Ein zentraler Gesichtspunkt besteht darin, eine innere Verpflichtung einzugehen und ein „Das-ist-mir-wichtig“-Gefühl zu entwickeln, also sich selbst für das Wesentliche im Leben zu sensibilisieren und es sich bewusst zu machen. Vielleicht auch mit diesem Gedanken: „Ich möchte mich als Papa mehr in die Familie einbringen.“
Belohnung ist wichtig
Einen weiteren entscheidenden Motivationsfaktor merkt Werner Folkerts an: „Man sollte sich auch mal belohnen, am besten regelmäßig.“ Der Aspekt der Belohnung sei nicht zu unterschätzen, führt Folkers aus. Es müssten auch keine großen Belohnungen sein, aber sie sollten in erreichbarer Nähe sein. So beim Aufhören mit der Qualmerei: Das Ziel, das gesparte Geld erst nach Ablauf eines Jahres auszugeben, sei nicht bei jedem zielführend. „Man kann mit dem Geld auch alle zwei Wochen etwas Besonderes unternehmen – wie mit der Frau oder der ganzen Familie ins Kino gehen.“
Doch nicht nur Erwachsene, auch Kinder können oder sollen sich ruhig etwas für das neue Jahr vornehmen: „Vor allem wenn es darum geht, dass Kinder ein bestimmtes Verhalten ändern sollen, ist das Prinzip des Belohnens elementar“, weiß Folkers und führt aus: „Hierbei ist darauf zu achten, dass Belohnungen relativ schnell erfolgen.“ Denn die sind ein Anreiz, auch durchzuhalten.“
Verbindlichkeit schaffen
Einen guten Tipp hat Werner Folkers noch auf Lager: Am besten ist es, sich mit anderen zusammenzutun. „Man sollte sich jemanden suchen, der mitmacht, einen Mitstreiter“, empfiehlt der Psychologe, „weil man so Verbindlichkeiten schafft.“ Denn wer sich zum Sport mit anderen verabredet, der weiß, dass da jemand wartet. Der Austausch mit jemandem, der gegen dieselben Dämonen zu kämpfen hat, kann Berge versetzen, indem er ein „Wir-schaffen-das“-Gefühl hervorbringt und aus Einzelkämpfern eine verschworene Gemeinschaft macht.
